Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel So steht es um Speyers Russland-Partnerschaft

2022 eher unwahrscheinlich: unbefangener Auftritt einer russischen Tanzgruppe beim Brezelfestumzug (hier im Jahr 2016).
2022 eher unwahrscheinlich: unbefangener Auftritt einer russischen Tanzgruppe beim Brezelfestumzug (hier im Jahr 2016).

Die Stadt Speyer hat ihre Partnerschaft mit der russischen Stadt Kursk entgegen anderslautender Medienberichte nicht offiziell ausgesetzt. Die Aktivitäten ruhten jedoch, heißt es im Rathaus. Post aus Kursk würde sich die Verwaltung sehr wohl wünschen.

„Eine Antwort gab es leider nicht“, teilt Lisa Eschenbach, Sprecherin der Stadtverwaltung, mit Bezug auf den Brief mit, den Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) am 21. März an ihren Kursker Amtskollegen Igor Kutsak geschrieben hat. Rund einen Monat war damals seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vergangen. Der Krieg tobt immer noch. Ihr bleibe „keine andere Wahl, als den völkerrechtswidrigen, militärischen Angriff Russlands auf die Ukraine entschieden zu verurteilen“, schreibt Seiler.

Sie wisse, dass Kutsak dies möglicherweise anders sehe, betont Seiler. Trotzdem wirbt sie ihm gegenüber für einen Waffenstillstand, Friedensverhandlungen und Völkerverständigung. Sie hoffe auch, „dass die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Städten, die gewachsenen Freundschaften zwischen Menschen, diesen Konflikt überdauern werden“. Speyer hatte sich – wie berichtet – bewusst entschieden, die Partnerschaft nicht stillzulegen. In vielen der rund 100 deutschen Städte mit russischen Partnern war diese Abwägung anders ausgefallen.

Keine Gäste beim Jugendtheater

Die konkreten Partnerschaftsaktivitäten seien für dieses Jahr aber ausgesetzt, so Stadt-Sprecherin Eschenbach auf Anfrage. Unter anderem sei ein Besuch russischer Schauspieler beim Kinder- und Jugendtheater in der Domstadt geplant gewesen, der nun nicht zustande kommen könne. Auch die Planung einer Bürgerreise hätte auf dem Programm gestanden, die nun ebenfalls aufgeschoben sei.

Kursk ist als große russische Stadt in relativer Nähe zur Ukraine vom Krieg stark betroffen. Die Anzahl der Flüchtlinge aus den umkämpften Gebieten, die sich als Russen begreifen, in der Stadt und der Region Kursk ist groß. Geheimdienste und Nichtregierungsorganisationen berichten auch von verschleppten Ukrainern, die in russische Gefängnisse gebracht würden. Unter anderem soll die Haftanstalt in Kursk betroffen sein. Paul Neumann, Pionier der Kursk-Partnerschaft in Speyer, spricht von weiterhin funktionierenden Kontakten auf persönlicher Ebene. In diesen werde von russischer Seite nicht von „Krieg“, sondern – wenn überhaupt – wie von der Putin-Regierung verordnet von einer „Spezialoperation“ gesprochen. In vielen der rund 100 deutschen Städte mit russischen Partnern war diese Abwägung anders ausgefallen.

x