Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Stefans Woche: Zeit für Neues

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„Domplatte“: Neue Namen

Für fragende Gesichter in der Redaktion hat in dieser Woche eine Pressemitteilung der Polizei gesorgt. „Am 20.05.2022 um 12:25 Uhr kam es zu einem Unfall auf der Domplatte in Speyer“, heißt es darin. Es ging um den Lkw-Fahrer, der mit seinem Gefährt in die Große Himmelsgasse einbiegen wollte, dabei aber einen Poller übersah. Ein lauter Knall und schon war es geschehen. Und das mitten auf der Domplatte! Aber Moment mal. Domplatte? Gibt es das in Speyer denn wirklich? Keinen Vorwurf an die Polizei: Der Platz vor dem Dom ist zugegebenermaßen ziemlich eintönig und – platt. Da kann einem schon mal eine „Domplatte“ rausrutschen anstelle des Domplatzes. Aber ernsthaft: Es gibt offenbar nur eine einzig wahre Domplatte – und die ist in Köln. Eine fast ernstgenommene Suche im Internet hat jedenfalls keine seriöse Quelle offenbart, die außerhalb von Köln eine Domplatte erwähnt.

Was nicht ist, kann jedoch noch werden. Unsere Sprache ist schließlich im stetigen Wandel. Die „Domplatte“ lässt sich sicher auf die eine oder andere Art und Weise in die Speyerer Stadtgespräche integrieren. Das könnte über ein gastronomisches Angebot gelingen. Dafür müssten Restaurants rund um den Dom eine spezielle Speyerer Abwandlung des Pfälzer Tellers kreieren und diese dann als „Domplatte“ anbieten. Wie genau das gastronomisch umgesetzt wird, dafür bin ich zum Glück nicht zuständig.

Astronauten-Ehrung: Neue Perspektiven

Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte, heißt es. Bei den elf Astronauten, die vor einer Woche im Technik-Museum eine Ehrung der Vereinigung der Raumfahrer erhielten, war es der Blick auf die Erde aus dem Weltraum, der für diese mehr bedeutet, als lange Erklärungen zur Begrenztheit und Einmaligkeit unseres Planeten. „Das dünne blaue Band zwischen der Erde und dem schwarzen Weltraum ist unsere Atmosphäre“, sagte Physiker Ulf Merbold. Ohne sie gäbe es kein Leben. Alle Raumfahrer waren sich einig, dass die Menschheit mehr tun muss als bisher, um unseren Planeten vor Natur- und Umweltzerstörung zu schützen. Das allerdings fordern schon lange auch viele Tausend andere, die nie in solche Sphären abgehoben sind. Es kann nun leider nicht jeder in den Weltraum fliegen.

Um dennoch diesen besonderen Anblick der Erde wenigstens ansatzweise zu erleben, rät Merbold zum Segelfliegen. „Dieses sinnliche Erlebnis können Sie mit Worten nicht beschreiben“, meinte er. Mit dem Segelflieger abheben, um auf den Boden der Tatsachen zu kommen – könnte das helfen? Segelfliegen als Pflichtfach in den Schulen und als monatlich oder besser wöchentlich wiederkehrendes Ritual für Politiker und Wirtschaftsführer. Bei Flugangst würde sich Bergsteigen empfehlen: Wer hoch genug hinauskommt, erweitert seine Perspektive ebenfalls beträchtlich. Und vielleicht stünde am Ende wirklich bei immer mehr Menschen die Erkenntnis, die Klaus-Dietrich Flade wie seine Kollegen bereits hat: „Wir sind alle Astronauten auf dem Mutterschiff Erde.“ Und, so viel weiß man aus sämtlichen Filmen, die im Weltall spielen: Ist das Mutterschiff kaputt, hat die Besatzung ein Problem.

Vatertag: Neue Traditionen

Womöglich kriege ich in einer von der Kirche derart geprägten Stadt wie Speyer Ärger, wenn ich den zurückliegenden Feiertag nicht als Christi Himmelfahrt, sondern ganz weltlich als Vatertag bezeichne. Mancherorts wird er Herrentag oder – für die einfachen Gemüter – Männertag genannt. Es gibt Regionen in Deutschland, da zogen und ziehen noch immer Männer – augenscheinlich nicht nur Väter – mit Bollerwagen und Bier zu einer Wanderung los, um sich an besagtem Tag selbst zu feiern. Doch das scheint für viele aus der Zeit gefallen zu sein. In einer Gesellschaft, in der Gleichberechtigung mehr denn je im Blickpunkt steht, auch was die Erziehung der Kinder angeht, erscheint es nun mal anachronistisch, wenn sich Väter am Feiertag die Kante geben, anstatt etwas mit der Familie zu unternehmen. Man stelle sich vor, Mütter würden an ihrem offiziellen Ehrentag mit den besten Freundinnen umherziehen und irgendwann stockbesoffen aus dem Biergarten abgeholt werden müssen. Die jährlichen Polizeistatistiken beweisen: Diesen Feiertag mit der Familie und nicht mit den Saufkumpels zu verbringen, ist deutlich gesünder und verursacht weniger Kosten für die Gesellschaft.

Es wäre wohl nicht das Verkehrteste der Welt, wenn diese Trinktradition Stück für Stück in Vergessenheit geraten würde und durch neue Traditionen abgelöst wird, bei denen es darum geht, wirklich Zeit mit der Familie zu verbringen. Zu der Erkenntnis, dass diese Zeit kostbar ist, wird fast jeder früher oder später gelangen.

Neun-Euro-Ticket: Neue Reisen

Wer hat noch mal gesagt, dass Reisen bildet? Sollte das stimmen, dann wäre das ab 1. Juni gültige Neun-Euro-Ticket eine günstige Gelegenheit, mal rauszukommen und im besten Fall noch etwas zu lernen. Ein spürbares Interesse an dem Angebot ist wohl überall da. Dass das Ticket bereits seit dieser Woche am Automaten erworben werden kann, hat in Speyer allerdings noch nicht zu übermäßigem Gedränge geführt. Auffällig auf den Bahnsteigen war gerade am Mittwoch vielmehr das Gedränge von Schulklassen. Offenbar war Wandertag. Da Reisen ja auch bilden soll, eine durchaus passende Unternehmung für den Nachwuchs. Speyerer fuhren zum Beispiel an die Haardt – und umgekehrt. Eine gerade aus dem Zug ausgestiegene Klasse drängte also an Gleis 1 nach draußen, als ein Schüler mit Blick nach Süden auf zwei vom Bahnhof aus gut sichtbare Kirchtürme feststellte: „Do is de Dom.“ Die mit ihrer Rasselbande gut beschäftigte Lehrerin schaute auf und bestätigte: „Ah, ja.“ Dass es die Türme der St. Josephs-Kirche waren, hat sie später hoffentlich festgestellt. Das hätte dann einen weiteren Lerneffekt: Eine zunächst gebildete Meinung lässt sich ändern, wenn man neue Erkenntnisse dazu gewinnt.

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