Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel SchUM-Radroute durch Speyer und Worms geplant

Am Dom einfach abbiegen: Judenhof als mögliches Ziel.
Am Dom einfach abbiegen: Judenhof als mögliches Ziel.

Speyer soll Teil einer „SchUM-Radroute“ werden, die die Stadt auf einem Rundkurs mit dem SchUM-Partner Worms verbindet. Tourismusbetriebe in der Domstadt haben diesen Plan geboren, die Stadt prüft seine Umsetzung, und eine hessische Agentur hat schon ziemlich konkrete Vorstellungen.

120 Kilometer könnte der Rundweg umfassen – zuerst von Speyer durch die Vorderpfalz nach Worms, dann rechtsrheinisch zurück, mit Rheinüberquerung zum Beispiel bei der Altriper Fähre. Wolfgang Reibenspiess, Geschäftsführer der Radtourismus-Agentur Wiwago in Biblis, hat dieses Konzept im Speyerer Beirat für Tourismus vorgestellt. Reibenspiess nannte die von Wiwago verantwortete „Familienerlebnisradroute Ried“ in Hessen als mögliches Vorbild. Entscheidend für die „SchUM-Radroute“ wäre, dass sie gezielt zu den jüdischen Kulturstätten in Speyer und Worms führt, für die die beiden Städte zusammen mit Mainz im kommenden Jahr Welterbe-Status erlangen wollen. Auch andere Sehenswürdigkeiten könnten auf Wunsch der Stadt angekoppelt werden. Mainz sei zu weit entfernt für die Anbindung im ersten Schritt, das jüdische Erbe dort auch nicht so gut zu besichtigen wie in Speyer.

Reibenspiess schlägt ein eigenes Logo, eine professionelle Beschilderung und gezieltes Marketing für die Route vor. Auf diese Weise könnte konkreter Mehrwert auch für Hotellerie und Gastronomie in den Städten generiert werden. Die SchUM-Route solle auf bestehenden Radwegen mit hohem Bekanntheitsgrad verlaufen, darunter die Euro-Velo-Route EV 15, ein 1230 Kilometer langer Radfernweg am Rhein entlang.

Geschätzte Kosten: 50.000 Euro

Als Kosten werden für Konzept und Beschilderung 25.000 Euro kalkuliert, für das Marketing unter anderem mit eigener Homepage weitere 25.000 Euro. „Radtourismus hat eine wachsende Bedeutung“, erklärt Florian Ofer, Marketingmitarbeiter der Stadtverwaltung, den Bedarf aus deren Sicht. Eine Verbindung mit SchUM-Welterbestätten wäre dabei ein Alleinstellungsmerkmal. Ein Auftrag ist noch nicht erteilt worden; das wäre Sache des Tourismusausschusses. Im Beirat als Parallelgremium war die Resonanz positiv. Inwieweit die Stadt Worms sich beteiligen würde, könne er aktuell noch nicht sage, so Berater Reibenspiess. Klar sei aber, dass die Initiatoren Chancen auf Landesförderung gerade für die Beschilderung hätten. Es sei ein Programm aufgelegt, das touristische Infrastruktureinrichtungen und Marketingprojekte im barrierefreien Tourismus mit bis zu 85 Prozent bezuschusst.

Zur Sache: So läuft’s im Welterbe-Verfahren

Sehr optimistisch zeigen sich Stadt-Verantwortliche nach einem Meilenstein im Bewerbungsverfahren um den Weltkulturerbe-Status für die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz. Die technische Begutachtung im Auftrag der Unesco sei positiv verlaufen, sagten Matthias Nowack, zuständiger Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, und Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Ein Experte für Steinsanierung sei kürzlich als Gutachter vier Tage lang in den drei Städten unterwegs gewesen, sagten sie. Er habe den Eindruck, dass Speyer „gut abgeschnitten hat“, so Nowack. Seiler hat das Lob vernommen: „Es war perfekt.“

Detaillierte Nachfragen zum Judenhof als zentralem Speyerer Bestandteil der Gemeinschaftsbewerbung habe es dennoch gegeben. Bis Dezember sollen nun noch Informationen ausgetauscht werden, dann werde das Gutachten erstellt. Parallel begutachteten zehn Experten das wissenschaftliche Exposé, das die Städte zu ihrer Bewerbung vorgelegt haben. Im Juni 2021 werde bei einer Mitgliederversammlung der Unesco die Entscheidung erwartet, so Nowack. Der Optimismus, 40 Jahre nach Erhebung des Speyerer Doms zum Weltkulturerbe zum Zug zu kommen, ist ungebrochen. Für diesen Fall wird mit einer Verdopplung der jährlichen Besucherzahlen im Judenhof – heute zwischen 65.000 und 70.000 – gerechnet.

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