Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer steht auf der Robert-Koch-Liste

Corona-Teststation: In Speyer ist tageweise die Halle 101 geöffnet.
Corona-Teststation: In Speyer ist tageweise die Halle 101 geöffnet.

Am Mittwoch war es soweit: Speyer ist in die Liste der Städte und Kreise aufgerückt, in denen es laut Robert-Koch-Institut bundesweit die pro Einwohner meisten Corona-Neuinfektionen gab. Es ist noch kein Grenzwert erreicht, der die Verwaltung zum Handeln zwingen würde, über Maßnahmen wird im Rathaus dennoch nachgedacht.

15 Gebietskörperschaften mit den höchsten Infektionszahlen sind im täglichen Lagebericht des Fachinstituts aufgeführt – und am Mittwoch stand Speyer auf Platz 15. Für die vergangenen sieben Tage wurden demnach zwölf neue Fälle übermittelt, was auf 100.000 Einwohner bezogen gerundet 24 wären – haarscharf unter der Marke von 25, für den aus Politik und Gesellschaft teilweise „lokale Maßnahmen“ über die generellen Corona-Beschränkungen hinaus gefordert werden.

Vorgeschrieben sind solche Maßnahmen vom Bund erst ab einem Wert von 50, sagt auf Anfrage Lisa Eschenbach, Sprecherin der Stadtverwaltung. Nichtsdestotrotz werde diese das Infektionsgeschehen weiter kritisch beobachten und am Freitag im Verwaltungsstab „mögliche Maßnahmen beraten, die gegebenenfalls auch schon vor Überschreitung des Schwellenwertes des Bundes zu ergreifen wären“. Das Konzept sei noch nicht fertig, aber es könnte zum Beispiel Maßnahmen ab einem Wert von 25 enthalten.

Halle 101 als Thema

Auf jeden Fall werden sich die Stadtspitze und ihre Berater mit dem Abstrichzentrum in der Halle 101 am Flugplatz beschäftigen. Dessen Betrieb war zum Ende der Sommerferien nach einer mehrwöchigen Unterbrechung wieder hochgefahren worden und könnte nun über diese Woche hinaus verlängert werden. „Auch eine Öffnung für andere Personengruppen über Reiserückkehrer hinaus wäre denkbar“, nennt Eschenbach eine Möglichkeit.

Dennoch sind die Reiserückkehrer bislang die Haupterklärung der Stadt für den Anstieg um zwölf neugemeldete Fälle zwischen 12. und 19. August. Eschenbach: „Wir führen diese auf die verstärkte Testung der Reiserückkehrer zurück, insbesondere durch das niederschwellige Testangebot der Stadt und des DRK in der Halle 101.“ Dort hatte es an den ersten vier Öffnungstagen fünf „Treffer“ gegeben. Am Montag waren laut Stadt keine darunter, vom Mittwoch, als sich 67 Personen vorstellten, liegen noch keine Ergebnisse vor. Bei positiv getesteten Reiserückkehrern aus Risikogebieten sei das Ausbreitungsrisiko geringer als bei Infizierten ohne diesen Zusammenhang, da für diese Gruppe Test- und Quarantänepflichten bestehen.

Diskussion über Schulen

Unruhe haben die gestiegenen Infektionszahlen an Speyerer Schulen hervorgerufen. Eltern eines Gymnasiums haben am Donnerstag über eine vorbeugende Maskenpflicht auch am Platz im Klassensaal diskutiert. „Die Regelungen für die Schulen kommen vom Land, die sehen das nicht vor. Darüber setzen wir uns zunächst auch nicht hinweg“, so Stadt-Sprecherin Eschenbach.

Am Donnerstag war für Speyer der Sieben-Tage-Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Bürger wieder gesunken: gegenüber Mittwoch von 24 auf 18. Eine Neuinfektion wurde bekannt, sodass seit März 135 Fälle in die Statistik eingeflossen sind, davon 19 noch erkrankt und zwei verstorben. Appell des Stadtvorstands: „Abstand, Hygiene, Alltagsmaske.“

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Noch im Griff

Was tun? Sind zwölf Covid-Neuinfektionen pro Woche zu viel? Muss die Stadt die Auflagen verschärfen, gar über einen kleinen „Lockdown“ nachdenken? Ganz schwierig zu beantworten. Tendenz: Noch reicht das Instrumentarium aus. Neue Fälle waren wegen der vermehrten Tests wahrscheinlich. Es sind statistische Werte, mit zumindest am Folgetag schon wieder rückläufiger Tendenz. Die Menschen sind überwiegend diszipliniert, Speyer hat die Lage noch im Griff.

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