Speyer Rund um den Ort soll’s blühen
Die Erkenntnis, dass es wichtig ist, Lebensräume auch für kleine Lebewesen wie Insekten zu schaffen und zu erhalten, setzt sich mehr und mehr durch. Ein vergleichsweise günstiges Instrument, das zu erreichen, sind die sogenannten Eh-da-Flächen. Auch Otterstadt will das Konzept umsetzen. Im Ortsgemeinderat sind am Mittwochabend erste Vorschläge vorgestellt worden.
Für Otterstadt haben Professor Christoph Künast – einer der Väter des Konzepts und im Ort wohnend – sowie Klaus Ullrich vom Institut für Agrarökologie Vorschläge erarbeitet, wo es geeignete Flächen für das Eh-da-Projekt gibt und was mit diesen passieren könnte. Was davon tatsächlich umgesetzt wird, muss erst noch diskutiert werden. Entlang der Straße nach Waldsee, hinter dem Ortsausgang könnte beispielsweise ein 1,5 Meter breiter Saumstreifen entstehen, auf dem eine „Bienenmischung“ eingesät wird. Gemäht werden soll hier und auf anderen Eh-da-Flächen zeitlich und räumlich versetzt. Auch Totholzlagerstätten aus Restholz und Steinhaufen sind angedacht, um Lebensraum für Tiere zu schaffen. Im Norden Otterstadts könnten außerdem Obstbäume gepflanzt werden. Weitere Flächen haben die Wissenschaftler zum Beispiel entlang des Altrheins identifiziert. Dort sollen unter anderem in Zusammenarbeit mit der Deichmeisterei magere Flachland-Mähwiesen erhalten werden. Dort wie anderswo wird das Aufstellen von Infotafeln vorgeschlagen. Im Süden des Orts könnten der Glockengarten, die Fahrlacher Wiese und das Hochzeitswäldchen mit Blühsaatmischungen aufgewertet werden, ebenso eine Fläche neben dem Friedhof. In der Summe kämen die Eh-da-Flächen auf rund zehn Hektar. Zustimmung zum Konzept wurde quer durch die Fraktionen signalisiert. Birgid Daum (BIO) sah im Projekt Eh-da-Flächen „die Chance für eine breite Bürgerbeteiligung“. Werner Böhm (CDU) wies darauf hin, dass er und andere Landwirte bereits freiwillig Blühsaatmischungen auf Teilen ihres Geländes einsäen. Das Lebensraum für Insekten schwinde, hänge außerdem auch mit dem Trend zu Steingärten zusammen. Auch in Privatgärten werde oft zu häufig gemäht. Künast betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit den Landwirten: „Sie sind von den Eh-da-Flächen betroffen, profitieren aber auch davon.“ Zum weiteren Vorgehen, riet er dazu, einen Drei-Jahres-Plan zu erstellen, in dem unter anderem festgehalten sei, wo etwas passieren soll, was konkret und wann, was es kostet und wer sich darum kümmert. Bei einer Enthaltung nahm der Ortsgemeinderat den Beschlussvorschlag an, nach dem die Ortsgemeinde den „Eh-da-Gedanken unterstützt“ und sich „für die Umsetzung entsprechender Maßnahmen“ einsetzt.