Speyer Spezialfolie gegen Edding-Kritzeleien

Helmpflicht beim Absaugen von Fäkalien: Ein Team der DB Regio Mitte ist für die technische Wartung der Züge zuständig. Die Reini
Helmpflicht beim Absaugen von Fäkalien: Ein Team der DB Regio Mitte ist für die technische Wartung der Züge zuständig. Die Reinigung übernimmt die Bahntochter DB Services GmbH.

«Ludwigshafen.» „Dieses WC hat schwer gelitten.“ So nimmt Fahrzeugreiniger Samer Srour den traurigen Toiletten-Status der 77 Meter langen Zugeinheit an der Innenreinigungsstation des S-Bahn-Werks nüchtern zur Kenntnis: lose auf dem mit Urinflecken garnierten Fußboden herumliegendes Klopapier, Schmierereien an der Wand. Der 27-Jährige mag in seinen bislang sieben Jahren bei der Bahntochter DB Services GmbH schon einiges an Unrat gesehen und gerochen haben. Manch einen stimmt seine mobile Sitzung lyrisch und er verewigt sich mit Edding-Sprüchen an den Wänden der Zugtoiletten. „Der Filzstift greift den Lack total an“, zeigt Werkstattleiter Heinz-Dieter Götz auf die Schriftspuren, die trotz chemischer Reinigung noch an den Wänden zu lesen sind. „Der Spiegel ist nahezu verätzt; beim nächsten Boxenstopp wird der ausgetauscht“, sagt Götz. Mit einer Spezialfolie sollen die Innenflächen der S-Bahn-Toiletten „demnächst“ laut dem 59-Jährigen überzogen werden, um sie resistenter gegen die Kritzeleien zu machen. Den 400 Liter fassenden Fäkalien-Tank hat Srour kurz vorher mit Reinigungsmeister Roland Hirschmann über einen Außenwandanschluss des Wagens abgesaugt. Mindestens alle zwei bis drei Tage wird der Schlauch angelegt, um Platz für neue Kundenbedürfnisse zu schaffen. „Das dauert so zwischen fünf und zehn Minuten“, erläutert der 59-jährige Hirschmann, „je nachdem, wie voll der Tank ist und wie stark die Pumpen ausgelastet sind.“ Beim Fäkalienabsaugen besteht Helmpflicht – durch plötzlichen Druckanstieg im Schlauch könnte sich dieser aus seiner Halterung an der Oberleitung lösen und auf die Arbeiter stürzen. Ansonsten ist für die Zugeinheit eine „zustandsbedingte Tagesinnenreinigung“ angesagt: „Mülleimer leeren, fegen, wischen, Glas abziehen, Sitzritzen säubern“, zählt Srour auf, wie er mit drei weiteren Kollegen pro Zug für Sauberkeit sorgt. 15 bis 20 Mops werden pro Tag verbraucht, um die 126 S- und Regionalbahnen aus drei Baureihen im Zuständigkeitsgebiet der Ludwigshafener Innenreinigungsstation in Alltagsglanz zu halten. „Er ist extra für die Türen abgestellt.“ So stellt Srour seinen 198 Zentimeter großen Kollegen Andreas Eberhard vor. „Ich bin der Mann für die Oberdecks“, ist sich der 46-jährige Eberhard seiner Monopolstellung bewusst. Die hat er, wenn die Leiter gerade nicht zur Hand ist. Außerdem hat die Mannschaft des 39-jährigen Servicebereichsleiters Jan Häußler noch die „große Grundreinigung“ im Angebot, bei der alles etwas feuchter wird: „Mülleimer mit Wasser auffüllen, nass wischen von oben nach unten und die Polster mit dem Nasssauger säubern“, präsentiert Srour das Premium-Programm. Zuletzt komme die „übergroße Zahnbürste“ zum Einsatz, wie der Fahrzeugreiniger die schwere Bodenreinigungsmaschine nennt. Für die wöchentliche Außenreinigung müssen die Züge aber nach Karlsruhe fahren. „Unsere Außenwaschanlage wird erst nächstes Jahr fertig“, sagt Pressesprecherin Ute Greter. Von der Hygiene zur Technik: „Das Herz der Instandhaltung seit 2003“ nennt Götz die 180 Meter lange und 30 Meter breite Halle, deren Bau einst 16 Millionen Euro kostete. Auf zwei komplett mit Fahrdraht überspannten Gleisen kann gleichzeitig an vier Fahrzeugen auf mehreren Ebenen gearbeitet werden. Für Dachreparaturen stehen in der 18 Meter hohen Werkstatt die acht „fliegenden Teppiche“ bereit, wie Götz die gelben Schwebebühnen nennt. „Die meisten Komponenten befinden sich aber unterhalb des Fahrzeugs“, betont Fertigungsmeister Thorsten Scherr. Deswegen sind die Gleise aufgebockt, so dass der 47-Jährige in einem Kanal unter dem Zug durchlaufen kann, ohne den Kopf einzuziehen. „Batterie, Antriebstechnik, Trafo, Luftpresser“, nennt Scherr zentrale S-Bahn-Organe auf der Unterseite, derweil er eine Radachse mit einem Prüfgerät auf Haarrisse, Schottereinschläge oder sonstige Beschädigungen untersucht. „Im schlimmsten Fall werden alle vier Wagenkästen angehoben und der komplette Radsatz getauscht“, sagt Scherr und zeigt auf die gigantische zehnsäulige Hebebockanlage, mit der die Zugeinheit in ganzer Länge 1,50 Meter in die Höhe gestemmt werden kann.

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