Speyer
Steigleiter: Generationswechsel am gelben Laster
28 Jahre – da war doch was … Genau so alt war auch Erwin Steigleiter senior, als er 1929 mitten in der Weltwirtschaftskrise eine Düngemittel- und Brennstoffhandlung in der Speyerer Bahnhofstraße aus der Taufe hob. Diese hat sich auch in der Vergangenheit schon verändert, Baustoffe und nach dem Krieg den Heizölhandel hinzugenommen, der bis heute den Geschäftsbetrieb prägt. Aber: Dieser Markt wird immer kleiner.
Sorgen um die Zukunft macht Daniel Steigleiter dennoch nicht, wie er betont: „Ich habe längst Vorstellungen, um auf dieser Basis etwas Neues zu gestalten“, so der Betriebswirt, der nach ersten Joberfahrungen im Preismanagement der Heilbronner Bechtle AG als vierte Generation bei Steigleiter eingestiegen ist. Geschäftsführer der GmbH mit sieben Mitarbeitern ist weiterhin sein Vater Hans-Peter (60). Wenn er in einigen Jahren aufhört, soll Daniel ihm folgen.
„Von der Pike auf“
Wichtig sei ihm, den Energiehandel „von der Pike auf“ gelernt zu haben, berichtet der Juniorchef. So erwarb er in Speyer zunächst den Lkw-Führerschein und steuerte den gelben Tankzug persönlich zu den Kunden im Umkreis von 60 Kilometern. Inzwischen sitze er aber nur noch in Ausnahmefällen am Steuer. Er kümmere sich vor allem um die Buchhaltung.
Die Konzepte entstehen zusammen mit seinem Vater. Einerseits soll der Vertrieb von Erdgas und Strom weiter vorangetrieben werden. Die Steigleiters sind einer von 14 Gesellschaftern des Deutschen Energiecontors und sehen sich damit für den umkämpften Markt gerüstet. „Wir sprechen die Leute direkt an und sind ansprechbar“, so Daniel Steigleiter über ihren Trumpf auf dem Markt. Bisherige Ölkunden, die auf Gasheizung umsteigen wollen, könnten so oft „gehalten“ werden. Der Vertrieb von Strom und Gas mache ein Drittel des Gesamtumsatzes aus – mit steigender Tendenz. Beim Noch-Hauptgeschäft Öl ist es laut Steigleiter so, dass die Anzahl der Kunden konstant geblieben, aber die mittlere Abnahmemenge gesunken ist – von 4500 Litern vor 20 Jahren auf nur noch 2500 bis 3000 Liter.
Neuen Standort im Blick
Zweiter großer Firmenplan ist die Aussiedlung der Tankstelle. Diese soll mit dem Betrieb von dessen Traditionsstandort im Sterngarten aus dem Stadtzentrum heraus verlegt werden. „Der heutige Standort ist nicht ideal. Wir haben einen neuen im Kopf, können diesen aber noch nicht nennen“, sagt der Juniorchef. Dieses Projekt sei auf drei bis fünf Jahre angelegt. Dabei solle auch die generelle Marschrichtung, in nachhaltige und klimaschonende Energieträger zu investieren, eine Rolle spielen. Stichworte dabei: Flüssigerdgas (LNG) und Wasserstoff. Steigleiter: „Das Verkehrssystem ist bereits im Wandel, und wir wollen dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen.“ Neben der E-Mobilität seien Wasserstofftechnologien die Zukunft. Deshalb werde das Unternehmen immer breiter aufgestellt.
Einen Abgesang auf den Ölverkauf stimmt der 28-Jährige aber noch lange nicht an. Zum einen hätten die extrem niedrigen Ölpreise in der Corona-Krise für „volle Auftragsbücher und ein enormes Arbeitspensum“ gesorgt. Zum anderen bricht er eine Lanze für die „gute, alte Ölheizung“: Diese dürfe zwar nach Gesetzesänderungen maximal 30 Jahre laufen, jedoch es gebe Ausnahmeregelungen für kleinere, vom Eigentümer selbst genutzte Gebäude. Und auch nach 2025 dürften Ölheizungen weiterhin eingebaut werden, wenn sie erneuerbare Energien wie Solarthermie- oder Photovoltaikanlagen einbinden, erläutert Steigleiter. Da ist er schließlich beim dritten Punkt, mit dem er seinen Traditionsbetrieb in eine erfolgreiche Zukunft führen will: „Wir sind auch offen dafür, uns zu vergrößern, wenn ein Händlerkollege aufgibt, ohne einen Nachfolger zu haben.“