Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer: Plastiktüten-Verbot als Dauerthema auf dem Wochenmarkt

Die bessere Alternative: Weidenkorb statt Plastik zum Einkauf auf dem Wochenmarkt –, gesehen am Freitag auf dem Berliner Platz.
Die bessere Alternative: Weidenkorb statt Plastik zum Einkauf auf dem Wochenmarkt –, gesehen am Freitag auf dem Berliner Platz. Foto: Lenz

Ein herrlicher Herbstmorgen mit eisigen Temperaturen auf dem Berliner Platz. Auf dem Wochenmarkt herrscht reger Betrieb. Die Stände der Obst- und Gemüsehändler bieten ein reichhaltiges Sortiment. Auch Plastiktüten zum Verpacken. Deren Verbot ab Januar ist Dauerthema. Kunden und Beschicker sind für weniger Plastik. Die Suche nach Alternativen läuft.

„Wie wollen Sie Sauerkraut anders verpacken als in Plastik?“, fragt Gerhard Brech. Der Gemüsehändler aus Fußgönheim steht seit 2002 auf dem Markt in Speyer. „Die dünnen Plastiktüten bis 1,5 Gramm dürfen weiter verwendet werden“, sagt er und legt sofort eine „Hemdchentüte“ auf die Waage. Die Stadt setze sich mit ihrem generellen Verbot über gültige Rechtsprechung hinweg. Er zeigt auf Heidelbeeren in Plastikschälchen, seinen selbst gefertigten Obstsalat, die Ananas in Stücken, seine geschälten Walnüsse. Alles in Plastik verpackt. „Die Ware wird schon so geliefert. Die Nüsse verpacke ich so, um Hygieneprobleme mit Kunden zu vermeiden.“

Praktische Vorteile

Kundin Elke Uhl bestätigt ihn. „Ich hole mir Ananas hier und Obstsalat. Und sehen Sie, ich lasse mir noch eine Plastiktüte darum machen, falls was ausläuft in der Tasche.“ Das ist gelebte Plastik-Praxis – weil es auch hilfreich sein kann. Brecht hat auch Zeitungspapier und Papiertüten zum Einpacken dabei. Das von der Stadt angekündigte Verbot hält ihn nicht davon ab, weiter nach Speyer zu kommen und seine Ware anzubieten. Aber es ärgert ihn, dass „die Stadt bei den Kleinsten anfängt, uns vorher nicht einbezieht, aber gleich Geldstrafen androht“.

Maria Fuchs, Brechs Lebens- und Geschäftspartnerin, weiß: „Das Bewusstsein für weniger Plastik ist längst da und wächst ständig – bei uns und bei den Kunden. Wir verbrauchen heute schon weniger Plastiktüten als früher. Viele unserer Kunden bringen gebrauchte Tüten mit oder gleich einen eigenen Behälter.“ Fuchs greift unter den Tisch und holt Einkaufsnetze hervor, gefertigt von der Schulmanufaktur der Realschule plus Burgfeldschule. „Die sind ideal für Feldsalat. Die sind aus Speyer und werden wirklich gerne am Stand gekauft.“

Netze sind der Renner

„Wir sparen so auf jeden Fall viel, viel Geld“, kann Iris Schäfer (Firma Utmaleki, Harthausen) dem Plastiktüten-Verbot durchaus Gutes abgewinnen. Sie suche aber noch nach der geeigneten Alternative, die sie den Kunden anbieten kann. Es gebe einfach Ware, die verpackt werden muss, betont die Händlerin, die seit 1992 die Wochenmärkte in Speyer beschickt. Als Beispiel für „Verpackungsware“ nennt sie Feldsalat.

Man bemühe sich schon seit Wochen, einen günstigen Lieferanten für Einkaufsnetze zu finden. Die im Supermarkt seien zu teuer im Einkaufspreis für sie als Händlerin. Ohnehin müssten die Kunden das Netz kaufen, wenn sie es nehmen.

Nicht nur verbieten

Monika Ullemeyer kauft gerade bei Utmaleki ein. Sie hat einen Einkaufskorb aus Filz dabei und nimmt ihr fein gewebtes weißes Einkaufsnetz heraus. „Für sensible Ware“, sagt sie – wie Feldsalat. „Das habe ich mir vor Langem schon im Supermarkt gekauft. Das wird immer wieder gewaschen, und ich kann es immer wieder verwenden“, plädiert sie für diese Einkaufshilfe. „Die Stadt hätte nicht nur was verbieten, sie hätte auch eine Alternative vorschlagen sollen“, sagt Schäfer. Ein Verbots-Argument der Stadt ziehe bei ihr gar nicht: saubere Stadt. „Wenn wir am Markttag morgens auf den Königsplatz kommen, liegen da keine Obsttüten von uns, sondern Fast-Food-Behälter, Coffee-to-go-Becher und Flaschen.“

An der Beschickerversammlung voriges Jahr, bei der die Stadt laut Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) erstmals auf das kommende Verbot hingewiesen hat, konnte Beschickerin Schäfer nicht teilnehmen, wie sie sagt: „Die war an einem Mittwoch um 17 Uhr. Da haben wir keine Zeit.“ Schäfer hat es mit dem Schreiben der Stadt erfahren.

Plastik kostet am Stand

Martina Schels war auch nicht bei der Versammlung. „Das Schreiben genügt. Ich kann ja nachfragen“, sagt die Chefin am Stand des Bioland-Betriebes Ralf Gensheimer in Landau. Der Chef verlange seit Jahren fünf Cent pro Tüte und spende das Geld an soziale und Öko-Projekte. Es gebe keine Tüte mehr an den Gensheimer-Ständen in Karlsruhe, Landau und Speyer. Die Kunden kämen mit Körben, Kisten und Taschen. „Netze sind auch klasse – für Feldsalat und Spinat“, weiß sie. Vor dem Stand strecken ihr gerade viele Kunden die weißen, dünnen Stoffe hin. „Da sehen Sie es“, sagt sie und füllt ein Netz mit loser Petersilie.

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