Speyer „So etwas habe ich noch nie gesehen“
«WALDSEE.»Ein Naturphänomen hat RHEINPFALZ-Leser Armin Raquet vergangene Woche über Waldsee gefilmt. Ein Experte erklärt, dass dieses in Deutschland gar nicht so selten ist.
Es war am vergangenen Mittwochnachmittag. Ein starker Regenschauer war gerade durch Waldsee gezogen, ein zweiter bahnte sich an, als Armin Raquet mit dem Rad von Neuhofen nach Waldsee fuhr. Beim Abbiegen von der Schlichtstraße in die Mörschstraße bemerkte er um 16.33 Uhr ein Phänomen am Himmel, das er mit dem Smartphone filmte. „Ich habe so etwas noch nie gesehen, aber ich wusste sofort, das muss ein Tornado sein“, erzählt er. Der Schlauch, der aus den Wolken kam, reichte nicht bis zum Boden. Nach nicht mal einer Minute war der Spuk vorbei. „Der Schlauch ist zur Seite gekippt und hat sich aufgelöst.“ „Das ist tatsächlich der Rüssel eines Tornados“, bestätigt der Römerberger Wolfgang Lähne, Klimatologe vom Wetterbüro Klima Palatina, nach Betrachten der Filmaufnahme. Streng genommen spricht man von einem Tornado, wenn dieser Schlauch den Boden erreicht, wenn nicht, wäre es ein Blindtornado. Er schätzt, dass dieses Exemplar über Waldsee nicht mehr als 50 Meter Durchmesser gehabt hat und wahrscheinlich nicht bis zum Boden gegangen ist, da es keine Meldungen über Schäden gegeben hat. Hätte er den Boden berührt, wäre er auf der Fujita-Skala von 0 bis 5, die die Stärke von Tornados anhand der Windstärke einstuft, vermutlich in die Stufe F0 eingeordnet worden. Das bedeutet Windstärke 8 bis 11. Der Wetterexperte erklärt, wie es zu einem Tornado kommen kann. Dazu muss genügend Feuchtigkeit in der Luft sein und am Boden eine andere Windrichtung herrschen als in zwei bis vier Kilometer Höhe. Durch diese Scherwinde kommt es in der Wolke zu Rotationen, die sich weiter nach unten fortsetzen können und als Schlauch unterhalb einer Gewitterwolke sichtbar sind. Solche Tornados können bei feuchtwarmer Witterung an Kaltfronten oder aber auch unabhängig von Fronten in einzelnen Gewittern auftreten. Für die Zeit, in der Armin Raquet den Tornado gegen 16.30 Uhr beobachtet hat, melden Wetterstationen, dass der erste Regenschauer bereits im Abschwächen begriffen war. Kurzzeitig hat sich aber eine Schauerzelle regeneriert oder neu gebildet. Aus dieser ist dann erst der Blindtornado oder Tornado hervorgegangen. „Das ist selten, aber nicht ungewöhnlich“, sagt Lähne. Tornados, die auch Windhosen genannt werden, kämen über Deutschland immer wieder mal vor. Jedes Jahr werden mehrere Dutzend gemeldet. Dass die Meldungen zunehmen, könnte auch auf gestiegenes Interesse zurückzuführen sein. Es gibt durchaus auch Tornados, die schlimme Verwüstungen hinterlassen, so wie der, der 1968 in Pforzheim zwei Menschen getötet, 200 verletzt und 1750 Häuser abgedeckt hat. Tornados dürfen nicht mit Hurrikans verwechselt werden. Diese entstehen über mindestens 26 Grad warmen Meerwasser und können bis zu 1000 Kilometer Durchmesser haben. Die größten Tornados haben dagegen etwa einen Kilometer Durchmesser. Die Rubrik Unter dem Titel „Dienstagsfrage“ beantworten wir einmal die Woche Fragen, die im Alltag im Speyerer Umland auftauchen.