Speyer Stolpersteine für Speyer
Der Stadtrat hat gestern einstimmig beschlossen, dass die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Speyer weiterentwickelt werden soll. Das Ergebnis war für die Initiatorinnen überraschend, weil einige Parteien vor der Sitzung noch dagegen gewesen seien.
„Wir waren überrascht, dass alle Parteien zugestimmt haben. Im Vorfeld gab es viel Kritik und einige Parteien waren dagegen“, sagte Sabrina Albers nach der Abstimmung des Rats. Sie ist eine von insgesamt sechs Stadtführerinnen, die die Führung „Jüdisches Leben in Speyer“ anbieten und angeregt haben, dass in Speyer Stolpersteine verlegt werden. Ihre Kollegin Jutta Hornung sagte: „Wir sind sehr froh, dass das Ergebnis einstimmig ausgefallen ist. Wir haben uns fast zwei Jahre dafür eingesetzt, dass es so kommt.“ Spenden für 30 Steine gebe es schon. Einer kostet circa 120 Euro. „Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr schon die ersten fünf oder sechs verlegen können“, so Hornung. Die Steine mit Messingtafeln tragen die Namen sowie Geburts- und Sterbedatum von Opfern des Nationalsozialismus. „Bislang gibt es in Speyer keine Erinnerung an verfolgte Homosexuelle, Opfer von Euthanasie und Ähnlichem. Wir haben nur Erinnerungen und Mahnmale an jüdische Opfer“, betonte Albers. Hornung ist der Meinung: „Jetzt fängt die Arbeit und die Recherche erst an. Wir hoffen, dass wir eingebunden werden in die Arbeit.“ SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Feiniler bedankte sich noch einmal persönlich bei den Stadtführerinnen. Er hatte den gemeinsamen Antrag von SPD, CDU, Grüne, SWG und BGS auf den Weg gebracht. „Stolpersteine sollen die Erinnerungskultur nicht ersetzen, sie sollen sie unseres Erachtens ergänzen“, betonte er in seiner Haushaltsrede. Die Linke sei durch ein technisches Problem im E-Mail-Verkehr beim Antrag nicht mit im Boot gewesen, gestand Feiniler, der alle Parteien angeschrieben hatte. Die Linke schloss sich dem Antrag an. Aurel Popescu betonte: „Wir waren schon 2007 für die Stolpersteine, als wir noch nicht Teil des Stadtrats waren.“ Popescu mahnte in diesem Zusammenhang, die Vergangenheit jener zu thematisieren, die der verlängerte Arm des NS-Regimes gewesen seien, wie beispielsweise der ehemalige Oberbürgermeister Karl Leiling, der immer noch einen Platz in der Ahnengalerie habe und nach dem eine Straße benannt sei. CDU-Fraktionsvorsitzender Gottfried Jung sagte: „Wir hatten lange Vorbehalte, weil wir die Erinnerungskultur zu sehr auf ein Thema fokussiert gesehen haben, haben aber festgestellt, dass die Erinnerungskultur vielfältiger ist und sind damit einverstanden.“ Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) berichtete, dass weitere Bausteine der Erinnerungskultur entwickelt und vorgestellt werden sollen. Auch die Zeit zwischen 1933 und 1945 solle aufgearbeitet werden, sagte er im Hinblick auf Popescus Hinweis. Claus Ableiter (BGS) betonte, dass seine Partei schon immer die Erinnerungskultur für wichtig erachtet habe. „Es ist eine Sache, an die man unbedingt erinnern muss“, sagte er mit Nachdruck. Dennis Peterhans von der FDP gestand, dass seine Partei intern bis zuletzt den Antrag kontrovers diskutiert habe. Er stimmte schließlich dafür.