Speyer Schwarze Kartoffeln und viele Blumen
Einen feierlichen Sonntag haben gestern Mädchen und Jungen im gesamten Landkreis erlebt. Das Fest der Heiligen Erstkommunion stand an. Parallel dazu trafen sich am Wochenende die, bei denen sich das große Ereignis bereits zum 50. Mal jährte, zu Jubiläumsgottesdiensten – und zum geselligen Miteinander danach. Die RHEINPFALZ schaute bei einem Treffen vorbei.
Die Stimmung ist bestens bei den Frauen und Männern, die sich wie seinerzeit in der katholischen Pfarrkirche St. Gangolf in Dudenhofen eingefunden haben. Am Samstagabend läuten die Glocken in Erinnerung an die eigene Erstkommunion vor 50 Jahren. Der Unterschied: Nervös ist heute niemand mehr. Anders sei das damals gewesen. Vor allem Julia Ballreich erinnert sich gut an den besonderen Tag: „Mir ist schlecht geworden vor Aufregung und ich musste mich setzen.“ Während ihr Mann zu den Dudenhofener Jubilaren zählt, ist sie in Harthausen vor 50 Jahren zur Erstkommunion gegangen. Am kommenden Wochenende findet dort ein Gottesdienst für die Ehemaligen statt. Auf den Tag genau sind alle Kommunionkinder damals in festlicher Aufmachung in die jeweilige Kirche gegangen. „Das war der 23. April 1968“, sagt Monika Ball, die ebenfalls in Harthausen erstmals den Leib Christi erhielt. „Es war streng damals“, berichtet sie und erklärt: „Vorher haben wir viel üben und Lieder auswendig lernen müssen. Mein Papa war damals krank gewesen und hat mich abgehört.“ Peter Grundhöfer, der in Dudenhofen zur Kommunion ging, weiß vor allem eines noch: „Es war heiß an dem Tag.“ Bei dem Gedanken daran, rollt er heute noch mit den Augen und merkt mit einem Lachen an: „Da sind sogar die Kerzen weggelaufen.“ Barbara Zürker wirft spontan ein: „Viel Spargel hat es damals gegeben.“ Anders als in diesem Jahr also. An das Festtagsessen kann sich Zürker gut erinnern: „Markknebbel-Suppe, Schnitzel, Bratenfleisch und Eis.“ Gekocht wurde zu Hause, mit Unterstützung von drei Frauen aus dem Dorf. „Das war viel Arbeit für die Mütter und Großmütter. Eine allein hätte das nicht stemmen können“, betont Zürker. Monika Klohe verrät: „Meine Mutter war total aufgeregt: Sie hatte am Vortag die Kartoffeln schon geschält und in Wasser gelegt, aber vergessen abzudecken. Am Tag der Erstkommunion waren sie schwarz.“ Ergo: keine Erdäpfel beim Festschmaus. Ausreichend war der trotzdem, vor allem angesichts der Vielzahl an Kuchen, von denen Grundhöfer berichtet. „50,60 Stück waren da nix“, wirft er ein und verbindet den Gedanken mit einem Brauch, der keine wirkliche Begeisterung bei ihm als Bub ausgelöst hat: „Wir mussten in der ganzen Straße rumlaufen und Kuchen verteilen.“ Die Garderobe der Mädchen sei individuell gekauft worden, bestätigen alle Damen. „Alle hatten kurze Kleider, weiße Strumpfhosen und weiße Schuhe“, erzählt Monika Klohe. „Gekauft worden sind die immer beim Schuhhaus Grüner, dort, wo heute das Bürgerhaus steht“, fügt Zürker an. An das Traditionsgeschäft erinnert heute nur noch eine Malerei auf einem Stromkasten. Landrat Clemens Körner (CDU), der ebenfalls zu den Jubilaren zählt, kommt als erstes die Beichte in den Sinn – ein Muss vor der Erstkommunion. „Das war schlimm“, pflichtet ihm Petra Fuhrmann bei. Was es mit den Litaneien auf sich hat, habe Körner erst in späteren Jahren erfahren, sagt er und grinst. Geschenke gab es damals ebenso wie heute. „Sammeltassen“, nennt Barbara Stein das Schlagwort schlechthin, dem ein weiteres folgt: „Hortensienstöcke – in Rosa und Hellblau.“ Bei Körner heißen die „Ballestöck“ und davon gab es wahnsinnig viele. Die Freude über die Blüten hielt sich in Grenzen. Viel wichtiger war der Umschlag, der dazwischen klemmte. Körner erinnert sich auch noch an die Uhr, die die Jungs damals von ihren Paten geschenkt bekamen. Bei den Frauen war es ein Kreuzchen für die Kette. Anekdoten fallen den Jubilaren mehr als genug ein zur Feier des 50-Jährigen. Am meisten freut sich Fuhrmann an diesem Abend aber über eines: „Dass sich alle mal wieder sehen.“