Vorderpfalz
Sparkasse: Wachstum trotz Krise
Nach normalen Maßstäben sei das Geschäftsjahr 2020 kaum zu bewerten, sagt Thomas Traue, Vorstandsvorsitzender des Instituts mit 890 (2019: 907) Mitarbeitern. Die Corona-Krise habe Einfluss in vielen Bereichen. Dennoch sei er zufrieden mit den Zuwächsen beim Kreditgeschäft (plus 3,4 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro), bei den Kundeneinlagen (plus 5,6 Prozent auf 4,5 Milliarden) und der Bilanzsumme (plus 1,5 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro).
Rückgänge gab es hingegen beim Zinsertrag (minus 6,3 Prozent auf 100,5 Millionen Euro) und beim Jahresüberschuss, der von 6,1 Millionen Euro (2019) auf 4 Millionen Euro gesunken ist. „Trotz schwieriger Rahmenbedingungen und erhöhter regulatorischer Auflagen sind wir mit dem erzielten Ergebnis auf Kurs“, so Traue. Entgegen mancher Erwartungen seien die Ausfälle im Kreditgeschäft 2020 unauffällig gewesen. Vorsichtshalber werde jedoch das Bewertungsrisiko für 2021 und 2022 erhöht. Das Eigenkapital sei um 6 Millionen Euro erhöht worden; es gehe um Vorsorgereserven.
Niedrigzinsen belasten
Die stärkere Belastung stelle die Niedrigzinspolitik dar. Der Zinsertrag sei eine der wichtigsten Ertragsquellen der Bank. Wichtig sei daher, dass sich der Provisionsüberschuss um 3,6 Prozent auf 33,3 Millionen Euro erhöht habe und dass es beim Personalaufwand (89,6 Millionen Euro) nur um 0,2 Prozent nach oben gegangen sei. Kunden hätten 241 Millionen Euro mehr auf die hohe Kante gelegt als 2019. Das überdurchschnittliche Wachstum bei deren Wertpapiervolumen von 8,1 Prozent wird sich laut Bank-Prognose fortsetzen: Wer Strategien gegen einen Kaufkraftverlust entwickeln will, kommt nach Einschätzung von Vorstandsmitglied Oliver Kolb „an Wertpapieren kaum vorbei“.
Die Corona-Krise habe zu der Steigerung im Kreditgeschäft beigetragen, so Vorstandsmitglied Ulli Sauer: „Es wurde von schnellen und unbürokratischen Hilfen für die von der Krise betroffenen Unternehmen dominiert.“ Unternehmen blieben auf Hilfen angewiesen, erwartet er: „Ich gehe davon aus, dass viele Betriebe auch bei einer schnell einsetzenden Erholung das Vorkrisenniveau nach 2022 noch nicht erreicht haben.“ Als stabil habe sich das Immobiliengeschäft erwiesen: Das Institut hat nach eigener Mitteilung Gebäude und Grundstücke im Wert von 49,5 Millionen Euro vermittelt (2019: 46,3 Millionen Euro). „Die Preise für Immobilien werden weiter auf hohem Niveau bleiben“, erwartet die Sparkasse Vorderpfalz.
Kunden werden „digitaler“
Weiterer Effekt der Krise: Es hat einen Digitalisierungsschub bei der Sparkasse gegeben. Die Anzahl der Kunden, die digitale Dienste in Anspruch nehmen, habe deutlich zugenommen. Die für das Onlinebanking freigeschalteten Privatkonten seien um 9,3 Prozent auf gut 81.000 gestiegen, die Geschäftskonten um 2,2 Prozent auf 10.688. Die „Internetfiliale“ mit mehr als 7,4 Millionen Besuchern und 48 Millionen Zugriffen sei der am meisten genutzte Weg zur Sparkasse. Das Smartphone werde zur „Schaltzentrale“.
Die Anzahl ihrer 47 Standorte in der Region will die Sparkasse laut Vorstandschef Traue in den kommenden Jahren beibehalten.