Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Schöne Bescherung: Im einzigen Paketzentrum der Pfalz brummt das Weihnachtsgeschäft

Stau im Paketzentrum Speyer: Wenn der Scanner eine Sendung nicht zuordnen kann, muss per Hand nachgearbeitet werden. Die meisten
Stau im Paketzentrum Speyer: Wenn der Scanner eine Sendung nicht zuordnen kann, muss per Hand nachgearbeitet werden. Die meisten der täglich bis zu 600.000 Pakete gelangen jedoch ohne Beanstandung in den Sortierprozess.

Vor den Weihnachtstagen herrscht im Paketzentrum Speyer Hochbetrieb. Täglich laufen bis zu 600.000 Sendungen über die Bänder. Liegen alle rechtzeitig zum Fest unter dem Baum?

Keine zwei Wochen, dann ist Weihnachten. Nur noch wenige Tage, bis sich die Geschenke in den guten Stuben der Republik türmen. Doch Rudi Herz ist die Ruhe selbst. „Der erste Ansturm ist durch“, berichtet der Leiter des DHL-Paketzentrums, während er durch die Hallen in der Göteborger Straße marschiert. „Meine Mitarbeiter leisten sehr viel. Wir sorgen dafür, dass rechtzeitig alles unterm Weihnachtsbaum liegt“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Und zwischen all den Paketen, die um ihn herum über die insgesamt 9,3 Kilometer langen Bänder transportiert werden, erinnert der 59-Jährige – kräftige Statur, grauer Bart, sonore Stimme – tatsächlich ein wenig an einen bekannten weihnachtlichen Geschenkebringer.

Vieles ist Handarbeit: Rudi Herz, Leiter des Paketzentrums Speyer, zeigt Sperrgut, das auf die Abfertigung wartet.
Vieles ist Handarbeit: Rudi Herz, Leiter des Paketzentrums Speyer, zeigt Sperrgut, das auf die Abfertigung wartet.

Der erste Ansturm, das sind die Rabattaktionen Anfang Advent, mit denen die Einzelhändler das Weihnachtsgeschäft einläuten. Dann brennt – bildlich gesprochen – im Industriegebiet Süd der Baum, wenn bis zu 600.000 Pakete täglich den Umschlagplatz der Deutsche-Post-Tochter passieren. Im „Normalbetrieb“ unterm Jahr sind es deutlich weniger, zwischen 300.000 und 400.000 Sendungen. Rund 600 Lastwagen fahren dann pro Tag aufs und vom Werksgelände. Man könnte sagen: Das Geschäft brummt.

So nicht: Liederlich verpackte Pakete halten den Warenfluss auf.
So nicht: Liederlich verpackte Pakete halten den Warenfluss auf.

Bundesweit 38 Paketzentren unterhält DHL. Mit einer rechnerischen Kapazität von 45.000 Sendungen in der Stunde gehört Speyer nicht zu den größten, aber doch zu den größeren. Herz leitet es seit 13 Jahren und hat eine Menge Zahlen im Kopf. Beispielsweise die, dass mehr als 500 Stammkräfte im Paketzentrum beschäftigt sind. Um die 50 Nationalitäten hat der gebürtige Westpfälzer gezählt. Darunter sind rund 80 Geflüchtete, von denen sich einige bis zur Teamleitung hochgearbeitet haben. Um den erwarteten Ansturm zum Fest zu bewältigen, werden ab Ende Oktober auf die Belegschaft noch mal 120 Abrufkräfte draufgepackt. Sie bleiben bis Mitte Februar, um die Bestellungen und Retouren abzuwickeln, die auf den Weihnachtskaufrausch folgen. In dieser Zeit wird auf einen Drei-Schicht-Betrieb umgestellt, an sieben Tagen in der Woche.

Alles im Blick: In der Überwachungszentrale sorgen Mitarbeiter für einen reibungslosen Ablauf.
Alles im Blick: In der Überwachungszentrale sorgen Mitarbeiter für einen reibungslosen Ablauf.

Vieles ist noch Handarbeit

Heute bestellt und morgen geliefert, sei ein hoher Anspruch, sagt Herz. In mehr als 90 Prozent der Fälle werde man diesem auch gerecht. Läuft alles ideal, passieren die ankommenden Sendungen den Sortiervorgang in 15 bis 20 Minuten. Trotz aller Automatisierung ist vieles noch körperlich fordernde Handarbeit. 30 Linien gibt es, die aufnehmen, was einzeln aus den Containern geholt und aufs Förderband gelegt wird. Zuerst geht die Fracht zum Scanner, der den Bestimmungsort abliest und ein Foto macht. Die Sendung erhält eine Identifikationsnummer und ist somit drin im Verteilsystem. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 1,90 Meter in der Sekunde wird sie weitergeschickt.

Da geht’s hin: Pakete rutschen über Rampen an die Stelle, an der sie für die Weiterreise gestapelt werden.
Da geht’s hin: Pakete rutschen über Rampen an die Stelle, an der sie für die Weiterreise gestapelt werden.

