Speyer
Speyer feiert Abitur: Wie wird man zum 1,0-Schüler?
„So hätte ich das nicht erwartet“, sagt Rafael Dietrich. Der Schüler des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums wusste, dass er auf ein sehr gutes Abitur zusteuert und hat letztlich die Note 1,0 erreicht. Seine 873 Punkte, erreicht in drei Oberstufen-Jahren und den Abschlussprüfungen, lagen nah am Maximimum von 900 Punkten und rechnerisch sogar über der 1,0, die ab 823 Punkten vergeben wird. Dass er aber mit gleich sieben zusätzlichen Ehrungen von der Abifeier nach Hause gehen würde, hätte er nicht gedacht, sagt er.
Der 18-jährige Speyerer, in der Domstadt aufgewachsen und nach der Salierschule ans „Niki“ gewechselt, stand bei der Feier unter dem Motto „Ab(i)pfiff – die Champions verlassen das Stadion“ mehrfach auf der Bühne. Er wurde zum einen für das beste Abitur an seiner Schule ausgezeichnet. Außerdem erhielt er besondere Ehrungen als Bester in Mathematik, Latein, Biologie und evangelischer Religion sowie Urkunden der Deutschen Mathematikervereinigung und des Altphilologenverbands. „Ich habe mich natürlich sehr gefreut und bin echt stolz. Vor allem auch darüber, dass sich meine Mitschüler und Lehrkräfte mit mir gefreut haben und dass die Schulgemeinschaft das wertschätzt“, betont er.
„Größere Möglichkeiten“
Schulleiter Egbert Schlitz vergaß nicht zu betonen, dass Dietrich in der Vergangenheit auch schon bei Wettbewerben im Fach Latein und in Mathematik Meriten gesammelt habe. In Speyer wurde ihm der Friedrich-Magnus-Schwerd-Preis 2025 des Lions-Clubs für besonders leistungsstarke Schüler zuerkannt. Man werde „noch viel Gutes von ihm hören“, gibt die Familie Schlitz’ Laudatio wieder. Der Absolvent der katholischen Privatschule habe nun die Chance, „ein Spiel mit noch größeren Möglichkeiten zu prägen“.
Dietrich selbst sieht sich als „Generalist“ mit vielen Interessen. Seine Leistungsfächer Latein, Bio und Mathe habe er nach seinen Neigungen ausgewählt und in den vergangenen Jahren erkannt, dass „das Altsprachliche ein bisschen meine Lieblingsdisziplin“ ist. Gerade die Bio-Erfahrungen in der Oberstufe hätten ihn aber auch in seinem Studienwunsch Medizin bestärkt, für den er die entsprechenden Bewerbungen auf den Weg bringen wolle.
So geht es weiter
Zunächst steht jedoch eine „Work-and-Travel“-Phase an: Rafael Dietrich will mit seinem besten Freund und Mitschüler Lucas Sandhoff reisen – voraussichtlich ein halbes Jahr lang. Australien und Neuseeland stehen auf jeden Fall auf ihrer Liste, danach soll es auch nach Südostasien und Südamerika gehen. „Vielleicht Kolumbien oder Chile“, sagt Dietrich, der sich auf die internationalen Erfahrungen freut. „Die Zeit soll mir auch zur Orientierung dienen und um mich selbst zu finden.“
Viel unterwegs war er auch schon in seiner Schulzeit und hat die Teilnahme an einem Naturschutzprogramm in Südafrika in bester Erinnerung, als es bei „Rhino Revolution“ darum gegangen sei, Nashörner in ihrem natürlichen Lebensraum zu schützen. Engagiert hat sich der junge Speyerer zudem mehrere Jahre in der Schülervertretung des „Niki“ und war im letzten Jahr auch als Mentor seiner Nachfolger tätig. Privat liest er gerne, ist mit Freunden unterwegs und geht ins Fitnessstudio.
873 Punkte, Note 1,0 – wie schafft man das? Sein Vater lobt ihn für Kontinuität, Disziplin und Zielstrebigkeit. Der 18-Jährige selbst attestiert sich eine gute Auffassungsgabe. „Vieles fällt mir nicht schwer. Wenn ich einmal etwas gehört habe, verstehe ich es in den meisten Fällen.“ Auch für ihn gelte allerdings das Sprichwort „Ohne Fleiß kein Preis“, macht Dietrich deutlich: „Ich musste trotzdem zu Hause einiges an Zeit ins Lernen investieren.“
