Speyer Sehnen und Schmerz

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„Seit ich ihn gesehen – Lieder von Glück und Leid“: Unter diesem Titel haben die junge Sopranistin Hiltrud Kuhlmann und Christine Rahn als Begleiterin am Klavier gestern das letzte Konzert am Nachmittag dieser Spielzeit im Historischen Ratssaal Speyer gestaltet. Auf dem Programm standen Liebeslieder von Robert Schumann, Richard Strauss und Johannes Brahms.

Dabei bildet stets die Frau den Mittelpunkt. Mal denkt sich der Dichter – und mit ihm der Komponist – in sie hinein, wie in Schumanns Liederzyklus „Frauenliebe und -leben“. Mal werden in Strauss’ „Mädchenblumem“ Frauentypen mit bestimmten Blumen verglichen, oder bei den acht Liedern von Brahms wird die unerfüllte Sehnsucht – offenbar eines Mannes – nach einer bestimmten Frau in Naturbilder gekleidet. Adalbert von Chamisso hat die acht Gedichte geschrieben, die Schumann zu seinen Zyklus vertont hat. Er umreißt das Frauenleben, das nach dem Kodex der Zeit allein ein Leben von Liebe und Mutterschaft ist. Das beginnt mit der Verwirrung beim ersten Anblick des Geliebten, reicht über das freudige Erkennen der Liebe, Verlobung, Heirat, Schwangerschaft, deren Zeichen die Mutter deuten muss, bis hin zum tiefen Schmerz der Witwenschaft. Parallel zu Schumanns Meisterschaft darin, Gefühle in Musik spürbar zu machen, formte Hiltrud Kuhlmann mit ihrem ausdrucksstarken, nicht zu hellen Sopran jeden Ton wie eine Skulptur. Mit Christine Rahn hatte sie die richtige Partnerin am Klavier, die mit ihr eine klangliche Einheit bildete. Der Dichter der „Mädchenblumen“, Felix Dahn, und Strauss vergleichen sanfte, blauäugige Mädchen mit Kornblumen und spritzige, sprunghafte mit Mohn. Da müsse Efeu klammern und sich anlehnen, während die Wasserrose geheimnisvoll schimmere. Auch diese Männerträume interpretierte die Sopranistin überzeugend. Brahms’ Vertonungen von Gedichten Georg Daumers sind ein anderes Kaliber. Hier sehnt sich ein Mann unerfüllt nach einer Frau, die von seiner Liebe nichts ahnt, ist zugleich verzweifelt und froh, dass er überhaupt liebt, und findet dafür Bilder aus der Natur oder Seelenbilder in wenigen Zeilen. Kuhlmann schaffte es, sie ins Leben zu rufen. Da sind die laue Luft im nächtlichen Garten, der Traum, geliebt zu werden, und die ambivalenten Gefühle von Liebe und Wut. Das vermittelte sie sehr authentisch.

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