Speyer
Speyerer Dom beim Brandschutz auf dem neuesten Stand
Zwei Jahre nach Notre-Dame ist der Speyerer Dom 1981 zum Weltkulturerbe geworden. In ihren Ausmaßen ist die romanische Kirche dem gotischen Wahrzeichen von Paris ähnlich. „Wir sind beim Brandschutz auf dem neuesten Stand“, so Friederike Walter, Kulturmanagerin des Domkapitels, auf Anfrage. Das Unglück in Paris mache aus heutiger Sicht keine Anpassungen am Speyerer Konzept erforderlich. Domkustos Peter Schappert verweist auf eine moderne und gerade vorige Woche gewartete Brandmeldeanlage, Brandschutzvorhänge im Dachstuhl und Steigleitungen, die es erlauben, im Brandfall Wasser in große Höhen zu transportieren.
Mehrere große Brände im Dom
Am fast 1000 Jahre alten Speyerer Dom gab es in der Geschichte mehrfach größere Brände. Im 15. Jahrhundert musste in der Folge das Querhaus neu überwölbt werden, 1689 waren im Französischen Erbfolgekrieg die Feuerschäden an der Kathedrale massiv. Aus der jüngeren Vergangenheit sind keine Großschadensereignisse überliefert. „Mit dem Brand in Paris wird offensichtlich, dass Feuer auch im 21. Jahrhundert eine fundamentale Bedrohung für einen Kirchenbau sein kann“, sagt Domkustos Schappert. „Absolute Sicherheit kann es nicht geben.“ Das Team um Dombaumeisterin Hedwig Schappert und den Sicherheitstechniker Günter Frey arbeite zusammen mit der Speyerer Feuerwehr aber „beständig an einer Verbesserung der Schutzsysteme“.
Im Speyerer Dom kein Blei verbaut
„Die Situation an jedem historischen Gebäude ist einzigartig“ erklärt Dombaumeisterin Drabik. „In Notre Dame hat nun insbesondere das verbaute Blei für Schwierigkeiten gesorgt, diese Problematik haben wir mit unserem Kupferdach in Speyer zumindest nicht.“ Schmelzendes Blei habe in Paris das Löschen erschwert, erklärt der Speyerer Stadtfeuerwehrinspekteur Michael Hopp. Das Kupfer in Speyer bliebe im Brandfall zwar länger erhalten, das bringe aber auch die Schwierigkeit mit sich, dass dann die Dachhaut geöffnet werden müsste, um Brandherde zu erreichen.
Evakuierungsliste für liturgische Gegenstände
„Der Dom ist eine der Kirchen in Speyer, die mir am wenigsten Sorgen bereitet“, sagt Hopp mit Blick auf die deutlich ausgebauten Vorkehrungen. Auch Dom-Techniker Günther Frey verweist auf die regelmäßigen Überprüfungen des Rettungskonzepts zusammen mit der Feuerwehr. Dazu kämen „fast jährlich“ Lösch- und Evakuierungsübungen, so Feuerwehr-Chef Hopp. „Die erste Sorge gilt immer der Rettung von Menschen“, betont Frey. Es gebe aber auch eine Evakuierungsliste, um liturgische Gegenstände, Gewänder und Kunstwerke in Sicherheit zu bringen. Der Feuerwehr lägen alle Unterlagen zum Dom vor, und sie habe über Schlüsseltresore im Brandfall schnell die Chance, „in sensible Bereiche vorzudringen“, so der Feuerwehr-Chef. Er betont: In Speyer sei zwischen den Anforderungen an ein Weltkulturerbe und modernem vorbeugenden Brandschutz „eine gute Verbindung“ gefunden worden.