Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel So kämpft die Stadt gegen den Corona-Ausbruch

Laut Stadt eine der Ursachen für die hohen Fallzahlen: die vielen Tests im Abstrichzentrum.
Laut Stadt eine der Ursachen für die hohen Fallzahlen: die vielen Tests im Abstrichzentrum.

Fragen & Antworten: Bei 367,9 war die „Rekordjagd“ des Speyerer Sieben-Tage-Inzidenzwerts für Corona-Neuinfektionen am Montag angekommen. Zu Ursachen und Folgen gibt es jetzt Erkenntnisse.

Kommt eine Maskenpflicht?
Die Stadt Speyer plant zur Eindämmung der Corona-Krise ab Mittwoch eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Am Montag wurde mit dem Land über eine entsprechende Allgemeinverfügung beraten, wobei das Ergebnis bei Redaktionsschluss noch ausstand. Die Verwaltung äußerte sich zuversichtlich, dass am Dienstag die rechtlichen Grundlagen für eine gerichtsfeste Pflicht täglich von 8 bis 20 Uhr in einem im Wesentlichen die Maximilianstraße und Nebenstraßen, Dom- und Postplatz umfassenden Gebiet stehen. Es gehe um „enge Stellen der Innenstadt“. Weitere Inhalte der Verfügung: Geschäfte dürfen zwischen 23 und 6 Uhr keine alkoholhaltigen Getränke abgeben und Pflegeheim-Bewohner täglich maximal für eine Stunde einen Besucher empfangen.

Wie ist die Infektionslage?
Nach 21 Fällen in Speyer am Wochenende wurden am Montag weitere 36 in die Statistik des Landesuntersuchungsamts aufgenommen, was aktuell 315 Infizierte und den Inzidenzwert pro 100.000 Bürger von 367,9 ergibt – am Montag der bundesweit zweithöchste. Die hohen Fallzahlen liegen nach Einordnung der Stadt an vielen Infektionen in der Landeserstaufnahme AfA, in Seniorenheimen und an Schulen. „Etliche Fälle wurden in der vergangenen Woche nacherfasst“, so die Verwaltung auf Anfrage. Zum anderen verfüge die Stadt Speyer über ein eigenes Abstrichzentrum und trage mit ihrer Teststrategie dazu bei, dass die Inzidenz so hoch ist. „Diese Strategie ist aber mit Sicherheit der richtige Weg, denn auf diese Weise können Infektionen rechtzeitig erkannt und Infektionsketten unterbrochen werden“, so die Stadt. Ihre Annahme: Die Dunkelziffer ist niedriger als in anderen Städten.

Bleiben die Schulen geöffnet?
Laut Land bisher ja, wobei die Stadt nach eigener Mitteilung den Vorschlag gemacht hat, Klassen in Speyer zu teilen, um die Abstandsregeln besser einhalten zu können. Dieser sei jedoch kein Teil der Allgemeinverfügung, weil die Stadt in dieser Frage gegenüber den Schulen nicht weisungsbefugt ist. Auch am Montag wurden wieder neue Infektionsfälle an Schulen bekannt: drei an der berufsbildenden Becher-Schule, davon zwei in einer Klasse, die ins „Homeschooling“ übergegangen ist, ein Sechstklässler des Schwerd-Gymnasiums, eine Zehntklässlerin des Gymnasiums am Kaiserdom, mit der zwölf Schüler und eine Lehrkraft in Quarantäne mussten, sowie fünf weitere am Hans-Purrmann-Gymnasium, drei in Stufe 13 und zwei in Stufe 11, die nun jeweils komplett zu Hause lernen müssen.

Wie ist die Situation in der AfA?
Die Anzahl der positiv getesteten Bewohner, die derzeit in der Sporthalle und im Quarantänehaus leben, ist von 69 auf 66 gesunken. Weitere Abstriche wurden am Montag genommen. Um die verlängerte Quarantäne (wir berichteten) zu überwachen, hat die Stadt die Polizei um Amtshilfe gebeten – „aufgrund der Vielzahl an Kontrolltätigkeiten und begrenzter personeller Kapazitäten beim Kommunalen Vollzugsdienst“. Quarantänebrecher seien nicht festgestellt worden.

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

PR in der Pandemie

Die einen sagen, die Stadt reagiert zu spät auf die hohen Corona-Zahlen, die anderen sagen, sie überreagiert. Beides ist zu einseitig.

Wer die Patentlösung in Pandemiezeiten hat, hebe die Hand. Ob eine früher ausgerufene Maskenpflicht in der Innenstadt viele Infektionen verhindert hätte, darf bezweifelt werden. Eingedämmt werden kann das Virus nur, wenn die Bürger mitmachen und wenn Auflagen auch kontrolliert werden. Das ist vielleicht doch etwas, was die Stadt falsch gemacht hat: Im August hat die Oberbürgermeisterin mit ihrer „Corona-Ampel“ zügige Eingriffe bei steigenden Zahlen in Aussicht gestellt, als es aber tatsächlich soweit kam, hat sie eher gezaudert. Die Ampel war wohl vor allem PR ...

Mehr zum Thema
x