Speyer Spurensuche im Rohrgraben

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Ludwigshafen. Von einem Normalbetrieb ist der Landeshafen Nord noch weit entfernt. Denn erst, wenn der Rohrgraben von den Ermittlern freigegeben wird, kann die BASF die Reparatur der Hafenanlagen angehen. Durch den Graben verlaufen insgesamt 38 Leitungen – zehn davon sind Ver- und Entsorgungsleitungen für nichtchemische Stoffe wie etwa Brunnenwasser, die restlichen Rohre für verschiedene Inhaltsstoffe. Eine Fremdfirma war von der BASF mit Wartungsarbeiten an einer gespülten und entleerten Propylenleitung in dem Graben beauftragt worden. Laut dem Chemiekonzern sollten mehrere Stücke der Rohrleitung ausgetauscht werden. Die Arbeiten fanden bereits mehrere Tage statt, als es am Montag, 17. Oktober, zu dem Unglück kam. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankenthal schnitt einer der Fremdarbeiter mit einem Winkelschleifer (Flex) offenbar versehentlich eine andere Leitung an, durch die ein brennbares Gemisch aus Butanen und Buten floss. Erst kam es zu einem Feuer, dann zu einer Explosion und weiteren Folgebränden. Drei Männer der Werkfeuerwehr und ein Matrose eines Tankschiffs kamen bei dem Unglück ums Leben. Sieben weitere Menschen wurden schwer verletzt, 22 andere leicht. Die Staatsanwaltschaft lässt derzeit unter Aufsicht die Leitungen in dem Rohrgraben von der BASF leeren und spülen, um dann gefahrlos Teile der Rohre heraussägen und abtransportieren zu können. Die Rohrstücke werden per Lastwagen auf ein Gelände der Bereitschaftspolizei in Enkenbach-Alsenborn im Kreis Kaiserslautern gebracht. Dort sollen die Beweisstücke in einer freigeräumten Fahrzeughalle gelagert und von mindestens vier unabhängigen Technikgutachtern untersucht werden. Die Aktion soll in den kommenden Tagen stattfinden. Mit Gutachten der Experten rechnet der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber nicht mehr in diesem Jahr. Die Polizei, die eine eigene Ermittlungsgruppe wegen des Unglücks eingerichtet hat, ist derzeit mit mehreren Dutzend Beamten am Unglücksort im Einsatz. Mit dabei sind Experten der Spurensicherung und Brandermittler. Außerdem werden von den Kripo-Beamten Zeugen des Unglücks vernommen. Der Arbeiter, der ein falsches Rohr angeschnitten und damit das Unglück ausgelöst haben soll, hat bisher noch keine Aussage gemacht. Er ist momentan der einzige Beschuldigte im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren, in dem es um fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässiges Herbeiführen einer Explosion geht. „Der Mann hat über seinen Rechtsanwalt verlauten lassen, dass er derzeit keine Angaben macht“, teilte Oberstaatsanwalt Ströber mit. Das sei durchaus üblich, weil Rechtsanwälte zuvor Akteneinsicht wollten. Es gebe aber mehrere Aussagen von Zeugen, die vor Ort gewesen seien. Nähere Angaben wollte Ströber aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht machen. Ob allein menschliches Versagen zu der Katastrophe geführt hat, kann die Staatsanwaltschaft erst sagen, wenn das Gesamtergebnis der Ermittlungen vorliegt. Geprüft wird auch, ob alle Sicherheitsvorkehrungen und die Einweisung der externen Mitarbeiter ordnungsgemäß gewesen sind. „Wir haben aber bisher keine Erkenntnisse, dass an der Anlage im Hafen etwas nicht in Ordnung gewesen sein könnte“, sagte Ströber weiter. Unterdessen haben im freigegebenen Hafenteil die Aufräumarbeiten begonnen. Dort wurden zwei ausgebrannte Feuerwehrfahrzeuge und mehrere ausgeglühte Autowracks auf einem Mitarbeiterparkplatz abtransportiert. Wie hoch der Sachschaden im Hafen ist, konnte eine BASF-Sprecherin gestern nicht beziffern. Die wirtschaftlichen Folgen des Unglücks werden ebenfalls noch aufgearbeitet: Seit gestern Morgen läuft auch der zweite Steamcracker des Chemiewerks wieder. Acht stillgelegte und 50 gedrosselte Produktionsanlagen sollen in den kommenden Wochen wieder in den Normalbetrieb gehen. Das Tor 15 ist seit Mittwochmorgen wieder regulär geöffnet. „Die Lastwagenabfertigung läuft wieder normal. Auch das Kombiverkehrsterminal ist wieder in Betrieb“, sagte eine Konzernsprecherin dazu. Damit kann auch der Güterverkehr per Zug wieder stattfinden. Einschränkungen gibt es nach wie vor beim Schiffsverkehr, da der Landeshafen erst nach umfangreichen Reparaturen in Betrieb genommen werden kann. Ein Zeitpunkt dafür sei derzeit noch nicht absehbar. Südwest

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