Speyer
Schöne Bescherung: Im einzigen Paketzentrum der Pfalz brummt das Weihnachtsgeschäft
Keine zwei Wochen, dann ist Weihnachten. Nur noch wenige Tage, bis sich die Geschenke in den guten Stuben der Republik türmen. Doch Rudi Herz ist die Ruhe selbst. „Der erste Ansturm ist durch“, berichtet der Leiter des DHL-Paketzentrums, während er durch die Hallen in der Göteborger Straße marschiert. „Meine Mitarbeiter leisten sehr viel. Wir sorgen dafür, dass rechtzeitig alles unterm Weihnachtsbaum liegt“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Und zwischen all den Paketen, die um ihn herum über die insgesamt 9,3 Kilometer langen Bänder transportiert werden, erinnert der 59-Jährige – kräftige Statur, grauer Bart, sonore Stimme – tatsächlich ein wenig an einen bekannten weihnachtlichen Geschenkebringer.
Der erste Ansturm, das sind die Rabattaktionen Anfang Advent, mit denen die Einzelhändler das Weihnachtsgeschäft einläuten. Dann brennt – bildlich gesprochen – im Industriegebiet Süd der Baum, wenn bis zu 600.000 Pakete täglich den Umschlagplatz der Deutsche-Post-Tochter passieren. Im „Normalbetrieb“ unterm Jahr sind es deutlich weniger, zwischen 300.000 und 400.000 Sendungen. Rund 600 Lastwagen fahren dann pro Tag aufs und vom Werksgelände. Man könnte sagen: Das Geschäft brummt.
Bundesweit 38 Paketzentren unterhält DHL. Mit einer rechnerischen Kapazität von 45.000 Sendungen in der Stunde gehört Speyer nicht zu den größten, aber doch zu den größeren. Herz leitet es seit 13 Jahren und hat eine Menge Zahlen im Kopf. Beispielsweise die, dass mehr als 500 Stammkräfte im Paketzentrum beschäftigt sind. Um die 50 Nationalitäten hat der gebürtige Westpfälzer gezählt. Darunter sind rund 80 Geflüchtete, von denen sich einige bis zur Teamleitung hochgearbeitet haben. Um den erwarteten Ansturm zum Fest zu bewältigen, werden ab Ende Oktober auf die Belegschaft noch mal 120 Abrufkräfte draufgepackt. Sie bleiben bis Mitte Februar, um die Bestellungen und Retouren abzuwickeln, die auf den Weihnachtskaufrausch folgen. In dieser Zeit wird auf einen Drei-Schicht-Betrieb umgestellt, an sieben Tagen in der Woche.
Vieles ist noch Handarbeit
Heute bestellt und morgen geliefert, sei ein hoher Anspruch, sagt Herz. In mehr als 90 Prozent der Fälle werde man diesem auch gerecht. Läuft alles ideal, passieren die ankommenden Sendungen den Sortiervorgang in 15 bis 20 Minuten. Trotz aller Automatisierung ist vieles noch körperlich fordernde Handarbeit. 30 Linien gibt es, die aufnehmen, was einzeln aus den Containern geholt und aufs Förderband gelegt wird. Zuerst geht die Fracht zum Scanner, der den Bestimmungsort abliest und ein Foto macht. Die Sendung erhält eine Identifikationsnummer und ist somit drin im Verteilsystem. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 1,90 Meter in der Sekunde wird sie weitergeschickt.
„Die Anlage sortiert nichts falsch“, betont Herz. Ist die Adresse leserlich und das Paket gut gepackt, werde es exakt dort vom Transportband abgekippt, von wo aus es das Paketzentrum wieder verlassen soll. Über eine Rampe rutscht es zur Verladestation, an der Mitarbeiter die Container bestücken, sozusagen Tetris im dreidimensionalen Raum spielen. Doch Transportvolumen ist teuer, daher muss man es so gut wie möglich ausnutzen.
Kommt es zu Fehlwürfen, dreht die betroffene Sendung eine Ehrenrunde, bevor sie wieder in den Kreislauf eingespeist wird. Komplizierter wird es, wenn die Adresse auf dem Paket für den Scanner nicht lesbar ist. Mitunter müssen Mitarbeiter mit prüfendem Blick herausfinden, für wen die Sendung bestimmt ist. Das kostet Zeit, so dass das Paket eventuell erst eine Fuhre später rausgeht, bittet Herz um Verständnis, „aber wenn der Lkw planmäßig um 16.30 Uhr abfährt, fährt er“.
Morgens raus, abends rein
Den Paketfluss hemmen zudem immer wieder schlecht verpackte oder gar beschädigte Sendungen. Herz erinnert sich an einen Einsatz des Gefahrstoffzugs der Feuerwehr, weil ein unbekanntes Pulver aus einem Paket rieselte. So etwas bleibe nicht aus: „Aber wir wissen jederzeit, wo sich ein bestimmtes Paket befindet und können es notfalls isolieren.“ Der 59-Jährige muss etwas lauter sprechen, um sich Gehör zu verschaffen, denn leise geht es nicht zu in den Hallen. Es rattert, rumpelt und scheppert. Das Grundrauschen liegt nach seinen Worten bei 69 Dezibel, ein Geräuschpegel wie in einem gut gefüllten Restaurant.
Dabei ist es an diesem Vormittag vergleichsweise ruhig. Erst Stunden später, wenn die Aufträge der Versandhändler anrollen, rappelt es wieder im Karton. „Unsere Hauptzeit ist von 16 bis 21 Uhr“, erläutert Herz. Ist der Abend die Zeit des Wareneingangs, geht es morgens in die andere Richtung: Pakete werden von Speyer aus auf die Reise geschickt in die ganze Republik, aber auch ins Ausland, vorwiegend in die Schweiz. Umgekehrt ist Speyer die Einfallspforte für Schweizer Pakete nach Deutschland. Und auch alle Pakete, die Soldaten der Bundeswehr in die Heimat schicken, gleiten zuerst in der Domstadt aufs Band, bevor sie an andere Paketzentren oder an die regionalen Zustellbasen weiterverteilt werden. „Wir selbst stellen nichts zu“, betont Herz, der sich über Behauptungen ärgert, in seinem Paketzentrum würden Sendungen bis zum Sankt Nimmerleinstag verweilen und Staub ansetzen.
Apropos Staub. Jedes Paket verliert beim Durchlauf etwa ein Gramm davon, erläutert Herz. Macht bei 600.000 Sendungen täglich 600 Kilo Staub, die sich in den weitläufigen Hallen verteilen. Mit Fegen komme man da nicht weit, meint der 59-Jährige schmunzelnd: „Da hilft nur nass aufwischen.“
Zur Sache
Damit das Paket kein Irrläufer wird, empfiehlt Rudi Herz: Bei der Verpackung kein Gewebeband zu benutzen. Die Adresse gut sichtbar und lesbar platzieren. Bei gebrauchten Verpackungen ältere Strichcodes entfernen. Im Pakt keine Unwucht entstehen lassen und eventuellen Freiraum ausstopfen.