Speyer Schuld, Sühne und Geschäft

Zum Thema „Gnade“ hat die Erzdiözese Freiburg einen Künstlerwettbewerb ausgelobt. In den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen ist nun zu besichtigen, was den 17 Finalisten des Wettbewerbs zu diesem Thema in den Sinn gekommen ist.
Wer die drei ersten Preisträger sind, wird die Jury im Sommer entscheiden. Der Begriff Gnade berührt sowohl den religiösen als auch weltlichen Bereich. Das klingt als Thema nicht gerade prickelnd, war aber 748 Kunstschaffenden interessant genug, um mal näher, mal ferner am Thema angesiedelte Arbeiten einzureichen. Eine wie zu erwarten bunte Gesellschaft: Gleich vorne spielt eine von Romana Menze-Kuhn aus Europaletten und Rettungsdecken gebastelte Unterkunft auf die Nöte von Obdachlosen an. Mit der Bedeutung von heraldischem Weiß und Gelb arbeitet Andrea Exners zwischen Bild, Objekt und Readymade schwebender „Gnadenrock“. Mathias Marx protokollierte das Geschäft mit göttlicher Gnade durch Fotos von Marien-Wallfahrtsorten. Der kommentarlos dokumentierte Devotionalienhandel macht deutlich, wie die kommerzielle Vermarktung von Pilgerorten zur „Gnade“ für verarmte Landstriche werden kann. Wunderbar dazu passt Matthias Glässers Installation „Gnadenlos“. Sie besteht aus Hunderten auf dem Fußboden verteilten Losbriefchen, bei denen die Nieten überwiegen. Nikodemus Löffels zwischen Dornenkrone, Rettungsring und Heiligenschein changierendes Stacheldraht-Objekt weist in dieselbe Richtung: „Festung Europa“ trägt als weiteren Titel „Gnadenschein über Lampedusa“.