Speyer
Stadtleben: Keine Feier ohne Beteiligung aus Speyer
Altstadtfest: Boxen für Festgefühl zuhause gefragt
Die Leidenschaft für das Speyerer Altstadtfest kann auch die Corona-Pandemie nicht bremsen: Am ersten Verkaufstag der „Altstadtfest-dehääm“-Boxen auf dem Wochenmarkt auf dem Berliner Platz am Freitag hatten sich schnell Menschenschlangen gebildet. Alle wollten sich das „Altstadtfest-Gefühl“ für zuhause besorgen. Rund 1000 der 1500 Boxen sind weg. In den Kisten stecken Wurst, Rieslingschorle, Schoppenglas, Brezelgutschein und eine Stadtwerke-Ente.
Es werden aber nicht nur Boxen gekauft. Die Solidarität mit den Vereinen, die wegen der Absage des Festes, das am kommenden Wochenende über die Bühne gegangen wäre, nichts verdienen können, geht noch weiter: Das Café Schlosser unterstützt zum Beispiel die Hilfsaktion der Stadt Speyer auf seine eigene Weise. „Vereine unterstützen, die Speyer mit so einzigartig machen, ist mir und meiner Familie wichtig“, sagt Inhaber Thor Theile. „Wir spenden für jedes verkaufte Glas Sekt im Aktionszeitraum vom 7. bis 12. September drei Euro für die Speyerer Vereine.“ Die Stadt Speyer habe das Café während der Coronazeit sehr gut unterstützt und sich großzügig gezeigt. „Da können wir der Stadt etwas zurückgeben“, sagt der junge Familienvater.
Alle Kurzentschlossenen, die sich das „Altstadtfest dehäm“ nicht entgehen lassen wollen, können am Mittwoch, 9. September, 15 bis 18 Uhr, in der Maximilianstraße 7-9 (ehemaliges Hotel „Tor zur Pfalz“) noch Boxen kaufen. Außerdem gibt es sie, solange der Vorrat reicht, zu den üblichen Öffnungszeiten bei Edeka Stiegler in der St.-German-Straße 8. Das Altstadtfest lebt – auch mit Corona.
Salierbrücke: Keine Fotos vom Käsebrotessen
Zu einer Baustelle gehören für gewöhnlich zahlreiche Hinweis- und Verkehrsschilder. Das ist bei der Salierbrücken-Sanierung nicht anders. Doch vor wenigen Tagen ist Passanten ein Schild ins Auge gefallen, das dort bisher noch nicht zu sehen war: rund mit rotem Rand, weißem Hintergrund und einem durchgestrichenen Kamera-Symbol in der Mitte. Die Internet-Recherche ergibt wenig überraschend: Damit soll ein Fotografierverbot „ausgesprochen“ werden. Auf die Frage nach dem Warum weiß die Pressestelle des zuständigen Regierungspräsidiums Karlsruhe durchaus Überraschendes mitzuteilen. Die Schilder seien zur „internen Kommunikation“ für Mitarbeiter der an der Sanierung beteiligten Firmen gedacht gewesen, allerdings auf der falschen Seite des Zauns angebracht worden. Das Fotografieren und Telefonieren der Arbeiter selbst sollte damit unterbunden werden. Wobei dieses Ziel inzwischen offenbar auf andere Art „kommuniziert“ wird. Denn die Schilder am Bauzaun, an dem alle rund 25 Meter eines von ihnen befestigt war, sind schon wieder weg. Solange diese noch hingen, hat sich vielleicht der eine oder andere Passant gefragt, was sie bezwecken sollen. Er ist womöglich auf die Idee gekommen, dass damit „Fotografen“ abgeschreckt werden sollen, die sich mit Teleobjektiv auf die Lauer legen wollten, um Arbeiter beim Rauchen oder Käsebrotessen abzulichten und solche Bilder dann mit abfälligen Kommentaren in sozialen Netzwerken zu „teilen“. Ganz abwegig wäre dieser Gedanke nach bisherigen Erfahrungen mit Baustellenkritikern leider wahrlich nicht.
Brezelfest: Auch private Bilderauktion ist ein Erfolg
Die jetzigen Altstadtfest-Ersatzaktionen hatten Vorbilder beim Brezelfest. Wie gesagt: Speyerer lassen sich das Feiern nicht vermiesen. Und als vorige Woche die Bilanz der Versteigerung eines Brezelfest-Bildes gezogen wurde, hat Bettina Schmidl aus Speyer auch Bilanz ihres privaten Brezelfests gezogen. Das hatte die Familie aus der südlichen Innenstadt im Juli organisiert, um den Gang auf den Festplatz zu ersetzen. „Als Wahlspeyrer sind wir seit knapp 30 Jahren fest mit den hiesigen Festivitäten verbunden, das Brezelfest gehört einfach zu unserem Muss-Programm“, berichtet Schmidl. So wurde im eigenen Garten stilecht ein kleines Brezelfest gefeiert. Die Dekoration: höchst professionell, teilweise schöner als auf dem richtigen Fest. Auf der kulinarischen Liste standen zum Beispiel Domhof-Bier, Berzel-Brezeln und die obligatorische Forelle aus dem Domgarten.
Höhepunkt des Festes: die Versteigerung eines Original-Brezelfest-Bildes. Tochter Linda (23) hatte es mit grafischen Elementen zügig gestaltet, die Anwesenden und sogar die eigens per Skype aus Norddeutschland zugeschaltete Tante und Oma boten mit. Genau 43 Euro seien zusammengekommen, berichtet Bettina Schmidl – nicht ohne Stolz: einerseits wegen der gelungenen Familienfete, andererseits weil sie bei der Versteigerung selbst den Zuschlag erhielt.