Speyer Schilfrock gegen Sonnenbrand

Auch Bäume können Sonnenbrand bekommen. Besonders solche mit dünner Rinde wie Linden, Ahorne und Buchen sind davon immer stärker betroffen. Bürger sorgen sich um die Gesundheit der Bäume und verlangen Schutzvorkehrungen.
Bei verschiedenen Messungen hat RHEINPFALZ-Leser Siegfried Gerber bis zu 80 Grad Celsius von seinem Thermometer abgelesen. Die Sonneneinstrahlung hat den kahlen Lindenstämmen im Kreuzungsbereich von Theodor-Heuss- und Dudenhofer Straße zugesetzt. „Das hält doch keine Rinde von Linde, Ahorn oder Buche aus“, erklärt der Gärtnermeister. Er bemängelt, dass an den Linden an der Theodor-Heuss-Straße von den Stadtgärtnern dem Sonnenschutz dienende Austriebe an Stämmen entfernt worden seien. Stadt-Sprecherin Barbara Fresenius teilt auf Anfrage der RHEINPFALZ mit, dass die Rückschnitte der Stammaustriebe zur Verkehrssicherung notwendig seien: „Um das für Straßenbäume erforderliche Lichtraumprofil von 4,5 Meter Höhe zu erhalten, ist es erforderlich, die Triebe rechtzeitig zu schneiden. Würde der Rückschnitt erst im Alter eines Baumes hergestellt, wären die Schnittstellen wesentlich größer und somit auch die Eintrittspforten für Schädlinge“, informiert sie. „Lichtraumprofil“ meint die Räume, die rings um Verkehrswege wie Straßen, Fußgänger- und Radwege frei von Hindernissen sein „müssen“. Wobei es für die Größe dieser Räume keine verbindlichen gesetzlichen Vorgaben gibt. Im Schadensfall jedoch, also wenn bei einem Unfall jemand durch einen Aufprall auf ein Hindernis wie Baum oder Strauch in Mitleidenschaft gezogen wird, entscheiden im Zweifel Gerichte darüber, ob die Stadt ihrer Pflicht zur Verkehrssicherung nachgekommen ist. Um auf Nummer sicher zu gehen, setzt die Stadt nach Auskunft von Sprecherin Fresenius auf eine Hindernisfreiheit über Straßen bis zu einer Höhe von 4,50 Meter, über Geh- und Radwegen bis zu einer Höhe von 2,50 Meter. Wobei diese Werte auch für die Bereiche bis 50 Zentimeter neben Straßen sowie Fußgänger- und Radwegen gelten. Außerdem müssten im Bereich der Straßenbeleuchtung Äste entfernt werden, falls diese die Helligkeit auf den Verkehrswegen verringern. Dafür gebe es keine Höhenvorgabe. Gärtnermeister Gerber befürchtet Schäden an der Baumgesundheit durch Sonnenbrand insbesondere bei besagten Linden, aber auch an Ahornen sowie Rosskastanien im Stadtgebiet. Laut Fresenius besteht durch den Aufriss der Rinde (sogenannter Rindenbrand) als Folge eines starken Sonnenbrands die Gefahr eines Befalls mit Pilzen oder tierischen Schädlingen: „Die heißeren und trockenen Sommerperioden der letzten Jahre begünstigen den Rindenbrand und stellen im Kontext des Klimawandels einen erhöhten Stressfaktor für unsere Stadtbäume dar“, erklärt die Stadt-Vertreterin. Aufgeplatzte Rinde, die den Blick auf die hellbraunen Versorgungs- und Wachstumszonen des Baumes freigibt, ist besonders deutlich an mehreren Linden entlang der Kurt-Schumacher-Straße zu sehen. An einigen Stellen ist die Borke sogar weggebrochen und die verbliebene Rinde von Flechten überzogen. Eine junge Linde dort und mehrere weitere in der Dudenhofer Straße sind dagegen durch Rohrmatten geschützt. Gerber fordert diese „Schilfröcke“ auch für ältere Bäume. Nach Auskunft von Fresenius hat die Stadtverwaltung auf die erhöhte Sonnenbrandgefahr für Bäume bereits vor geraumer Zeit reagiert: „In Speyer werden seit zirka fünf Jahren Neupflanzungen durch die Abteilung Stadtgrün mit Schilfrohrmatten geschützt“, teilt sie mit. Dieser besondere Stammschutz verbleibe an den Jungbäumen zirka drei Jahre, danach werde er entfernt, damit sich keine parasitären Schädlinge dahinter ansammeln könnten und eine Rindenbeschau im Rahmen der Baumkontrolle möglich sei. Einen bei Obstbäumen üblichen Anstrich der Stämme mit einer weißen Masse jeweils an die Situation angepasster Zusammensetzung als Schutz vor Sonnen- und Rindenbrand halten die Stadtgärtner laut Fresenius für nicht so effektiv wie den Einsatz von Rohrmatten. Die verstärkte Wahl von Bäumen mit dickerer Rinde, etwa Eichen, gehöre ferner noch nicht zur Strategie der Stadtverwaltung zum Umgang mit vermehrt auftretenden Sonnenbrandschäden, so Fresenius.