Speyer Streik und neue Liga für mehr Zuschauer
„Manchmal fragt man sich warum man diesen Aufwand betreibt, damit dann mal 120 Zuschauer kommen. Es ist wirklich schade, wenn man Tabellenführer ist und so eine Serie hat. Für die Jungs ist das sicherlich kein zusätzlicher Ansporn.“ Das waren die Worte von Trainer Christian Schultz auf der Pressekonferenz des FV Dudenhofen nach dem Verbandsligaspiel gegen den ASV Winnweiler. Schultz äußerte öffentlich seinen Unmut. Auch im Gespräch mit der RHEINPFALZ unterstreicht er: „Das ärgert mich kolossal. Wir betreiben einen riesengroßen Aufwand. Außerdem gibt es ehrenamtliche Helfer, für die ist das vielleicht noch ärgerlicher.“ Der Cheftrainer des Verbandsliga-Tabellenführers weiß, dass das Angebot an anderen Aktivitäten weiter zunimmt. Jedoch betont er, dass dieser Zuschauermangel nicht nur im Fußball zu sehen sei: „Auch andere Vereine, die in ihrer Sportart erfolgreich sind, haben weniger Zuschauer. Der Erfolg wird vernachlässigt.“ Schultz versucht sich den Mangel an Beobachtern zu erklären: „Möglicherweise“, führt der Coach des Verbandsliga-Tabellenführers aus, „sind die Eintrittspreise manchen Leuten zu hoch.“ Doch würden mehr Zuschauer kommen, wenn man keinen Eintritt verlangte? Schultz: „Wir müssten es ausprobieren und würden dann merken, ob wirklich mehr kommen.“ Derweil werbe der FVD mit „attraktivem Fußball“, verspricht der 41-Jährige. TuS-Sportdirektor Dieter Demmerle sieht dagegen ein Generationsproblem. Er ist sich sicher, dass viele potenzielle Zuschauer eine „Bleib-ich-halt-daheim-Mentalität“ an den Tag legten. „Diese Leute bleiben dann eben für die Bundesligaspiele auf der Couch sitzen“, sagt Demmerle über Partien seines TuS, die während der Erstliga-Übertragung liefen. Die Anstoßzeiten der höchsten Ligen kosteten die Amateur-Vereine viele Zuschauer. Des Weiteren stimmt er Schultz zu, dass es immer mehr Angebote in der Freizeit gebe: „Das Gesamtangebot wird einfach immer größer“, betont er. FC Speyers Trainer Ralf Gimmy stellt fest, dass der Mensch immer „träger und bequemer“ werde. „Die Anstoßzeiten Montag und Freitag helfen zwar“, glaubt Gimmy, „aber auf Dauer wird auch das von der Bundesliga besetzt sein.“ Irgendwann werde die Pay-TV-Blase platzen, prophezeit er. Der Aufstiegstrainer ist überzeugt, dass es mehr Derbys geben sollte und schlägt im Prozess einer Liganeustrukturierung die „Südwestliga-Ost“ vor. „Darin wären dann viele Vereine wie der SC Hauenstein, der TuS, Dudenhofen, Speyer, Jahn Zeiskam, Arminia Ludwigshafen, SV Rülzheim und noch viele andere vertreten. Insgesamt sollten dann 18 Teams in der Spielklasse aktiv sein“, erklärt der FC-Übungsleiter seine Vorstellung. Mit Saarland und Rheinhessen sollte es dann drei solcher Ligen geben. Dies wäre zwar extrem viel Arbeit, jedoch hätte man nur noch Derbys mit Zuschauergarantie. Ein Problem sieht er aber darin, dass dem Aufsteiger das Niveau für die Regionalliga fehle. Auch FVD-Trainer Schultz stimmt seinem Kollegen zu: „Das ist eine Super-Sache, und es wäre für alle das Beste. Jedoch lässt der DFB das sicherlich nicht zu.“ Dem stimmt Gimmy zu: „Im DFB ist es ein einziges Machtgehabe.“ Wie Demmerle sieht auch der FC-Coach ein Problem in den Anstoßzeiten: „Letztens war ich auf einer Trainerfortbildung in Wolfsburg. Dort wurde gesagt, der Amateurfußball sei die Basis des DFB. Das ist Quatsch.“ Gimmys kurioser, jedoch wirkungsvoller Vorschlag: zwei Spieltage lang in allen deutschen Amateurligen zu streiken. Laut Demmerle würde dies zwar nicht helfen, Nichtstun bringt jedoch laut TuS-Sportdirektor auch nichts. „Wenn sich aber nichts ändert, wird es nicht besser“, betont Demmerle.