Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel So will der Tierschutzverein aus seiner Finanzkrise kommen

Tierheim Speyer: Im September wurde an der Erneuerung des Hundehauses gearbeitet.
Tierheim Speyer: Im September wurde an der Erneuerung des Hundehauses gearbeitet.

Fragen & Antworten: Der Speyerer Tierschutzverein als Betreiber des Tierheims steckt seit Jahren in Finanzproblemen. Zuletzt ging er mit einem Appell an die Öffentlichkeit, da der Tierheim-Betrieb nur noch fünf Monate gesichert sei. Das Vorstandsduo kennt Gründe für die Misere, hat Ideen zur Abhilfe und ist zumindest verhalten optimistisch.

Wie steht es um die Finanzen des Tierschutzvereins Speyer?
Genaue Zahlen nennen Vorsitzende Patrycja Schwarz und ihr Stellvertreter Uwe Grimm auf Anfrage nicht. Zur Jahresmitgliederversammlung am Donnerstag war die Presse nicht zugelassen. Im RHEINPFALZ-Gespräch sagt Grimm: „Das Tierheim wird nie ein Plus-Betrieb sein.“ Pro Jahr fielen mal vier-, mal fünfstellige Fehlbeträge an. Da der Verein alleiniger Träger sei, wirke sich das auch auf dessen Finanzen aus. Wie in den drei Jahren zuvor sei auch 2020 ein Defizit bilanziert worden; zuletzt bekannt war ein Minus von 51.000 Euro im Jahr 2018. Wenn ein Projekt wie die aktuelle Sanierung des Hundehauses hinzukommt, sorgt das für zusätzliche Anspannung. Sowohl der laufende Betrieb, als auch das Bauprojekt knabbern an den Rücklagen. „Wir können damit noch fünf Monate überbrücken“, so Schwarz. Am Ende werden sich die Hundehaus-Kosten auf 125.000 Euro belaufen, schätzt Grimm. Zum Glück habe die Stadt ihren Zuschuss schon auf 12.000 Euro erhöht; auch vom Land und vom Tierschutzbund wird noch Geld erhofft, um das Projekt 2022 mit einem neuen Dach abschließen zu können.

Woher kommen die Engpässe?
Rund 200.000 Euro koste der Tierheim-Betrieb pro Jahr, so Grimm. Die Kosten hätten sich unter anderem im Personalbereich erhöht. Die veterinärmedizinischen Auflagen für den Betrieb seien gestiegen. „Wir können bei der Qualität in der Tierhaltung keine Abstriche machen, hier geht es um Lebewesen“, sagt Schwarz. Einen festen Betrag gebe es jährlich von der Stadt für die Fundtier-Verwahrung, darüber hinaus seien umfangreiche Spenden erforderlich. Diese seien jedoch zuletzt gesunken. Die 2018 und 2020 gewählten und noch bis 2024 amtierenden Vorsitzenden sehen die Negativschlagzeilen, die der Verein geschrieben hat, als eine Ursache dafür. Mitentscheidend sei auch, dass Veranstaltungen wie das Sommerfest und die Tierheim-Weihnacht 2020 sowie 2021 Corona-bedingt ausfallen müssten. Sie seien jeweils Anlässe gewesen, um Spenden einzuwerben. Auch bei Sachspenden, wie zuletzt für den Hundehaus-Umbau angefragt, habe der Verein derzeit bei lokalen Unternehmen kaum eine Chance, bedauert die Vorsitzende. Die Katzenpension als Einnahmequelle blicke wegen der Pandemie ebenfalls auf zwei schwache Jahre zurück.

