Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer: Helmut-Kohl-Ufer wird Samstag eingeweiht

Einsatzbereit: die Schilder „Helmut-Kohl-Ufer“ lagerten bis zum Aufhängen im Baubetriebshof. Dort wurden sie auch hergestellt.
Einsatzbereit: die Schilder »Helmut-Kohl-Ufer« lagerten bis zum Aufhängen im Baubetriebshof. Dort wurden sie auch hergestellt.

Am 16. Juni 2017 ist der Kanzler der Einheit, Helmut Kohl, in Ludwigshafen gestorben. Am 1. Juli wurde er in Speyer beigesetzt. Schnell war klar, dass der große Freund der Domstadt im Straßenbild für seine Verdienste um die Stadt gewürdigt werden soll. Am Samstag wird an der Rheinuferpromenade das „Helmut-Kohl-Ufer“ eingeweiht. Witwe Maike Kohl-Richter wird dabei sein.

Bis über die Art der Ehrung, den Ort und den Zeitpunkt der Würdigung für Helmut Kohl entschieden war, hat es eine gewisse Zeit gedauert. Unbestritten war indes von Anfang an, dass es eine Ehrung geben soll. Neben dem Grab des Verstorbenen auf dem Kapitelfriedhof am Adenauerpark sollte eine Straße oder ein Platz seinen Namen tragen. In seiner Amtszeit hat der langjährige Kanzler der Bundesrepublik Deutschland nahezu alle seine Staatsgäste nach Speyer und in den Dom geführt. In Speyer war er zweifellos sehr gerne, die Weltkulturerbe-Kathedrale war eine seiner Lieblingskirchen. Der Stadt und dem Dom war er zeitlebens auf vielfache Weise persönlich verbunden. Oft besuchte er privat die Messe in dem romanischen Sakralbau von Weltrang. Das Requiem für seine erste Frau, Hannelore, fand im Juli 2001 auf seinen Wunsch hin in Speyer statt. Für ihn selbst gab es eine Trauermesse und die Beisetzung. Seither ist die Grabstätte – obwohl noch nicht endgültig gestaltet – ein Anlaufpunkt für viele Speyer-Gäste. Am 15. März dieses Jahres hat der Rat der Stadt Speyer mehrheitlich beschlossen, einen Abschnitt der Speyerer Rheinuferpromenade in dankbarer Erinnerung und zur Würdigung der Verdienste des verstorbenen Bundeskanzlers a.D., Helmut Kohl, in „Helmut-Kohl-Ufer“ umzubenennen, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Am kommenden Samstag, 29. September, 17 Uhr, soll am Flaggenmast des Schiffbauer-, Schiffer- und Fischervereins am Rheinufer, die Zeremonie stattfinden. Der Rat hatte sich zwar auf den Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober dieses Jahres, verständigt. Auf Wunsch von Maike Kohl-Richter wurde der Termin vorverlegt. Anfangs waren mehrere Vorschläge in der Diskussion: Parteien und Bürger hatten Ideen eingebracht und sie begründet. Mehrfach beriet der Stadtrat in der Sache. Die Stadt initiierte zuletzt eine Online-Umfrage, in der die Teilnehmer mehrheitlich fürs Rheinufer waren. Vor der Entscheidungsfindung hatte die Linke, die sich zunächst eine Umbenennung der Karl-Leiling-Allee vorstellen konnte (deren Pate war nazibelastet), betont, dass der Politiker, nicht der Privatmann Kohl (unter anderem mit Verweis auf seine „schwarzen Kassen“) geehrt werden solle. Sie stellte letztlich ihren Umbenennungsvorschlag zurück. Die Bürgergemeinschaft (BGS) wollte ihm den „Bauhof“, die Sackgasse vor der „Domhof“-Brauerei („eine schöne kleine Allee“), widmen lassen. Die CDU hatte zunächst den Hirschgraben (in der Nähe zum Grab) ins Spiel gebracht, die SWG das Rheinufer. Letzteres erwies sich am Ende als konsensfähig. Was die Speyerer Kommunalpolitik auf alle Fälle vermeiden wollte, war ein peinliches Hickhack um Ort und Benennung, wie es in Ludwigshafen und Frankenthal passiert war. Dabei muss die Rolle von Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) positiv hervorgehoben werden. Er hat es geschickt verstanden, den Rat vor einem Schnellschuss zu bewahren und immer auf einen Konsens hingewirkt. Er hat auch die Weichen dafür gestellt, dass vor der für 15. März geplanten Abstimmung im Stadtrat im Ältestenrat des Gremiums über das „Wo“ und das „Wie“ diskutiert wurde. Die Hoffnung aller dabei: möglichst große Einigkeit. Die RHEINPFALZ hatte bei ihren Lesern Anfang Dezember vergangenen Jahres ein erstes Stimmungsbild abgefragt: Eine Mehrheit der Leser hatte in der nicht repräsentativen Umfrage für die Umbenennung des Bauhofs, der Straße, die von der Großen Himmelsgasse zum „Domhof“-Hotel führt, gestimmt. Im Januar entschied sich dann die Stadtverwaltung, eine Online-Umfrage anzubieten, bei der Bürger ihre Präferenz für den Standort einer Helmut-Kohl-Straße äußern können. 40,6 Prozent plädierten für die Rheinuferpromenade, 32,1 Prozent für den Bauhof – die beiden damals noch in der Kommunalpolitik favorisierten Vorschläge. Das Votum war nicht bindend für den Rat. Er folgte jedoch bei seiner Entscheidung am 15. März dem Votum. Nun wird der Beschluss vollzogen. Zur Sache Die Feier zur Benennung des „Helmut-Kohl-Ufers“ startet am Samstag um 17 Uhr am Flaggenmast mit einem Musikstück der „Marching bones“, einem Ensemble der Musikschule Speyer. Anschließend begrüßt Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU). Der Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Speyer/Neustadt, Johannes Steiniger (CDU), hält die Festrede. Danach erklingen die Europahymne und die Nationalhymne. Alle Gäste sind eingeladen zum Speyerer Gedeck (Brezel und Wein). Die Stadt erwartet etwa 80 geladene Gäste zur etwa einstündigen Zeremonie. Eines der insgesamt vier vom Baubetriebshof gefertigten Schilder hängt seit gestern. Nicht rechtzeitig fertig sind die Zusatzschilder, die informieren, wer Helmut Kohl war.

Juli 2017: Trauergottesdienst für Helmut Kohl im Dom. Direkt hinter dem Sarg Maike Kohl-Richter (mit Hut) zwischen Ex-US-Präside
Juli 2017: Trauergottesdienst für Helmut Kohl im Dom. Direkt hinter dem Sarg Maike Kohl-Richter (mit Hut) zwischen Ex-US-Präsident Bill Clinton und Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission.
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