Speyer
Schlimmste Zeit des Berufsleben durchlitten
Alten- und Pflegeheim St. Martha
Am Montag war erster Impftag im Marthaheim. Nach Angaben von Leiterin Gudrun Wolter haben sich 95 der derzeit 115 Bewohner und rund 80 der 120 Mitarbeiter gegen das Sars-Cov-2-Virus impfen lassen. Am 1. Februar folgt die zweite Impfung. „Glücklicherweise haben wir die Coronazeit bisher infektionsfrei überstanden“, so Wolter. Vorkehrungen, dass es so bleibt, seien personell und zeitlich immens aufwändig, betont sie. Das Personal der Pandemie-bedingt geschlossenen Tagespflege führe die vorgeschriebenen Schnelltests aus. Dankbar ist Wolter für das jetzt von der Stadt in der Jugendförderung zusätzlich eingerichtete Testangebot. „Das entlastet uns.“
Die Stadt unterstütze die Senioreneinrichtungen nach Kräften, lobt Wolter. Vom Land fühlt sie sich allein gelassen. „Statt Hilfe gibt es immer neue Anordnungen, die äußerst kurzfristig von uns umgesetzt werden sollen“, sagt sie. „Die Landesregierung redet die Situation schön“, so Wolters Eindruck. „Der tatsächliche Aufwand wird nicht kommuniziert.“ Allein die Impfvorbereitung habe sich als bürokratischer Kraftakt erwiesen: Wolter erzählt von 1500 Ausdrucken der Bewohnerdaten und Impffakten, von fünf Unterschriften pro Impfling und dem herausfordernden Aufbau der Impfstraße. Am Tag vorher hätten sich alle Impfbereiten einem Schnelltest unterziehen müssen. Wolter hofft auf Aufatmen nach dem zweiten Impftermin. Bis auf die Impftage stehe St. Martha Besuchern offen, die ein maximal 24 Stunden altes negatives Testergebnis vorweisen könnten.
Pflegeheim Salier-Stift
„Die nächsten Wochen werden komplex“, ist Ulrich Heberger, Geschäftsführer der WBG Wohnstift Betriebsgesellschaft mbH, überzeugt. Die Voraussetzungen für Neuaufnahmen seien in deren Einrichtung in der Oberen Langgasse nicht abschließend geklärt. Derzeit sei das Salier-Stift infektionsfrei. Im Dezember hingegen war von 62 Infektionen und zwölf Todesfällen berichtet worden. Trotz perfekter Vorsorge sei man der Infektion chancenlos ausgeliefert gewesen. „Die Menschen sind uns unter den Händen weggestorben“, beschreibt Heberger einige Infektionsverläufe. „Erst war ein Wohnbereich infiziert, dann das ganze Haus.“
Seit knapp zwei Wochen ist das Salier-Stift demnach nach Terminabsprache wieder für Besucher ohne Erkältungssymptome geöffnet. Fast alle Bewohner und 70 Prozent der Mitarbeiter hätten sich impfen lassen. „Ende Januar steht die zweite Impfung der 114 Mitarbeiter – 60 von ihnen in der Pflege – und derzeit rund 100 Bewohner an“, so Heberger, der erst dann durchatmen kann. 140 stationäre Plätze stehen zur Verfügung. „Die Belegung hat deutlich nachgelassen“, so der Geschäftsführer. Schlimmere Monate als die bis zum Jahresende habe er in seinem bisherigen Berufsleben nicht erlebt.
„Angehörige waren immer bei ihnen“, sagt Heberger über die verstorbenen Bewohner. Bilder von Särgen mit großen gelben Corona-Aufklebern hätten sich bei den Mitarbeitern eingebrannt. Für Heberger ist dieser Umgang mit verstorbenen Heimbewohnern pietätlos. Zudem habe es personelle Engpässe gegeben: „Test positiv, 14 Tage Quarantäne“ – diese Regel habe das Pflegepersonal in einer Woche halbiert.
