Speyer Schaurig und süß

Beim „1. Schwegenheimer Kultursommer“ haben die „Rheintöchter“ am Samstag in der gut besuchten protestantischen Kirche nicht wagnerianisches „Wagalaweia“ gesungen, sondern Lieder von Johannes Brahms, Robert Schumann und weiteren Romantikern.
Das Frauenquartett – zwei Sopranistinnen, zwei Altistinnen – wohnt, deshalb der Name, am Rhein, und ihr „Rheingold“ haben sie allein in der Kehle. „Farben der Romantik – schaurig-süßes Gefühl“ nannten sie ihr Programm, und es war eher die düstere, schwarze Seite der Romantik, die hier besungen wurde, Liebesgeschichten, die übel enden. Diese liefern meist die besseren Lieder. Da war etwa das Liedchen von Brahms „Und gehst du über den Friedhof“, wo in einem frischen Grab ein schönes Mädchen ruht, das, wie leise Lüftchen verraten, „zu heiß geliebt“ hatte. Meistens stirbt wer. Bei der „Braut“ von Brahms liegt der Bräutigam auf dem Meeresgrund, bei Schumanns „Wassermann“ kommt dieser zu den Mädchen am Ufer des Neckars und tanzt mit der schönsten hinab zum Flussgrund. In der „Nonne“ von Brahms ist der Tod des Geliebten eher ein Glück; zwar fließen auch hier die Tränen, aber den Toten darf sie nun ohne Sünde lieben. Manchmal ist die Untreue des Geliebten – stets des Mannes, die Romantiker glaubten an das Gute im Mädchen – das besungene Unglück, etwa beim „Verlassenen Mägdlein“ von Schumann. Bei den „Schwestern“ des Heinrich von Herzogenberg ist es die Tragik, wegen der Pflege des Vaters keinen Mann abbekommen zu haben. So viel weibliches Unglück braucht ein Gegengewicht. Da waren etwa das glückliche „Minnelied“ von Brahms, ein festliches Geläut weiblicher Stimmen und die drei lateinischen Motetten op. 39 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die er eigens für die Singstimmen eines Frauenklosters schrieb und den Nonnen schenkte. Oder das „Ständchen“ von Franz Schubert – mit einer fünften „Rheintochter“ als Solistin: Eliana Schmidt, 17-jährige Tochter und Schülerin von Sopranistin Christiane Schmidt, die im vergangenen Jahr einen zweiten Platz beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ belegt hatte. Alle vier „Rheintöchter“ sind regional bekannte Gesangssolistinnen, die ihre Stimmen wunderbar harmonisch zum Ensemble vereinigten. Neben Christiane Schmidt waren dies Almut-Maie Fingerle, Sopran, sowie Nikola Rümenapf und Simone Pepping, Alt. Begleitet wurden sie von Robert Sattelberger am Klavier. Es war rundum ein Vergnügen, ihnen zuzuhören.