Speyer
Speyerer Picknick-Konzert im Garten am Weidenberg
Am glühend heißen Sonntag war gut Sein unter den großen alten Bäumen im Garten am St.Guido-Stiftsplatz – beim ersten Speyerer Picknick-Konzert dieser Saison. „Krempl“ nannte sich die Band, die ganz entspannt mit ihrem Mix aus Klezmer, ostjüdischen Volksliedern sowie irischen und schottischen Folk-Klassikern für die richtige Stimmung sorgte.
Die Zusammenstellung der Instrumente ist nicht bewusst so geplant, sondern der persönlichen Beziehung der Musiker geschuldet: Man kennt sich halt in Speyer; der eine spielt dieses, der andere jenes, man probiert es zusammen, weil es so viel mehr Spaß macht.
Seit etwa drei Jahren probieren die Musiker von „Krempl“ es zusammen – mit viel Spaß. Bernhard Kaas am Kontrabass war gleichzeitig Sprecher und Moderator der Gruppe, Katrin Vollmer-Kaas, seine Frau, spielt die Violine, Christa Bernardi die Querflöte, Georg Simon das Akkordeon. Dabei trägt er einen Kilt, der bei dem Wetter sehr angenehm sei, wie er versicherte. Andreas Pietsch bringt mit der Posaune einen neuen Ton in Folksongs, und Sebastian Preuss sitzt auf dem Cajon und hält den Takt, hatte aber auch noch eine Menge kleinerer Rhythmus-Instrumente im Einsatz.
Folksongs und Filmmusik
Vielleicht passend zum Ort – vor der Synagoge – gab es besonders viel aus dem jüdischen Kulturkreis zu hören. Dazu kamen bekannte Folksongs – etwa aus Irland – sowie viele Hits und Evergreens aus der frühen Zeit der Musikfilme wie „Ich brauche keine Millionen“ und „Liebling mein Herz lässt dich grüßen“.
Wer sich aufraffen konnte, sang mit. Besonders animierend dazu war „Oh Donna Clara, ich hab dich tanzen gesehn“, und bei „La Paloma“, der „Mutter aller Schlager“, wie Bernhard Kaas sagte, entspannen sich Gespräche über Hans Albers. „Hava nagila“ brache Leben in so manche auf der Decke im Gras ausgestreckte Gestalt, während andere jüdische Volkslieder eher was zum Zuhören und Nachdenken waren – etwa „Schabbes soll seyn auf der ganzen Welt“ oder „Jankele mit Rifkele“, ein Tanzliedchen über ein getrennten Liebespaar, das sich Briefe schreibt. „Beigalach“ ist das Lied von einem Straßenkind, das im bitterkalten Odessa Kringel verkauft und dabei so furchtbar friert, dass die Finger schon ganz taub sind vor lauter Kälte. Richtig spüren konnte man die Kälte in der Musik.
Irische Frische
So eiskalt war es in Irland zwar nicht, aber „Down by the Salley Gardens“ brachte doch etwas irische Frische – ebenso wie Molly Malone, das Lied von der hübschen jungen Fischhändlerin in Dublin. Viel trauriger, als das Stück klang, ist die Geschichte von Roddy McCorley, einem irischen Rebellen um 1700, oder „Johnny I hardly knew ya“ von dem Mädchen, das den Vater ihres Kindes an den Krieg verlor.
Picknick-Konzerte haben ihre eigene Atmosphäre, manch einer döst auf der Decke, Kleinkinder machen ihr Schläfchen in den Armen oder auf dem Bauch von Papa oder Mama, ein paar brave, weil gar nicht naschhafte Hunde sind froh um etwas Schatten dicht bei Frauchen, und will man mal zur „Currysau“, steigt man vorsichtig über viele fremde Körperteile.