Speyer
Schulen: Großer Neustart mit kleinen Problemen
Josepha, vierte Klasse der Zeppelinschule, ist sehr glücklich, wieder in der Grundschule zu sein. Um 7.45 Uhr versammelt sich ihre Klassengruppe mit zehn Kindern vor einem der vier definierten Eingänge der Grundschule. Jede der vier Viertklässler-Gruppen betritt die Schule an einer anderen Stelle. So begegnen sich die rund 80 anwesenden Schüler nicht. „Die Klassenlehrerin hat uns abgeholt und wir sind im Gänsemarsch mit 1,5 Meter abgemessenem Abstand hintereinander in unseren Klassenraum gegangen“, erzählt die Zehnjährige. Markierungen zu Abständen, Laufrichtungen und Plakate zum Infektionsschutz sind vorbereitet. Die Hälfte der Unterrichtszeit bis 12 Uhr bespricht die Klasse die Hygieneregeln und wie es im Unterricht weitergehen soll.
„Danach haben wir Mathe gemacht. Am Mittwoch und Freitag haben wir dann Deutsch, Französisch, Sachkunde, Kunst und Musik“, erzählt Josepha. An den Tagen dazwischen ist die andere Gruppe der Klasse in der Schule und Josepha zuhause. Das System wechselt jede zweite Woche. Sport und Religion wird nicht unterrichtet. „Ich habe meine Freunde sehr vermisst und finde es viel besser, in der Schule in der Kleingruppe zu lernen, als zu Hause am Schreibtisch zu hocken“, sagt das Mädchen. Woran sie sich noch gewöhnen muss: „Dass man mit der Freundin nicht einfach irgendwo auf dem Schulhof tuscheln kann und dass man keinen Stift oder Radiergummi miteinander teilen darf.“ In der Pause müssen alle etwa auf Fangspiele verzichten, stattdessen betreuten am ersten Tag zwei Lehrerinnen einen Kletterparcours.
Ein Drittel der Lehrer fehlt
Die Woogbachschule setzt auf die tägliche Beschulung der Viertklässler. 50 Kinder werden von 8.30 bis 10.30 Uhr unterrichtet, die weiteren 50 Kinder von 11 bis 13 Uhr. Aufgeteilt sind sie in Zwölfer-Gruppen. Zudem besteht die Notgruppe mit am Montag 36 Schülern. Obwohl der erste Tag „relativ unaufgeregt und wie angedacht“ abgelaufen ist, sieht Direktorin Heike Neugebauer bei einigen Schülern und Lehrern, dass die Teilbeschulung unter strengen Abstands- und Hygieneregeln bedrückend sein kann: „Die Schüler haben keine Pause, keinen Sportunterricht und keinen Körperkontakt, den manche aber bräuchten“, so die Direktorin. Wenn noch eine weitere Klassenstufe zurückkäme, würden das sowohl die räumlichen als auch die personellen Möglichkeiten nicht hergeben, sagt sie. Bislang muss sie auf ein Drittel der Lehrer verzichten, die zu Risikogruppen gehörten.
Die Integrierte Gesamtschule (IGS) hat mit den vier Jahrgängen von Klasse 9 bis 12 knapp 400 zurückgekehrte Schüler zu koordinieren. „Ein enorm hoher Aufwand, da geht mein Dank an die, die das vorbereitet haben“, sagt Schulleiter Rüdiger Nauert. Er kann nach den positiven Rückmeldungen erst mal aufatmen: „Wir haben genug Platz und die Jahrgänge in die verschiedenen Gebäudeteile verteilt.“ Auf Lehrer aus der Risikogruppe musste die IGS verzichten. Dadurch entstanden für Oberstufenschüler Ausfallstunden, die sie an Einzeltischen in drei Pausenräumen verbringen konnten. „Überall drinnen und auf dem Hof gab es eine stetige Aufsicht. Alles lief vorbildlich“, lobt der Direktor.
„Komische Situation“
Julie, zwölfte Klasse des Hans-Purrmann-Gymnasiums, erlebte ihren „ersten Schultag“ als „komische Situation, an die man sich gewöhnen muss“. Das sei vor allem beim neuen individuellen Stundenplan der Fall und beim Desinfizieren. „Wir haben alle ein Desinfektionsspray erhalten, das wir fast ständig einsetzen sollen“, sagt sie. Masken von der Landesregierung habe ihr Kurs am Montag nicht erhalten. Dafür konnten die „Purrmänner“ aber schuleigene Masken bestellen. In manchen Fächern sind die 17-Jährige und ihre Mitschüler nach einem alphabetischen System in Kleingruppen aufgeteilt. Dadurch ist der Stundenplan kleinteiliger: „In den nächsten vier Wochen gehe ich bis auf einen Tag täglich in die Schule. Manchmal habe ich nur eine Stunde, an anderen Tagen dafür bis 16 Uhr“, sagt sie.
„Wir haben in einer kleinen Gruppe gemeinsam auf dem Pausenhof gegessen. Ein Lehrer hat uns dabei kurz ermahnt, die Abstände einzuhalten“, berichtet Julie. Sie glaubt: „Das ist zu schaffen. Der Schulrhythmus und die Gemeinschaft sind besser, als zu Hause allein zu lernen.“