Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtwerke erhöhen Tarife zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten

Liberalisierter Energiemarkt: Kunden haben freie Anbieterwahl. Geht das ausgewählte Unternehmen pleite, springt der örtliche Gru
Liberalisierter Energiemarkt: Kunden haben freie Anbieterwahl. Geht das ausgewählte Unternehmen pleite, springt der örtliche Grundversorger ein. Das kann aber teuer werden.

Die drastischen Preissteigerungen auf dem Energiemarkt wirken sich auch in Speyer und Umland aus. Einige, meist billige Versorgungsunternehmen können ihre Kunden nicht mehr beliefern. Diese fallen dann in die Grundversorgung eines lokalen Betreibers wie der Stadtwerke Speyer (SWS). Die müssen darauf reagieren.

Mal wieder: eine neue Tarifinformation der SWS. Zum 1. März werden Preise in der Grund- und Ersatzversorgung der Sparten Strom und Gas erhöht. Um 4,3 Prozent geht es beim Strom in einer Arbeitspreis-Kategorie nach oben, um 11 Prozent beim Erdgas-Arbeitspreis. Betroffen sind davon jeweils nicht die sogenannten Sondervertragskunden, die in der Vergangenheit mit den SWS günstigere Verträge vereinbart hatten. Die Grund- und Ersatzversorgung betrifft laut SWS-Pressesprecherin Sonja Daum rund 25 Prozent der 45.000 Kunden im Netzgebiet Speyer, Otterstadt, Römerberg, Harthausen und Dudenhofen.

In den vergangenen Wochen seien zahlreiche Haushalte hinzugekommen, die bisher von sogenannter Energie-Discountern Strom oder Gas erhielten. Die Unternehmen haben Branchenexperten zufolge teilweise auf sehr kurzfristige Beschaffung der benötigten Energiemengen gesetzt und in einer Zeit, in der die Preise galoppierten, Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden nicht mehr nachkommen können. Damit diese Kunden nicht in kalten oder dunklen Wohnungen sitzen müssen, ist der Grundversorger in seinem jeweiligen Netzgebiet – also die SWS in den genannten Orten – verpflichtet, sie aufzunehmen.

Hintergrund: Marktpreisexplosion

Das Tochterunternehmen der Stadt Speyer hatte schon im Dezember deutlich gemacht, dass die gesetzlich geregelte Vorgehensweise Herausforderungen mit sich bringt. Beim Gas sind die Preise zum 1. Januar 2022 zuletzt erhöht worden. Beim Strom war über Neujahr noch Konstanz möglich, aber jetzt müssen die SWS laut Daum „der erneuten Marktpreisexplosion, insbesondere im November und Dezember“, Tribut zollen: In beiden Sparten steigen die Grundversorgungspreise. Es seien „verhältnismäßige und moderate“ Anpassungen, so Daum. Im Vergleich zu Konkurrenten blieben die Preise weiterhin günstig.

Die unterschiedliche Behandlung der Grund- und Sondervertragskunden erklärt das kommunale Unternehmen damit, dass für die letztgenannte Gruppe längerfristig Energie eingekauft werden könne und keine direkte Betroffenheit von der jetzigen Preisexplosion bestehe. „In der Grundversorgung sind die Kundenbewegungen höher, daher wird hier kurzfristiger und auch außerplanmäßig beschafft“, erläutert Daum. „Enorme Mehrkosten“ bereiteten darüber hinaus Verbrauchsschwankungen. Beim Gas habe sich etwa der kälteste Dezember seit mehreren Jahren bemerkbar gemacht.

Derzeit keine Sonderverträge

Die spezielle Situation sorgt laut Daum dafür, dass die SWS derzeit – wie andere Unternehmen auch – keine neuen Sonderverträge anbieten. In der Vergangenheit hatte sie hingegen speziell für diese geworben, um zum Beispiel Kunden aus der Grundversorgung längerfristig zu binden. Sondervertragskunden mit längeren Vertragslaufzeiten seien von der Preiserhöhung zum 1. März nicht betroffen. Stand heute seien auch weder für Sonder- noch Grundversorgung weitere Anpassungen im laufenden Jahr geplant. Daum muss aber einschränken: „Sofern es nicht zu einem weiteren extremen Preisanstieg am Energiemarkt und zu einem unerwarteten Kälteeinbruch kommen sollte.“

x