Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Sparkassen-Vorstand: „In Speyer nur noch 60 Mitarbeiter“

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Thomas Traue

Die Sparkasse Vorderpfalz ist heute 190 Jahre alt. Gegründet wurde sie in Speyer. Im Gespräch mit Stefan Keller spricht Vorstandsvorsitzender Thomas Traue über sinkende Erträge, steigende Preise, Schwierigkeiten beim Umbau der Hauptstelle Speyer und Wettbewerber. Er sagt auch, wie lange die Kondition seines Hauses für die Zukunft reichen wird.

Herr Traue, Personalabbau an der Spitze: Drei statt früher sechs Vorstandskollegen führen seit Sommer die Sparkasse Vorderpfalz, Oliver Kolb, Ulli Sauer und Sie. Ist die Arbeit leichter oder arbeiten Sie effektiver?

Die Gesamtverantwortung von Sparkassenvorständen ändert sich nicht, ganz gleich, ob eine Sparkasse von sechs oder drei Vorständen geführt wird. Nach der Fusion war es sinnvoll, die Neuausrichtung der Sparkasse mit sechs Vorständen zu begleiten. Die „Alt-Vorstände“ haben die Integration in die neue gemeinsame Sparkasse ganz wesentlich gefördert. Eine sukzessive Reduzierung war von Anfang an vorgesehen. Das jetzige Dreiervorstandsgremium ist eine optimale Organisationsform für die größte Sparkasse in Rheinland-Pfalz mit klarem Fokus auf unsere Kunden. Seit Jahren steht das Ertragsmodell der Sparkasse zunehmend unter Druck. Sie müssen neue Einnahmequellen erschließen. Jüngst wurden Depotgebühren neu strukturiert und erhöht. Warum war das notwendig? Banken und Sparkassen sind – nicht zuletzt durch die Digitalisierung, verändertes Kundenverhalten, verschärfte Regulierung und die anhaltende Niedrigzinsphase – extrem unter Kosten- und Ertragsdruck. Eine Quersubventionierung von Bankdienstleistungen durch Zinsüberschüsse – in der Vergangenheit möglich – ist in der Niedrigzinsphase mit einem Zinsniveau entlang der Nulllinie betriebswirtschaftlich nicht mehr möglich. Wir gehen deshalb immer mehr dazu über, für unsere Leistungen verursachungsgerechte Preise zu erheben. Was ist die nächste Idee dabei? Da steht nichts fest. Wir hatten die Depotpreise seit der Fusion nicht angepasst. Wir werden uns jedoch auch künftig in regelmäßigem Rhythmus unsere Preise ansehen. Sie schauen sich auch regelmäßig ihren Stellenplan und das Filialnetz an. Wie weit ist da die Anpassung? Zum Thema Filialnetz: 2016 wurden zehn Standorte geschlossen. Mit aktuell 51 Standorten haben wir das dichteste Servicenetz in der Region. Diesen Status wollen wir behalten. Wenn Standorte aber weniger genutzt werden und auf Dauer betriebswirtschaftlich nicht mehr tragbar sind, müssen wir reagieren. Sind für dieses Jahr Schließungen von Standorten geplant? Nein. Derzeit nicht. Allerdings findet 2019 die turnusgemäße Überprüfung unserer Geschäftsstellenorganisation statt. Und was ist beim Stellenabbau? Insgesamt waren zum Jahreswechsel bei der Sparkasse Vorderpfalz 931 Mitarbeiter – 334 Männer und 597 Frauen sowie 49 Auszubildende beschäftigt, davon 349 in Teilzeit. Seit der Fusion 2013 haben wir rund 200 Mitarbeiter abgebaut. Bis 2020 sollen – wie geplant und mit dem Personalrat vereinbart – weitere 49 Stellen sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen folgen. Wichtig: Der Service für unsere Kunden wird nicht beeinträchtigt. Sie feiern in diesem Jahr 190 Jahre Bestehen der Sparkasse. Keimzelle war die Sparkasse Speyer, die am 4. Januar 1829 gegründet wurde. Zum 1. Januar 2013 ist die Speyerer Sparkasse in der Sparkasse Ludwigshafen aufgegangen – nach der Fusion aus Sparkasse Vorderpfalz Ludwigshafen am Rhein-Schifferstadt mit der Kreissparkasse Rhein-Pfalz und eben der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer. In Speyer hat das vor allem dazu geführt, dass Sie persönlich nicht mehr vor Ort wahrgenommen wurden wie früher als es noch die „eigene“ Bank in Speyer gab. Wollen, werden oder müssen Sie an diesem Zustand gar wieder was ändern? Ihre Beobachtung teile ich nicht. Meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Vorstandskollegen und ich nehmen regelmäßig beispielsweise Kunden-, Beratungs-, Besprechungs-, Veranstaltungs- und Spendenübergabetermine in Speyer wahr. Das ist mir wichtig, das soll auch künftig so sein. Haben Ihnen die Genossen von der Volksbank als Platzhirsche inzwischen etwas den Rang abgelaufen? Ich sehe das nicht so. Wir sind eine Sparkasse mit öffentlichem Auftrag, die sich täglich neu im Wettbewerb mit Banken vor Ort, aber auch Direktbanken, beweisen muss. Dass wir unser Geschäft ganz vernünftig machen, bestätigen uns seit Jahren unabhängige Banktester. 