Reicht der erhöhte städtische Zuschuss für die Fundtier-Verwahrung nicht aus?
„Er deckt nicht mal 50 Prozent der Kosten“, so Schwarz. Dabei ist in diesem Jahr von einer Einzelabrechnung für die Verwahrung, Pflege und Abholung der rund 200 Fundtiere pro Jahr auf eine pauschale Bezahlung umgestellt worden. „Das hat uns ein großes Stück weitergebracht“, sagt Grimm. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist 1a“, betont auch Schwarz. 86.076 Euro – 1,50 Euro pro städtischer Einwohner plus 7 Prozent Mehrwertsteuer – sind laut Stadt für 2021 überwiesen worden. Zum Vergleich: In Koblenz lag der Satz im Sommer bei 0,70 Cent pro Einwohner. Das neue Modell bedeute für den Verein wie die Stadt „eine große Arbeitserleichterung“, so Sprecherin Lisa Eschenbach auf Anfrage. Der Vertrag verpflichtet den Verein Hunde, Hauskatzen und Kleintiere, die gefunden werden, „im Rahmen seiner Kapazitäten“ aufzunehmen. Laut Schwarz reichen die Kapazitäten nicht immer aus: Das Hundehaus habe nur sechs normale und zwei Quarantäne-Boxen, der Katzenbereich sechs Quarantäne-Plätze, in denen alle Stubentiger mindestens zwei Wochen bleiben müssten.

Wie läuft der Tierheim-Betrieb?
Die knappen Kapazitäten im Mäuseweg bereiten laut Schwarz Probleme. Auch deshalb ist eigentlich ein Umzug in einen Neubau auf dem Polygon-Gelände beschlossen. Hier hat die Stadt als Partner aber noch nicht mal das Gelände vom Bund erworben, sodass kein Zeit- und Kostenplan genannt werden könne, so Grimm: „Das dauert noch Jahre.“ Fünf Mitarbeiter, darunter Schwarz als Verwaltungskraft, arbeiten in der Einrichtung. Zuletzt gab es immer wieder Personalfluktuation; aktuell wird eine neue Leitung gesucht. Als Vorsitzende ist Schwarz nach eigener Aussage ehrenamtlich tätig, als Mitarbeiterin in Teilzeit. Fünf Hunde, 23 Kaninchen, circa 30 Katzen und eine Schildkröte würden im Tierheim betreut; dazu kämen im Fressnapf Hockenheim Ratten sowie vier Meerschweinchen aus dem Tierheim-Bestand. Geholfen hat dem Verein – und den Tieren – laut Schwarz die neue Katzenschutzverordnung in Speyer, die Kastrationen von Freigängerkatzen vorschreibt.

Wie könnte Abhilfe gelingen?
Der Verein will verstärkt um Spenden, Sponsoring, Tierpaten und (Förder-)Mitglieder werben. Die Mitgliederanzahl von knapp 500 sei recht konstant, so die Vorsitzenden. Der Kreis der Aktiven beschränke sich jedoch überwiegend auf 20 Ehrenamtliche. Bei der Jahreshauptversammlung in der Halle 101 seien nur 20 Mitglieder anwesend gewesen. „Wir führen als Verein ein mittelständisches Unternehmen“, so Schwarz, die sich mehr Unterstützung wünscht. Ein Thema sei auch die Gründung einer gGmbH gewesen, in der sich Stadt und Verein einbringen könnten. Die Stadt habe sich aber zunächst für den verbesserten Fundtiervertrag entschieden. „Wir wollen das Thema immer wieder anstoßen“, so Schwarz. Aktuell seien Spenden die schnellste Hilfsmöglichkeit für den Erhalt von Verein und Tierheim. Der Verein stelle auf seiner Homepage www.tierheim-speyer.de alle Möglichkeiten vor. Unter Corona-Auflagen möglich sei ein Adventskranz-Verkauf am 20. November, der ihm zugutekomme.

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Geht nur mit mehr Transparenz

Der Tierschutzverein muss in die nächste Phase seines Werbens um eine bessere Zukunft gehen: Eine Charmeoffensive könnte helfen.

Ein Tierheim-Betrieb ist nicht mehr so einfach wie früher, als Ehrenamtliche einen Großteil der Arbeit erledigen konnten. Das Veterinäramt schaut bei der Sachkunde der Mitarbeiter ganz genau hin. Das hebt die Kosten. Wenn dazu eine Corona-Krise und Imageprobleme des Vereins nach jahrelangen internen Querelen kommen, ist es erklärbar, wenn die Lage so prekär wird wie im Speyerer Tierheim.

Dennoch ist die Bereitschaft in der Bevölkerung, Tieren zu helfen, prinzipiell da. Der Tierschutz weltweit lebt davon. Der Speyerer Verein kann in diesem Punkt besser werden, wenn er offener, offensiver und charmanter um Interessenten wirbt. Spender müssen wissen, wohin ihr Geld genau fließt.

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