Speyer Schwebend entspannen und genießen

Im engen Sportgerät: Anna-Lena Ludwig aus Waldsee.
Im engen Sportgerät: Anna-Lena Ludwig aus Waldsee.

«Waldsee.» Wer Profisportler fragt, wie sie mit dem Sport in Berührung gekommen sind beziehungsweise wie sie damit angefangen haben, stößt oft auf eine familiäre Verbindung, die vielleicht auch das Talent begründet. Ob es im Fußball, Tennis oder Basketball ist, dieses Phänomen ist überall zu erkennen, so auch in Waldsee, wo Anna-Lena Ludwig im März 2017 pünktlich zu ihrem 14. Geburtstag ihren ersten alleinigen Segelflug antrat.

Woher kam die Begeisterung fürs Fliegen? Natürlich, durch ihren Vater, der die Leidenschaft wiederum von seinem Papa eingeimpft bekam. Anna-Lena will in seine „großen Fußstapfen treten“, wie sie berichtet. Wenn sie sich jedes Wochenende von Freitag bis Sonntag auf dem Flugplatz zwischen Schifferstadt und Dannstadt einfindet, geht sie genau dieser Leidenschaft nach. Das Fliegen bedeutet „alles“ für sie, und obwohl sie nebenbei noch Zeit in einer Gardetanzgruppe verbringt und zudem Posaune spielt, ist das nur „Ausgleich“. Der Fokus liegt auf dem Segelflug. Dieser verlangt ihr einerseits alles an Konzentration und Hingabe ab. Andererseits dient er auch zur Entspannung. Sie liebt es einfach, in der Luft zu schweben und vielleicht auch einfach mal abzuschalten. Wenn Anna-Lena als kleines Kind bei Vater Matthias mitflog, träumte sie „schon immer davon, mal alleine durch die Lüfte zu kreisen“. Mit 14 Jahren war es dann endlich soweit, nachdem sie etliche Flugstunden genommen, sich von Lehrern prüfen lassen und eine Vielzahl an Gefahrensituationen überstanden hatte. Auf die Frage, wie es sich denn angefühlt hat, die alleinige Kontrolle zu besitzen ohne eine Vertrauensperson hinter sich sitzen zu haben, kommt eine Antwort, die den Reifegrad eines selbstbewussten Mädchens wunderbar darlegt. Sie appelliert an das „Verantwortungsbewusstsein“ und spricht vor allem von der „Verantwortung über das eigene Leben“, das beim Fliegen doch immer wieder auf dem Spiel steht. Unheimliches Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten und insbesondere Mut seien erforderlich. Und all das vereint Anna-Lena, wenn sie sich jede Woche wieder in ihrem Segelflugzeug hochziehen lässt, um zu schweben, zu entspannen, zu genießen. Doch natürlich macht sie das Segelfliegen nicht nur zum Spaß. Während sie im Moment noch an Wettbewerben wie dem Jugendvergleichsfliegen auf Landes- oder sogar Bundesebene teilnimmt, ist ihr großes Ziel das professionelle Fliegen. Mit 16 darf sie dann endlich den Flugschein machen, der sie zur Teilnahme in der Mannschaft der Paradiesvögel Ludwigshafen in der Landesliga berechtigt – natürlich nur der erste Schritt in Richtung der Fußstapfen, die ihr Vater derzeit in der Bundesliga hinterlässt. Wer nicht genau weiß, wie ein Wettbewerb im Segelflug funktioniert, Anna-Lena erklärt’s simpel: „Ein verantwortlicher Sportleiter gibt drei Punkte auf der Route bekannt, die angeflogen werden müssen. Man benutzt dann ein Navigationsgerät, um in der Luft zurechtzukommen. Wer am schnellsten diese Art Parcours durchflogen hat, gewinnt.“ Anna-Lena Ludwig, die später mal Fluglotsin werden will, hat einen Plan im Leben und einer davon ist, irgendwann mal in der Segelflugbundesliga zu starten, wie ihr Vater eben.

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