Speyer
Speyerer Suchtberater: Zunahme bei jüngeren Klienten
„Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, die in ein selbstbestimmtes Leben führen.“ So beschreibt das Caritas-Zentrum Speyer die Herangehensweise seiner Suchtberatungsstelle. Zu deren Angeboten gehören Nachsorge nach stationären Therapien, Angehörigenberatung oder auch ein Kurs zum kontrollierten Trinken. Der Kreuzbund ist ein wichtiger Partner und seit 2025 auch direkt mit Gruppen in den Räumen des Caritas-Zentrums vertreten. Dazu kommen zwei weitere freie Selbsthilfegruppen.
Der Fachdienst des katholischen Sozialverbands hat 2024 laut Jahresbericht in Speyer 190 Menschen beraten (2023: 219). Erste Tendenzen sind auch schon für das laufende Jahr erkennbar: „Wir haben vermehrt jüngere Klienten im Alter von 30 bis 39 Jahren“, berichtet Naomi Amend, Leiterin des Caritas-Zentrums. Bei insgesamt stabilen Fallzahlen gebe es hierbei mehr als eine Verdopplung, weil nach 22 Klienten 2024 nun 46 allein bis November 2025 dieser Altersklasse angehört hätten.
Schwerpunkt Alkohol
Der eindeutige Schwerpunkt der Beratungen im Vorjahr lag auf dem Thema Alkohol (133 Personen, davon 90 Männer), gefolgt von den Kategorien „Schädlicher Gebrauch von Suchtmitteln“ (27) und „Pathologisches Glücksspiel“ (9). 34 Personen, die Hilfe suchten, hatten keine eigene Suchtproblematik, sondern kamen wegen Angehörigen. 2744 Kontakte über das Jahr stehen insgesamt in der Caritas-Statistik, mit 2528 fand die große Mehrzahl davon „face-to-face“, also im persönlichen Kontakt vor Ort, statt.
Die beiden Suchtberatungsstellen in Speyer unterscheiden sich unter anderem bei ihren Beratungsschwerpunkten. Die Caritas sieht diesen für sich bei legalen Drogen wie Alkohol, Glücksspiel und Medikamenten. Bei Nidro, einer von der Stadt Speyer und dem Rhein-Pfalz-Kreis mitfinanzierten Beratungsstelle des Therapieverbunds Ludwigsmühle (Landau) in der Heydenreichstraße 6, spielen illegale Substanzen eine große Rolle. Bei 528 Klienten (2024: 627) ging es zu 16 Prozent um Stimulantien/Kokain, in 7 Prozent um die Diagnose Polytoxikomanie und in 5 Prozent um Opioide. Alkohol machte 27 Prozent aus, Cannabis 26 Prozent, nicht stoffgebundene Süchte sind mit 16 Prozent vermerkt. Zu letztgenannter Kategorie zählen Medien- und Glücksspielsucht, um die sich die Speyerer Beratungsstelle mit einer eigenen Fachstelle kümmert.
Nachsorge ist wichtig
Der Speyerer Nidro-Standort ist mit 4,6 Stellen ausgestattet und für ein Einzugsgebiet mit 250.000 Einwohnern zuständig. Eine Besonderheit ist die externe Suchtberatung in der Justizvollzugsanstalt Schifferstadt, die mitübernommen wird. Zu ihrem Angebot gehören auch eine Selbsthilfegruppe, eine Angehörigengruppe und eine Nachsorgegruppe. Letztgenannte ist im November 2024 an den Start gegangen und von zwei auf sechs Teilnehmer angewachsen. Sie soll Fortschritte nach einer abgeschlossenen Rehabilitation nachhaltig sichern.
Ein wichtiges Tätigkeitsfeld ist die Prävention, für die im März 2024 Svenja Dellwig als neue Fachkraft mit halber Stelle nach Speyer gekommen ist. In ihrer Statistik stehen für das vergangene Jahr vor allem Veranstaltungen mit einem schulischen Schwerpunkt: 14 waren an Schüler gerichtet, zwölf an Fach- und Lehrkräfte.