„Die Anlage sortiert nichts falsch“, betont Herz. Ist die Adresse leserlich und das Paket gut gepackt, werde es exakt dort vom Transportband abgekippt, von wo aus es das Paketzentrum wieder verlassen soll. Über eine Rampe rutscht es zur Verladestation, an der Mitarbeiter die Container bestücken, sozusagen Tetris im dreidimensionalen Raum spielen. Doch Transportvolumen ist teuer, daher muss man es so gut wie möglich ausnutzen.

Her mit dir: Auch wenn schon viele Schritte automatisiert sind, muss doch immer wieder der Mensch ran.
Her mit dir: Auch wenn schon viele Schritte automatisiert sind, muss doch immer wieder der Mensch ran.

Kommt es zu Fehlwürfen, dreht die betroffene Sendung eine Ehrenrunde, bevor sie wieder in den Kreislauf eingespeist wird. Komplizierter wird es, wenn die Adresse auf dem Paket für den Scanner nicht lesbar ist. Mitunter müssen Mitarbeiter mit prüfendem Blick herausfinden, für wen die Sendung bestimmt ist. Das kostet Zeit, so dass das Paket eventuell erst eine Fuhre später rausgeht, bittet Herz um Verständnis, „aber wenn der Lkw planmäßig um 16.30 Uhr abfährt, fährt er“.

Ein Paketzentrum im Paketzentrum: Der Mittelformatsortierer ordnet Sendungen bis zur Größe eines Schuhkartons und vier Kilo Gewi
Ein Paketzentrum im Paketzentrum: Der Mittelformatsortierer ordnet Sendungen bis zur Größe eines Schuhkartons und vier Kilo Gewicht nahezu vollautomatisch und bestückt auch die Rollcontainer. Ein Mitarbeiter muss ihn nur noch abholen.

Morgens raus, abends rein

Den Paketfluss hemmen zudem immer wieder schlecht verpackte oder gar beschädigte Sendungen. Herz erinnert sich an einen Einsatz des Gefahrstoffzugs der Feuerwehr, weil ein unbekanntes Pulver aus einem Paket rieselte. So etwas bleibe nicht aus: „Aber wir wissen jederzeit, wo sich ein bestimmtes Paket befindet und können es notfalls isolieren.“ Der 59-Jährige muss etwas lauter sprechen, um sich Gehör zu verschaffen, denn leise geht es nicht zu in den Hallen. Es rattert, rumpelt und scheppert. Das Grundrauschen liegt nach seinen Worten bei 69 Dezibel, ein Geräuschpegel wie in einem gut gefüllten Restaurant.

Hochbetrieb: Gegen Abend kommen die meisten Sendungen in Speyer an.
Hochbetrieb: Gegen Abend kommen die meisten Sendungen in Speyer an.

Dabei ist es an diesem Vormittag vergleichsweise ruhig. Erst Stunden später, wenn die Aufträge der Versandhändler anrollen, rappelt es wieder im Karton. „Unsere Hauptzeit ist von 16 bis 21 Uhr“, erläutert Herz. Ist der Abend die Zeit des Wareneingangs, geht es morgens in die andere Richtung: Pakete werden von Speyer aus auf die Reise geschickt in die ganze Republik, aber auch ins Ausland, vorwiegend in die Schweiz. Umgekehrt ist Speyer die Einfallspforte für Schweizer Pakete nach Deutschland. Und auch alle Pakete, die Soldaten der Bundeswehr in die Heimat schicken, gleiten zuerst in der Domstadt aufs Band, bevor sie an andere Paketzentren oder an die regionalen Zustellbasen weiterverteilt werden. „Wir selbst stellen nichts zu“, betont Herz, der sich über Behauptungen ärgert, in seinem Paketzentrum würden Sendungen bis zum Sankt Nimmerleinstag verweilen und Staub ansetzen.

Apropos Staub. Jedes Paket verliert beim Durchlauf etwa ein Gramm davon, erläutert Herz. Macht bei 600.000 Sendungen täglich 600 Kilo Staub, die sich in den weitläufigen Hallen verteilen. Mit Fegen komme man da nicht weit, meint der 59-Jährige schmunzelnd: „Da hilft nur nass aufwischen.“

Zur Sache

Damit das Paket kein Irrläufer wird, empfiehlt Rudi Herz: Bei der Verpackung kein Gewebeband zu benutzen. Die Adresse gut sichtbar und lesbar platzieren. Bei gebrauchten Verpackungen ältere Strichcodes entfernen. Im Pakt keine Unwucht entstehen lassen und eventuellen Freiraum ausstopfen.

Rein ins System: Pakete werden gescannt, fotografiert und bekommen eine Identifikationsnummer. Dann geht es in den Sortierer.
Rein ins System: Pakete werden gescannt, fotografiert und bekommen eine Identifikationsnummer. Dann geht es in den Sortierer.
Eine Kiste voller Kisten: In Containern sind die Pakete unterwegs von A nach B.
Eine Kiste voller Kisten: In Containern sind die Pakete unterwegs von A nach B.
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