Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer Kolpingsfamilie soll mit neuem Konstrukt gerettet werden

Kolpingheim im rückwärtigen Bereich der Schützenstraße: früher sehr belebter Treffpunkt.
Kolpingheim im rückwärtigen Bereich der Schützenstraße: früher sehr belebter Treffpunkt.

Die Kolpingsfamilie Speyer 1860 ist noch zu Lebzeiten des katholischen Sozialpioniers Adolph Kolping (1813-1865) entstanden. Nun löst sie sich auf – und bleibt doch erhalten.

„Es kann nicht sein, dass wir als Kolping-Diözesanverband Speyer keine Ortsgruppe Speyer mehr haben“, sagt Stefan Krantz. Der Diözesanvorsitzende aus Frankenthal hat an dem neuen Konstrukt mitgewirkt, das die traditionsreiche Gruppe in der Domstadt retten soll. Diese hat sich Ende 2025 formell aufgelöst und wird nun eine Ortsgruppe innerhalb einer neuen, bistumsweiten Kolpingsfamilie für Einzelmitglieder. „So kann sie weiterbestehen und auch neugegründet werden, falls das irgendwann gewünscht ist“, betont Krantz. Dieses Modell könne zum Vorbild für andere Ortsvereine mit Problemen wie in Speyer werden: Er erwarte weitere Beitritte dieser Art.

Das Speyerer Problem besteht darin, dass die Kolpingsfamilie überaltert und immer kleiner geworden ist. Die regelmäßigen Angebote früherer Jahre – von Reisen bis zu Treffen im Kolpinghaus in der Schützenstraße – seien zuletzt nicht mehr möglich gewesen, so der Vorsitzende Harald Radschuk, der auch Ansprechpartner für die neue Ortsgruppe bleiben wird. Als er vor gut zehn Jahren übernommen hatte, waren es 160 Mitglieder, zuletzt seien es noch 80 gewesen. Seine Hoffnung, nach der Auflösung des Nachbarvereins St. Otto 2014 und mit frischem Wind neue Mitglieder zu gewinnen, habe sich kaum erfüllt.

Jüngere fehlen

Zuletzt sei der Vorstand nicht mehr komplett gewesen. Viele Mitglieder seien nicht mehr mobil. Schon nach der Pandemie habe der Betrieb im Kolpingheim spürbar nachgelassen. Aus Radschuks Sicht wurde es schon vor Jahrzehnten versäumt, jüngere Familien mit Projekten zu begeistern. Heute gebe es gerade in einer Stadt wie Speyer so viele andere Angebote, dass es die Kolpingfamilie schwergehabt habe.

Dass es anders laufen kann, betonen sowohl Krantz auch Radschuk. Beide verweisen auf die Nachbarn in Schifferstadt, die es vor allem mit Tanzangeboten geschafft haben, sich zu verjüngen und auf über 600 Mitglieder zu wachsen. Auch in Dudenhofen – einzige Kolpingsfamilie im direkten Speyerer Umland neben Mechtersheim – laufe es sehr gut, so der selbst in Frankenthal-Mörsch aktive Kranz. Ein weiteres Beispiel sei Ramsen, wo es so viele Kolping-Familienkreise gebe, dass die Räume knapp würden. Die 47 Gruppen im Diözesanverband zählen laut Kranz zusammen knapp 5000 Mitglieder. Zuletzt seien nach langen Verlusten zwei Jahre mit einem leichten Mitgliederzuwachs bilanziert worden.

Kolpingfamilien verstehen sich als Gemeinschaften, in denen Menschen aus allen Berufen und Altersbereichen partnerschaftlich miteinander umgehen. Sie wollen laut Kolpingwerk dazu beitragen, „die Welt ein Stück besser zu machen, indem wir verantwortlich leben und solidarisch handeln – im Privaten wie in Gesellschaft, Staat und Kirche“. Sie gehen auf die ursprüngliche Idee der katholischen Gesellenvereine zurück, die wandernden Gesellen einen ähnlichen Halt geben wollten, wie ihn nach Adolph Kolpings Überzeugung nur die Familie bietet.

Heim wird aufgegeben

In Speyer ist die Kolpingsfamilie weit über ihren Mitgliederkreis durch das Kolpinghaus St. Martin hinter der Josephskirche bekannt geworden, das unter anderem für Feiern gemietet werden konnte. Es wird nun laut Radschuk aufgegeben, denn es bestehe seitens der Kolpingsfamilie kein Bedarf mehr. Die anderen Mieter – Gesangverein Frohsinn und Briefmarkensammlerverein – hätten im Haus Pannonia und im Haus der Vereine eine neue Heimat gefunden. Die neue Kolping-Ortsgruppe könne etwa in den Gemeinderäumen von St. Bernhard zusammenkommen, falls in Zukunft wieder Treffen geplant seien.

Ihre bisherige Heimstätte wird nun aufgelöst. Für Samstag, 21. Februar, 10 bis 12 Uhr, sind die Mitglieder zu einem Flohmarkt in die Schützenstraße 18b eingeladen. Sie könnten Mobiliar und andere Erinnerungsstücke mitnehmen. Das erleichtere die besenreine Übergabe, die dem Bischöflichen Liegenschaftsamt zugesagt worden sei. Die Diözese hatte das Haus 1974 der Kolpingsfamilie Speyer überlassen, die es für ihre Zwecke hergerichtet hat. „Die weitere Nutzung der Immobilie ist noch nicht entschieden“, so das Bistum. Das Archiv sei schon andernorts eingelagert worden, berichtet Radschuk. Er und Krantz hoffen, dass möglichst viele der bisherigen Mitglieder der neuen Ortsgruppe beitreten. Das müsse jeweils individuell erklärt werden. Bisher habe nur ein Teil der Angeschriebenen geantwortet, diese blieben jedoch überwiegend Kolpingsbrüder und -schwestern.

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