Speyer
Speyerer Umland: Auch die Felder kommen ins Schwitzen
Die Hitze in den vergangenen Wochen plagte nicht nur jeden der tagsüber das Haus verlassen musste, sondern auch die Pflanzen auf den Feldern im Speyerer Umland. In einer RHEINPFALZ-Umfrage erklären Landwirte, welche Folgen die hohen Temperaturen auf ihre Arbeit sowie auf das Obst, Gemüse und Getreide haben.
Die Hitze und die Pflanzen
Bei der extremen Hitze vergangene Woche ist es schwer zu glauben, dass die Pflanzen auf den Feldern alles unbeschadet überstanden haben. „Es ist noch nicht so schlimm wie letztes Jahr, da ging die Trockenheit ja bis in den Oktober rein“, berichtet Holger Hellmann, Landwirt aus Schwegenheim. „Aber der Sommer ist auch noch nicht vorbei, also mal sehen, was noch auf uns zukommt“, fügt er an. Auf den von ihm bewirtschafteten zirka 90 Hektar wachsen Getreide, Mais, Zuckerrüben, Karotten, Melonen, Äpfel und noch weitere Obst- und Gemüsesorten. Am schlimmsten seien die Äpfel betroffen. „Durch die starke Sonneneinstrahlung direkt auf die Früchte werden die Äpfel sehr schnell rot. Außerdem wird das Fruchtfleisch unter der Schale beschädigt, was einen großen Verlust bedeuten kann“, erklärt Hellmann.
Auch wenn die Spargelzeit schon vorbei ist, sind auch diese Pflanzen von der Hitze betroffen. „Wir müssen die Spargelpflanzen manuell bewässern, da sie durch die Hitze und den wenigen Regen nicht genug Wasser bekommen“, berichtet Tim Ballreich, Landwirt aus Dudenhofen. Auf 120 Hektar baut er hauptsächlich Spargel und Erdbeeren an. „Für eine gute Erholung benötigen die Pflanzen viel Wasser für die Photosynthese“, sagt der Landwirt. Er müsse auch den Mais und die Zuckerrüben manuell bewässern, was die Arbeit nicht einfacher mache.
Damit ist er nicht der einzige. Auch Andreas Jester, Landwirt aus Römerberg, ist über die Trockenheit nicht glücklich. „Der Mais geht momentan in die Fahne, er fängt also an, die Kolben zu bilden. In dieser Zeit braucht der Mais am meisten Wasser, was bedeutet, dass wir ihn manuell beregnen müssen“, sagt Jester. Neben Mais und Zuckerrüben baut er Getreide, Kürbisse, Äpfel, Zwetschgen und Mirabellen an. „Man kann den Schaden zwar durch die Beregnung meistens verhindern. Allerdings sind eine Stunde Regen genauso effektiv wie fünf Stunden manuelle Beregnung“, sagt der Römerberger. Nicht nur der Mais, auch das Getreide sei betroffen. „Wir konnten das Getreide zwar noch einfahren, allerdings trocknet es jetzt sehr schnell aus“, ergänzt Jester.
Die Hitze und die Arbeit
Natürlich leiden unter der Hitze nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Arbeiter auf den Feldern. „Wir können die meisten Arbeiten nur morgens oder abends verrichten, wenn die Sonne nicht auf uns herab scheint“, sagt Hellmann. „Durch die Hitze gehen einem schon ein paar Arbeitsstunden verloren, was die Arbeit nicht gerade leichter macht. So kommt man kaum mit der Bewässerung der Felder hinterher“, bestätigt Ballreich. Durch die fehlende Arbeitszeit und die Tatsache, dass die Felder manuell beregnet werden müssten, sei die Arbeit sehr kräftezehrend. „Wir konnten tagsüber auch nur Arbeiten verrichten, bei denen wir im Schatten waren oder in den Maschinen, die eine Klimaanlage besitzen“, erzählt Jester. Was bei Temperaturen um die 40 Grad kein Wunder ist. Aber nicht nur die Arbeiter leiden bei der Hitze, sondern auch die Maschinen. „Die Schlepper können bei den Temperaturen schnell heißlaufen und ausfallen. Was natürlich ärgerlich ist und einem noch mehr Zeit klaut“, sagt der Römerberger Landwirt.
Die Hitze und die Zukunft
Dieses Jahr ist nicht das erste mit Hitzewellen. Die Landwirte erzählen, dass sich die Schäden von Jahr zu Jahr verschlimmern. „Wir werden dieses Jahr eine kleinere Apfelernte einfahren. Mitverantwortlich dafür ist die Hitze vom letzten Jahr. Die Bäume konnten sich von den Schäden immer noch nicht vollständig erholen“, sagt Jester. Das gleiche Problem hätten die Zwetschgen, die durch die Schäden doppelt wachsen. Das habe zwar keine Auswirkungen auf die Qualität und den Geschmack der Frucht, aber optisch stelle es natürlich ein Defizit dar, sagt der Römerberger Landwirt.
Aber nicht nur die Hitzewellen, sondern auch die Trockenheit über das ganze Jahr beeinträchtigen das Wachstum der Pflanzen auf den Feldern. Durch die fehlende Winterfeuchte leide auch das Getreide. „Das wird ja schon im Oktober des Vorjahres gesät und damit es sich über den Winter bis nächstes Jahr entwickelt, braucht es auch im Winter Feuchtigkeit“, berichtet Jester. Eine manuelle Beregnung im Winter sei jedoch viel zu teuer. „Das tropische Klima, das wir hier jetzt bekommen, bringt neue Krankheiten für die Pflanzen, gegen die wir lernen müssen vorzugehen“, merkt Ballreich an. Die Hitze plagt somit nicht nur die Menschen auf den Straßen, sondern auch die Pflanzen auf den Feldern und beeinflusst die Zukunft der Landwirtschaft.