Speyer
Softball: Heiß geliebter Sport wird vermisst
Es war ein kühler Morgen an jenem 21. September 2019, an dem sich das Speyerer Team an den Garagen ihrer Sportanlage traf und dann im Konvoi nach Darmstadt fuhr. Es ging für die Turtles Tag darum, sich für die Champions League, die inoffizielle deutsche Meisterschaft, in Karlsruhe zu qualifizieren.
Was damals keiner ahnte: Diese Finalrunde wird niemals gespielt. So ging zunächst alles seinen Gang: In der frischen Morgensonne packten die Turtles die Taschen aus, verteilten Schläger, Helme, Handschuhe und anderes, stülpten die Trikots über. Und dann besiegten sie die Kaiserslautern Bears.
Damit schaffte Speyer die Qualifikation, bevor es gegen die starke Mannschaft aus Mainz ging. Die Kulisse war gut. Von den Rängen erklang lautstark Anfeuerung. Das Spiel verlief lange Zeit recht eng.
Pietrzalas Double
Nach einer Führung im ersten Inning (Spielabschnitt) drehte Mainz zwar die Partie. Im fünften der sieben Durchgänge „hat Maxim hat noch ein Double geschafft“, erinnert sich seine Lebensgefährtin Jenny Precht über die gelungene Aktion, bei der er zwei Bases (Male an den Ecken) erlief und kurz vor einem Punktgewinn stand. Die Turtles verkürzten.
Doch im sechsten Inning zogen die Rheinhessen deutlicher davon. Mainz glückte ein Homerun, also ein direkter Punktgewinn, und gewann nach diesem Dämpfer für den Speyerer Pitcher 6:2. „Das war schade. Aber wir haben nicht schlecht gespielt, waren zufrieden. Denn Mainz ist immer stark, schlägt gut“, erzählt Pietrzala.
So sei die Stimmung nach der abschließenden Traineransprache auf dem Heimweg gegen 18 Uhr bestens gewesen. Denn die Mannschaft freute sich über Platz zwei. Kein Gedanke verschwendete sie daran, dass die müden Muskeln, die nach so einem Tag immer dazugehören, eine lange Zeit nicht mehr in dieser Form beansprucht würden.
Abschlussfeier
Hätte sonst auch die Dusche daheim so gutgetan wie an jenem Abend? Am 11. Januar 2020 feierten die Domstädter jedenfalls sogar noch offiziell im Kreis der Vereinskameraden, sowohl die erfolgreiche Qualifikation für das Turnier der 16 besten deutschen Teams wie auch das Jubiläum zum 30-jährigen Bestehen.
„Es war ein Schlag ins Gesicht“, sagt Pietrzala zu dem Moment, als er erfuhr, dass die Champions League 2020 nicht wie geplant im Frühjahr stattfindet. Precht (25): „Das ist immer etwas ganz Besonderes, weil man ein ganzes Wochenende mit der Mannschaft hat, im Hotel wohnt, viel Spaß hat, auch wenn wir nicht zu den favorisierten Teams gehören. Es gibt immer auch welche, die wir schlagen können.“
Wie ihr 33 Jahre alter Lebenspartner, begann auch sie 2013 mit dem Base- beziehungsweise artverwandten Softball. Die beiden in einer Speyerer Radiologie beschäftigten Fachangestellten lieben ihren Sport, weil er sie sowohl mental wie auch körperlich fordert.
Glücksgefühle
Pietrzala berichtet sogar von „Glücksgefühlen beim Homerun, für die ich brenne“ und dem „Bock, einfach auf den Ball zu schlagen“ – beides eigentlich für ihn unersetzlich. Offen ist, wann beide auch wieder mit ihrer Mannschaft trainieren oder gar spielen können. Dabei sanierten die Schildkröten im vergangenen Jahr noch ihre Anlage.
„Das macht die ganze Sache noch trauriger. Denn wir konnten sie seitdem nicht nutzen, und inzwischen ist der Zustand des Platzes, der ja frei für jeden zugänglich ist, schon wieder schlechter“, klagt Pietrzala. Immerhin schlugen die beiden schon gemeinsam ein paar Bälle. Dies war möglich, weil sie im gleichen Haushalt leben.
Neuer Hügel
Das Online-Training, das Trainer Frank Brzoska angeboten habe, sei zwar lehrreich gewesen, könne aber ein reguläres nicht ersetzen, meinen beide. „Wir vermissen das Team, die Glücksgefühle, den Sport an sich und zwar wirklich krass“, sagen sie.
Precht und Pietrzala hoffen, den derzeit im Bau befindlichen Pitcher-Hügel schon sehr bald zumindest im Mannschaftstraining, aber noch viel lieber in einem Wettkampf einzuweihen, denn: „Wir denken sehr, sehr viel an Baseball.“