2018 haben wir in den Bereichen „Privatkunden“ und „Baufinanzierung“ – wie 2017 schon – die Auszeichnung beste Bank in Rheinland-Pfalz erhalten. Das gilt im Übrigen auch für unser digitales Angebot. Zurück zu Speyer: Seit Jahren kündigen Sie einen Umbau der Regionaldirektion am Willy-Brandt-Platz in der Wormser Straße an. Warum dauert es so lange, bis sich etwas tut und was tut sich überhaupt? Die Sparkasse Vorderpfalz hat zu diesem Thema viele Gespräche geführt und musste feststellen, dass sich die Neugestaltung unserer Speyerer Hauptstelle langwieriger gestaltet als ursprünglich geplant. Das Thema Denkmalschutz ist ein Aspekt. Darüber hinaus führten interne Umstrukturierungen dazu, dass wir den Flächenbedarf neu erheben mussten, sowohl für Speyer als auch für Ludwigshafen, wo wir die Sachbearbeitung künftig bündeln möchten. Das hat Vorteile in der Verbesserung der Qualität und Sicherheit der Arbeitsabläufe und erhöht die Effizienz der internen Abwicklungsprozesse deutlich. Dadurch wird sich der Platzbedarf in der Hauptstelle Speyer von derzeit 153 Mitarbeiter auf etwa 60 reduzieren. Und was wird aus dem Gebäude? Das neue Nutzungskonzept des 8700 Quadratmeter großen Areals soll unseren Kunden weiterhin ein zeitgemäßes Banking für alle privaten und gewerblichen Kunden bieten und eventuell werden wir einen Teil der Fläche wohnwirtschaftlichen Zwecken zuführen. Das ist aber noch völlig offen. Der Fortgang des Prozesses lässt sich leider nicht beschleunigen. Um Planungssicherheit zu bekommen müssen weitere Gespräche geführt werden. Mit ersten Ergebnissen rechne ich nicht vor Herbst 2019. Eine Sparkasse mit allen Dienstleistungen wird es aber immer in Speyer geben. Wie feiert die Sparkasse den Geburtstag? Das 190-jährige Bestehen ist ein willkommener Anlass, mit Kunden, Mitarbeitern und der Bevölkerung zu feiern. Hierbei ergänzen wir unser gesellschaftliches Engagement, auf das die Menschen in Ludwigshafen, Speyer und dem Rhein-Pfalz-Kreis von jeher zählen können, im Jubiläumsjahr noch mal mit einer Reihe ganz besonderer Aktionen, Veranstaltungen und Spenden. Mit all unseren Aktivitäten im Jubiläumsjahr wollen wir zeigen, dass die Sparkasse Vorderpfalz nicht nur eine erfolgreiche Vergangenheit hat, sondern sich auch für die Zukunft sehr viel vornimmt – im Bankgeschäft und für die Region. Apropos Spenden. Da sind Sie mit fünf Stiftungen regelmäßig aktiv, das war zum Jahresende wieder zu erleben. Was schütten Sie aus? Als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut gehört es zur unternehmerischen Identität der Sparkasse Vorderpfalz, gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben in ihrem Geschäftsgebiet zu unterstützen. Ein großer Teil der erwirtschafteten Erträge fließt wieder in Form von Spenden und Sponsoring sowie über ihre fünf Stiftungen mit einem Stiftungskapital von insgesamt über 20 Millionen Euro an Vereine, Schulen, Institutionen und ehrenamtlich Wirkende zurück. Allein im zurückliegenden Geschäftsjahr sind Fördergelder in Höhe von über 1.000.000 Euro geflossen. Damit hat sie in Ludwigshafen, Speyer und dem Rhein-Pfalz-Kreis über 1000 Projekte begleitet, die ohne ihre Unterstützung oftmals nicht zustande gekommen wären. Die Grünen in Speyer haben gerade von der Stadt gefordert, sich von den Sparkassenanteilen zu trennen. Unter anderem mit dem Hinweis, sie schütteten ohnehin nichts aus. Was halten Sie davon? Diese Forderung kommentiere ich gar nicht. Nur soviel will ich sagen: Ich verweise gerne auf Ihre Frage zu Spenden, Sponsoring und so weiter. Das kann man durchaus als „Bürgerdividende“ bezeichnen. 190 Jahre Sparkasse Vorderpfalz – wie viele Jahre folgen noch – oder den Langläufer Traue gefragt: Wie lange reicht die Kondition der Sparkasse noch? Ich bin mir sicher, gemeinwohlorientierte, öffentlich-rechtliche und kommunal gebundene Sparkassen wird es auch künftig geben. Denn Sparkassen in aller Welt sehen es als ihre Aufgabe, Menschen am wirtschaftlichen und sozialen Leben teilhaben zu lassen. Die Sparkassen richteten daher ihr Angebot so aus, dass möglichst jeder ein passendes Angebot findet. Diese Werte waren der „innere Kompass“ der „Sparkasse zu Speyer“, als sie 1829 gegründet wurde. Und dieser Kompass hat weiterhin Gültigkeit – auch angesichts aktueller Fragen wie der nach der Zukunft des Bargelds, der Zukunft der Filiale oder nach Robotern als Anlageberater. 

Zur Person

Thomas Traue wurde 1962 in Hannover geboren. Der 56-jährige Diplom-Sparkassenbetriebswirt hat seine Karriere 1986 bei der Sparkasse Hannover begonnen. 2000 übernahm Traue die Firmenkundenleitung der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau. Bei der Sparkasse Vorderpfalz ist Traue seit 2006 als Vorstandsmitglied und seit 1. April 2018 deren Vorstandsvorsitzender. Daneben engagiert er sich in einer Reihe von Funktionen und Ehrenämtern. Traue wohnt in Ludwigshafen. Er ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes. Seine Freizeit verbringt er gerne mit seiner Familie. Erholung findet er beim Laufen, Wandern und Radfahren.

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