Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer: Konzert des Wormser Kammerensembles in der Gotischen Kapelle

Beim Konzert in Speyer in der Gotischen Kapelle: das Wormser Kammerensemble .  Foto: Lenz
Beim Konzert in Speyer in der Gotischen Kapelle: das Wormser Kammerensemble .

Der Speyerer Mozartchor hatte zum Konzert in der Gotischen Kapelle im Adenauerpark das Wormser Kammerensemble eingeladen. Das sang Abend- und Nachtlieder.

Während es draußen im Adenauerpark langsam dämmerte, besang das Wormser Kammerensemble, geleitet von Tristan Meister, dieses Geschehen in der - ausverkauften – Gotischen Kapelle mit Abend- und Nachtliedern von der Renaissance bis zur Moderne.

„Waldesnacht, du wunderkühle“ hatte der Chor sein Programm betitelt, nach einem romantischen Lied von Johannes Brahms aus dem zweiten Teil des Konzerts.

Der Abend ist jedoch nicht immer nur still, er kann auch heiteres Feiern mit Freunden bedeuten – mit so manchem Glas Wein, und nicht nur einem. So bot der Abend eigentlich zwei ganz unterschiedliche Konzerte: Im ersten Teil ging es um den „Feier-Abend“ , das fröhliche Zusammensein mit Musik, Tanz, Scherzen und Trinken – und da ist den Komponisten seit der Renaissance quer durch die Jahrhunderte eine Menge eingefallen, unterschiedlich im Ton, aber einig in der Stimmung.

Vierviertelschwein und Auftakteule

In der zweiten Hälfte wurde es immer ruhiger, mit Mondlicht und Sternen, mit Nachtgebet und dem Ruf der Nachtwächter und einer so friedvoll sich ausbreitenden Stimmung, dass man sich wünschte, die Wormser Sänger würden noch ein bisschen weiter machen bis sich die ersten sanften Schnarchlaute in den Gesang gemischt hätten. Viel hat dazu nicht gefehlt.

Ergänzt wurden die Lieder mit den passenden Gedichten, die genau die Stimmungen aufnahmen, rezitiert von den Chormitgliedern Fabia Heischling und Jürgen Dedek.

Zum Auftakt gab es „Tanzen und singen“ von Hans Leo Hassler, ein Tanzliedchen, das seinen mitreißenden Charme über vier Jahrhunderte bis heute bewahrt hat. In Christian Morgensterns Gedicht „Der Tanz“ reichen sich Vierviertelschwein und Auftakteule zu den Streichen von Geigerich Fuß und Pfote. Keine Feier ohne Wein, und wenige Dichter und Musiker waren je abstinent, so war die Auswahl aus allen Jahrhunderten groß, ob Melchior Francks Weinlied aus dem Frühbarock oder das Lied vom Rheinwein von Johann André, einem Jugendfreund Goethes aus Offenbach am Main. Moderne Komponisten wissen den Wein offenbar auch zu schätzen. Alwin Schronen, der im Saarland lebt, hat ein kleines heiteres Chorlied komponiert zu dem Wort „Wer schläft, sündigt nicht“, ergänzt um „Wer Wein trinkt, schläft gut“ und von Uwe Henkhaus war das Lied von dem Zecher „Grad aus dem Wirtshaus“ mit Wanken und anderen Zeichen, dass es zu viel war.

„Komm Trost der Welt“

Von diesen Zuständen wußten auch viele Dichter, zitiert wurden Gotthold Ephraim Lessing und Heinrich Heine – und einige andere. Zum Abschluss dieses Teils war die Mitwirkung der Zuhörer notwendig: Ein kräftiges allgemeines „Hick“ beendete „What shall we do with the drunken sailor“.

Ganz anders der zweite Teil mit beginnender Dämmerung: „Stars“ von Erik Esenvalds wurde eingeleitet mit sphärischen Klängen von der Glasorgel: Finger rieben über die Ränder halbgefüllter Gläser.

Die Nachtstimmung in Lied und Gedicht ist jedoch die Domäne der Romantik. Bei Johannes Brahms begegnen sich zwei Nachtwächter und singen sich an. Das vielleicht stimmungsvollste aller Nachtgedichte, „Mondnacht“, ist von Joseph von Eichendorff, hier rezitiert und nicht gesungen. Ein anderes Eichendorff-Gedicht, „Komm Trost der Welt“, hatte der Chor in einer modernen, aber sehr harmonischen Fassung von Christian Lahusen dabei.

Der Fromme beendet den Tag mit einem Nachtgebet, das war in diesem Falle vom finnischen Komponisten Toivo Kuula. Ganz zum Schluss, bei ausgeschalteten Lichtern, beschrieb der Chor mit „Sleep“ des Amerikaners Eric Whitacre das langsame Abdriften in den Schlaf.

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