Speyer
Speyer: Aquarelle von Gerd Bosslet im Feuerbachhaus ausgestellt
Anlässlich des 100. Geburtages von Gerd Bosslet widmete der Verein Feuerbachhaus Speyer dem namhaften Bürger eine Kunstausstellung seiner Aquarelle von Architektur und Landschaft.
Geboren wurde Bosslet 1920 als Sohn des Oberregierungsbaurats Ludwig Bosslet in Speyer und verstarb 1987 in seiner Heimatstadt, die er städtebaulich wie auch künstlerisch mit geprägt hat.
Schon früh zeigte Gerd Bosslet künstlerisches Talent, fertigte er doch schon bei traditionellen Feierlichkeiten großformatige meterlange Bildrollen mit Moritaten-Zeichnungen an. Die literarischen Werke seiner Mutter illustrierte er mit treffend witzigen Karikaturen.
Daher studierte er nach dem Abitur zunächst Kunst und Architektur in München, aber durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Studium abrupt mit seiner Einberufung zum Kriegsdienst beendet. In Russland findet er immer wieder Gelegenheit, auf kleinen Blättern fremdländische Eindrücke zu zeichnen.
200 Bauwerke geplant
In liebevollen Details malt er dörfliche Szenen mit einfachen Menschen, Kirchen und Klöster, und er charakterisiert mit Feder und Tusche Szenen mit seinen Kameraden im Kampf ums Überleben. Seine letzten Kriegsjahre verbrachte er in Italien und war fasziniert von der sonnenhellen Atmosphäre, der südlichen Leichtigkeit und der Architektur. Er geriet danach in Gefangenschaft in Frankreich.
Hier porträtiert er seine Kameraden und hält in ironisch frechen Bildern den Lageralltag fest. Diese waren sehr beliebt bei den amerikanischen Wachsoldaten, die sie ihm abkauften. Nach dem Krieg mussten die zerstörten Städte wiederaufgebaut werden. Dafür wurden Architekten gebraucht, weshalb Bosslet in Mainz sein Studium fortsetzte und ließ sich danach in Speyer als Architekt nieder. In den 1950er-Jahren profitierte er vom Bauboom, was seiner mittlerweile sechsköpfigen Familie zugutekam. Nahezu 200 Planungen von Bauwerken – überwiegend Einfamilienhäuser, entstanden bis 1985 in seinem Büro.
Spontan und lebendig im Stil
Nach seiner Pensionierung hat Bosslet sich noch intensiver der Malerei zugewandt. Im Freien aquarellierte er die vielfältigen Motive. Ob in heimatlichen Rheinauen oder in den Weinbergen, ob in den urigen Pfälzer Dörfern oder unter Palmen in südlichen Gefilden: Immer schuf er stimmungsvolle Landschaftsaquarelle und Bilder rustikal-urbaner Quartiere, spontan und lebendig im Stil, geografisch wieder erkennbar und genau in den architektonischen Details.
Seine Aquarelle wurden von ihm nun als Vorstudien für seine Technik mit Öl- und Acrylfarben verwendet. Bosslet verändert auch seinen Stil mit einer Serie geometrisch-abstrakter Bilder. Er beschäftigt sich mit heiter illustrativen Motiven, sozialen und ökologischen Themen. Seine Werke werden expressiver und gesellschaftskritisch.
Bis 2000 gab es viele Ausstellungen seiner Werke, und zu seinem 80. Geburtstag hatten seine ebenfalls künstlerisch tätigen Kinder ohne sein Wissen eine Familien-Ausstellung in der Altstadt-Galerie organisiert. Ein Wunsch, den er immer hegte, der aber nie umgesetzt wurde.
Sprachlos und hocherfreut war der Künstler darüber, jedoch als immer kritischer Vater hat ihm die Auswahl seiner Bilder nicht gefallen. Schwiegersohn und Laudator Michael Lauter, in Zusammenarbeit mit Bosslets Tochter und Sohn, sind jedoch sicher, dass ihm die neue Ausstellung im Speyerer Feuerbach gefallen hätte.
Ausstellung
Die Ausstellung ist noch bis zum 20.März zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen. Diese sind Dienstag bis Freitag 16 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 13 Uhr. Außerdem zu den Öffnungszeiten der Weinstube, diese ist allerdings vom 1. bis 17. Februar geschlossen. Die Ausstellung ist dann an den Wochenenden jeweils von 11 bis 13 Uhr geöffnet.