Speyer
Speyer: Cantus Juvenum Karlsruhe präsentiert ein gehaltvolles Konzert im Dom
Im harmonischen ökumenischen Geist gestalteten die Chöre von Cantus Juvenum Karlsruhe in der Reihe Cantate Domino am Samstag im Dom einen besinnlichen und erfüllenden Konzertabend. Die 60-köpfige Karlsruher Sängerschar begeisterte mit hoher Intonationsreinheit und fesselnder Ausdruckskraft.
Domkapitular Peter Schappert rezitierte eindrücklich prophetische und neutestamentliche Texte um die Ankündigung und die Verwirklichung der Erlösung Israels.
Verheißung und Erfüllung prägten auch das eineinhalbstündige Programm unter dem Motto „Nine Lessons and Carols“ der drei von den Dirigenten Peter Gortner und Tristan Meister unaufdringlich sicher geführten Gruppen Knabenchor, Mädchen- und Männerchor. Die Juvenum-Formationen residieren bei Karlsruhes Stadt- und Christuskirche und übernehmen Einzel- wie Gesamtaufgaben unter anderem auch am Badischen Staatstheater und dem Festspielhaus Baden-Baden. Die Stimmbildung erwies sich als vorzüglich. Die Intonation war oftmals geradezu bestechend. Im Zusammenwirken aller Akteure ergab sich ein bruchloser, äußerst homogener Zusammenklang.
Schon beim Einzug zum alten Hymnus „Veni, veni Emmanuel“ offenbarte sich jenseits der glasklaren Einzelstimmen bei den mehrstimmigen Repliken eine hohe Geschlossenheit. In ruhiger Diktion erlebte man Günter Raphaels mit „Kyrie“-Anrufen immer wieder vielstimmig aufgefächerten Satz von „Maria durch ein Dornwald ging“. Knaben und Männer belebten ihren Vortrag mit feinen dynamischen Rückungen.
Gute Atemtechnik
Der ergiebige Mädchen- und Frauenchor bewährte sich unter Tristan Meister zuerst in Dvoraks melodiösem Satz „Der Herr ist mein Hirte“, der behutsam von Domorganist Markus Eichenlaubs Orgelspiel sekundiert wurde. Die langen Sentenzen zeugten von der bemerkenswerten Atemtechnik der Sängerinnen.
Der stilsicher agierende Juventus-Frauenchor machte mit dem „Magnificat“ der Schwedin Agneta Sköld bekannt. Diese wechselt nach den im gregorianischen Duktus gesungenen Zeilen immer wieder in eine flotte und folkloristische Faktur auf schwedische Texte mit einer rhythmisierten Begleitung von Harfe und Cello. Johanna Keune und Lilli Schneider waren Halt gebende Stützen. Das zehnminütige, volksnah belebte Werk hinterließ einen starken Eindruck.
Zügig und schlagfertig
Konzertreifen Motettengesang bescherten die Gäste in „Jauchzet dem Herrn“ von Heinrich Schütz und Felix Mendelssohn. Bei Schütz' Doppelchor frappierten die gewandte Schlagfertigkeit der Sänger und ihre rhetorische Verständlichkeit. Gut ausbalanciert und griffig agierte auch die vierköpfige Sologruppe. Mendelssohns Chorlob wurde zügig durchmessen und dynamisch auf einer breiten Skala belebt. Die Phrasierung geriet äußerst homogen. In trostreicher Helle und aufjubelndem Impetus sangen die Frauen allein noch das „Elias“-Juwel „Hebe deine Augen auf“.
Das Unbekannte
Zum Mitsingen lernte die Gemeinde nach „Macht hoch die Tür“, „Tochter Zion“ und „Wachet auf“ noch Henry John Gauntletts „Jeremia sieht im Dunkeln für sein Volk ein helles Licht“ kennen. Eichenlaub machte mit Margaretha de Jongs „Wie soll ich dich empfangen“ bekannt, das er nach dem Liedvortrag in seinem fugierten Abschnitt klangdifferenziert auflichtete. Harfenistin Johanna Keune duettierte vor einem feinsinnigen frühklassischen Andante espressivo von Giovanni Battista Pescetti in Brittens „Interlude“ mit zwei Klangebenen für Gott und Mensch, die sie schlussendlich miteinander verschmolz, wie es dieser gehaltvolle Abend mochte.