Speyer
Speyer: Der Trinkspruch ist noch oft zu hören
Abends, 18 Uhr, in Speyer: Die Frauengruppe „Black & Beautiful“ und die Junge Union haben im frisch renovierten Siedlergemeinschaftshaus den ersten russischen Abend auf die Beine gestellt. Bei Musik und Kerzenschein haben 34 Gäste bis zum späten Abend gegessen, getrunken, getanzt und russische Sprachkenntnisse erworben.
„Dobryy den – Guten Tag“: Irene Broßmann begrüßt die Besucher mit einem Glas russischen Champagner. „Sekt und Wodka sind frei“, verkündet sie. Gemeinsam mit ihrer Mutter Emma Dick hat sie zwei Tage lang landestypische Speisen zubereitet. Draußen holt Dmitry Jurk einen 22-Liter-Wok aus dem Auto. Er habe die russische Reispfanne „Plov“ drei Stunden über offenem Feuer gekocht, sagt Jurk und schleppt den Behälter mit dem Nationalgericht in den Saal.
„Priyatnogo appetita – Guten Appetit“: Als Vorspeise kündigt Broßmann Borschtsch, die rote russische Suppe, an. Mante (Maultaschen), Pelmeni, Blini (Pfannkuchen), Karotten- und Rote-Beete-Salat mit Nüssen und Rosinen, Pilze und Oliven stehen an diesem Abend auf dem Buffet.
„Na zdorov'ye – Zum Wohl“: Im in den Landesfarben geschmückten Pavillon gibt es die Getränke. Der russische Trinkspruch ist an diesem Abend noch oft zu hören.
Internationale „Russendisco“
An den liebevoll gedeckten Tischen entwickeln sich im Kerzenschein angeregte Gespräche über Land und Leute, über Russland und Deutschland, über Speyer und die Politik. DJ Marc De Zordo legt „Kalinka“ auf. Im richtigen Leben sei er Koch, in Österreich geboren und in Speyer aufgewachsen, erzählt er. Heute ist er für die „Russendisco“ zuständig. „Ich bin für alles offen“, kommentiert De Zordo lachend die Musikauswahl. Zwischen traditioneller russischer Musik und Pop ist ihm nichts fremd.
„Die Idee zum russischen Abend ist im Kommunalwahlkampf entstanden“, berichtet CDU-Stadtrat Michael Spirk. „Wir wollten mehr wissen über kulinarische und kulturelle Eigenheiten in Russland“, sagt er und nimmt sich vom Reis. „Für Deutsche darf Sauce nie fehlen“, erklärt eine Frau. „Bei Russen ist es der Schmand“, klärt Jurk die Teilnehmerin über die russische Geschmacksvariante auf. Schmand sei für alles gut, sagt er. „Hilft auch gegen Sonnenbrand.“
Nach einer Stunde ist das Buffet weitgehend leer. Sylvia Holzhäuser, Mitglied der „Black & Beautiful“-Gruppe, überreicht Emma Dick einen großen bunten Blumenstrauß.
„Spasibo – danke“: Für ihre Kochkünste erhält die Wahlspeyererin mit Wurzeln in Kasachstan viel Beifall. Wie in Russland üblich, antwortet Dick: „Poyaluysta – Bitte“. Ihre Tochter tanzt, weitere Gäste schließen sich an. Kaffee und Kuchen wird als Nachtisch hereingetragen. Noch einmal heißt es: „Priyatnogo appetita“.
„Ich habe noch nie geflucht“
Dick steht für den Sprachkurs für Anfänger zur Verfügung. Sie übersetzt alles, was die Besucher wissen wollen, ins Russische. Du heißt vy, sie oni, lernen sie und wiederholen mühsam die Übersetzung für „Es war ein schöner Abend“: „Eto byl khoroshiy vecher.“ Wie Russen fluchen, verrät Emma Dick an diesem Abend nicht. „Ich habe noch nie geflucht“, betont sie.
Der erste soll nicht der letzte russische Abend in dieser Konstellation in Speyer-Nord bleiben, darin sind sich Veranstalter und Besucher einig. Insofern hat der Gruß seine Gültigkeit: „Do svidaniya – Auf Wiedersehen“ bis zum nächsten „Vecherniy russkiy“ im Siedlergemeinschaftshaus.