Speyer Stimmlicher Feuerwerkszauber

Geistreich soll es sein, Spaß muss es machen: Wenn die sechs Herren im gepflegten Outfit auftreten, ist bei aller Seriosität des
Geistreich soll es sein, Spaß muss es machen: Wenn die sechs Herren im gepflegten Outfit auftreten, ist bei aller Seriosität des Vortrags der Unterhaltungswert im oberen Level.

Wer am Silvesterabend nach 20 Uhr in der Speyerer Gedächtniskirche noch ein Plätzchen ergatterte, konnte sich glücklich schätzen; keine Maus passte da mehr rein. So war das gute Tradition. Und es gibt keinen Grund, warum das nicht so bleiben sollte. Denn auch wenn die Ära des Blechbläserklangs nach der Auflösung des „Rennquintetts“ zu Ende ist – der Auftritt der Münchener „Singphoniker“ wird vermutlich auch dieses Konzert am 31. Dezember, 21 Uhr, wieder in den Olymp der kulturellen Glanzlichter der Domstadt erheben.

Seit mehr als 30 Jahren ist die fünf Stimmen starke Männer-Crew nebst „hauseigenem“ Pianisten global blendend „im Geschäft“. Immer mal hat sich die Besetzung etwas verjüngt, niemals dagegen die Grundkonzeption gewechselt: tadellose Stimmkultur, nicht selten Stimmakrobatik, stilistisches Superbreitwand-Vermögen, stets geschmackvoll und trittsicher quer durch Epochen und Genres sowie brillante Bühnenpräsenz. Immer, wo die sechs charismatischen Herren im gepflegten Outfit auftreten, ist bei aller Seriosität des Vortrags der Unterhaltungswert im oberen Level. Geistreich soll es sein, Spaß muss es machen, lautet eine zielführende Maxime. Wer die Discographie durchkämmt – 30 Titel sind es inzwischen, etliche preisgekrönt – kommt rasch dahinter, was es mit dem Etikett „Singphoniker“ auf sich hat. Sie singen sich sozusagen durch die sinfonische Vielfalt der Musikgeschichte – meist sauber getrennt, jedes Programm eine stilgetreue Perle fürs häusliche CD-Schatzkästlein, zuweilen auch geistreich im schillernden Stil-Mix kredenzt. So kommt es dass man, als – schlicht und einfach – „Singphoniker“-Fan, den CD-Player mal mit Orlando di Lasso, mal mit Simon & Garfunkel, mal mit dem Schubert’schen Liedschaffen oder den Sinfonien von Michael Haydn füttern kann. Vokale Hochkultur zwischen Gregorianik und Francis Poulenc oder Avo Pärt fehlt ebenso wenig wie der – übrigens fast dem Vergessenwerden entrissene – Couplet-Schatz des Wiener „Taubenvergifters“ Georg Kreisler. Die Bühnenprogramme – und damit sind die „Singphoniker“ mit Probensitz in München rund um den Erdball zwischen Europa, Amerika und Asien unterwegs – propagieren nicht selten ein mutiges, dabei stets stimmiges Crossover. Schubert konfrontiert mit Kreisler oder auch das Weihnachtsspecial, mit dem das Ensemble dieser Tage sein Publikum in Japan begeistert, zaubern in jeweils kongenialen Arrangements oftmals ganz ungeahnte Korrelationen zutage. Die pikante Würze dazu, das verführerische Sahnehäubchen liefert die Performance. Deren Ingredienzien sind geistreicher Witz, gute Laune, Virtuosität und ein glasklarer, vitaler Klangsound. Allesamt verfügen sie über ein klassisches Ausbildungsfundament, sind solistisch versiert und jenseits des Ensembles auch im Oratorien-, Lied- und Bühnenfach äußerst gefragt: Johannes Euler, Counter, die Tenöre Daniel Schreiber und Henning Jensen, Michael Mantaj, Bariton, und Christian Schmidt, Bass, sowie ihr fabelhafter Pianist und Perkussionist Berno Scharpf. Das Speyerer Programm „Singphonic Silvester“ gestalten die „Singphoniker“ in enger künstlerischer Partnerschaft mit Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger an der Steinmeyer-Orgel. Und das Publikum darf sich freuen auf eine kurzweilige Rundreise durchs festlich barocke Weihnachtswunderland eines Gabrieli oder Händel. Titel aus dem einschlägigen Volksliedfundus, in teils raffinierten Arrangements, fehlen ebenso wenig wie stimmakrobatische Hochseilakte a la Gioachino Rossini. Auch Duke Ellington schaut angelegentlich vorbei. Und zwischendurch unterhält Daniel Schreiber mit seinem unnachahmlich charmant verbindlichen Plaudertalent mit allerlei geistreich launigen Zwischenrufen. CD-Tipp und Vorverkauf —„Oh, Christmas Tree“ mit den „Singphonikern“: beim Label cpo, im Handel und auch im Internet unter www.singphoniker.de/shop/oh-christmas-tree/ — „Singphonic Silvester“, Eintrittskarten zu 23 Euro: bei Reservix, RHEINPFALZ-Ticket-Service, Tourist-Information Speyer, Maximilianstraße 13, Telefon 06232 142392, Capella-Verlag, Roßmarktstraße 32, Telefon 06232 77716.

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