Awo-Seniorenhaus Burgfeld
„Die Quarantäne soll am Mittwoch auslaufen“, berichtet Pflegedienstleiterin (PDL) Janine Sitzenstuhl vom aktuellen Stand. Derzeit sind demnach noch zwei der 84 Bewohner positiv getestet. Von ihrem Ergebnis hänge ab, ob das Seniorenhaus wieder für Besucher geöffnet werden könne und Neuaufnahmen in den infektionsfreien Wohnbereichen möglich würden. Die Mitarbeiter nach dem Tod von 19 Bewohnern aus dem Kreis der mehr als 60 Corona-Infizierten wieder aufzubauen, ist für die PDL eine herausfordernde Aufgabe in den kommenden Monaten. „Auch ich habe die verheerenden Ausmaße der Pandemie anfangs unterschätzt“, räumt Sitzenstuhl ein. Sie glaubt, dass die Kolleginnen und Kollegen „noch so einen Albtraum psychisch nicht verkraften“. Sie will die verbesserte Stimmung aufrecht erhalten, die mit der Impfmöglichkeit ins Haus eingezogen ist. Am 25. Januar erhalten Bewohner und Mitarbeiter ihre zweite Impfung: „Danach kann es nur aufwärts gehen.“
Seniorenzentrum Storchenpark
Seit Ende November wurden 27 der 127 Bewohner positiv getestet, davon sind acht verstorben, erklärt eine Sprecherin von Träger Alloheim Senioren Residenzen. Andere Bewohner hätten dagegen keine oder kaum Symptome gespürt. Von den 130 Mitarbeitern hatten elf einen positiven Test. „Wie die Infektion in die Einrichtung gekommen ist, kann nicht nachvollzogen werden. Es ist im Kontext einer weltweit grassierenden Pandemie, durch die ein Virus in der Bevölkerung weit verbreitet ist, grundsätzlich nicht möglich, den Beginn einer Infektionskette in stark belegten Einrichtungen mit Bestimmtheit zu identifizieren oder den weiteren Verlauf von Infektionswegen ursächlich nachzuvollziehen“, so die Sprecherin. Sie betont, dass der Storchenpark auf diesen Fall vorbereitet gewesen sei und nach dem ersten Positivtest ein umfangreiches Isolations- und Quarantänekonzept umgesetzt worden sei. Geimpft werden soll im Laufe dieser Woche. Die Impfbereitschaft der Bewohner und Mitarbeiter sei gut.
Alten- und Pflegeheim Am Adenauerpark
„Das Wichtigste zuerst“, so Leiterin Franziska Heidweiler. „Unser privat geführtes Haus ist nach wie vor frei von Covid-19.“ 30 der 53 Bewohner und 15 Mitarbeiter hätten ihre erste Impfung erhalten, der zweite Termin stehe am 18. Januar an. Besucher mit negativem Abstrichergebnis dürften hinein. Haus am Germansberg: In der Einrichtung der Diakonissen mit 82 Bewohnern und 116 Mitarbeitern wurden zwei Bewohner nach einem Krankenhausaufenthalt positiv getestet. Der eine Fall trat Anfang Dezember, der zweite Mitte Dezember auf. Laut Pressesprecherin Barbara Fresenius hatten sie in der Klinik im Zimmer Kontakt zu einer positiv getesteten Person. Beide Bewohner hatten keine Corona-spezifischen Symptome. „Da Krankenhausrückkehrer sieben Tage in Zimmerquarantäne betreut werden und das Haus am Germansberg über acht Doppelzimmer verfügt, stellt dies zum einen für die Einrichtungsleitung eine logistische Herausforderung dar“, erklärt Fresenius. Zum anderen hätten sich die betroffenen Bewohner auf die veränderte räumliche Situation mental einstellen müssen. Erstmals geimpft wurde in der Einrichtung am 30. Dezember. 65 Bewohner und 59 Mitarbeiter ließen sich die Spritze setzen.
Seniorenstift Bürgerhospital
In der Einrichtung der Diakonissen hat sich keiner der 106 Bewohner bisher mit dem Coronavirus infiziert, jedoch sechs der 135 Mitarbeiter – zumeist im privaten Umfeld. Diese Personen hätten durchweg nur leichte Symptome gezeigt, so Sprecherin Barbara Fresenius. Beim Termin am 30. Dezember wurden 88 Bewohner und 41 Mitarbeiter geimpft.
Haus Edelberg
Der Träger der Einrichtung in der Landauer Straße hat auf die RHEINPFALZ-Anfrage nicht reagiert. Im Dezember waren Infektionen von acht Bewohnern und einem Mitarbeiter bekannt geworden.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Vielfache Belastung
Corona sorgt in weiten Bevölkerungskreisen für psychische Belastungen – die Angst vor Ansteckung, die Leere im Lockdown ... In den Seniorenheimen vervielfacht sich das alles noch: Die Bewohner können sich meist nicht mehr selbst schützen. Die Mitarbeiter rackern unter angespannten Arbeitsbedingungen, oft ohne Abstandsmöglichkeit. Wenn dann trotz größten persönlichen Einsatzes Schutzbefohlene sterben, ist die Belastung für Außenstehende kaum nachvollziehbar.