Speyer Ruanderin setzt sich bei Schüleraustausch ab

Schock in der Reisegruppe und bei den Gastgebern: Eine Teilnehmerin des jüngsten Schüleraustausches zwischen dem Collège de Nkanka in Ruanda und dem Gymnasium am Kaiserdom (GaK) im September hat sich kurz vor der Heimreise nach Afrika von der Gruppe abgesetzt und ist in Europa geblieben. Sie wird in Belgien vermutet.
So sollte der Besuch der Gruppe aus Ruanda in Speyer nicht enden, räumt Peter Sauter ein. Er ist der Lehrer, der am ältesten Gymnasium der Stadt das Austauschprogramm mit dem Partnerschule im afrikanischen Partnerland von Rheinland-Pfalz verantwortet. Er hat das Verschwinden der 17-Jährigen auf Anfrage der RHEINPFALZ bestätigt. „Ja, es ist so, Patience hat drei Tage vor dem Rückflug unangekündigt die Gruppe und die Gastfamilie verlassen“, sagte Sauter. Sie habe sich vermutlich nach Belgien abgesetzt. Die Polizei sei informiert worden. Es gebe bei den Behörden noch keine neuen Erkenntnisse in dem Fall. Ob das Absetzen Konsequenzen für Gasteltern, Schule oder das seit 2002 laufende Austauschprogramm hat, könne er noch nicht beantworten, teilte Sauter mit. „Ich gehe davon aus, dass der Gegenbesuch im nächsten Sommer in jedem Fall stattfindet. Die Schüler, die in diesem Jahr Gastgeber waren, werden dann nach Ruanda fahren. Es gibt großes Interesse der Schüler.“ Im Falle der 17-Jährigen könne zunächst nur abgewartet werden, ob sie tatsächlich in Belgien einen Asylantrag gestellt habe. Das werde zumindest vermutet. Es gebe bisher zu ihr weder von der ruandischen Botschaft in Berlin noch aus Ruanda weitere Informationen. Nach Informationen der RHEINPFALZ soll das Mädchen sein Untertauchen schon in seinem Heimatland vorbereitet haben. In Belgien soll ein Cousin von ihr wohnen. Dass sie sich in dem Land befinde und es ihr dort gut gehe, habe sie ihrer Partnerschülerin geschrieben. Jüngsten Meldungen zufolge könnte sie inzwischen allerdings auch nach Norwegen gereist sein. Der Leiter der Speyerer Partnerschule in Ruanda, Abbé Joseph, soll dem Mädchen nachgereist sein, um es zu suchen. Nach Angaben von Sauter ist ein Fall wie dieser bisher im GaK-Austauschprogramm noch nie vorgekommen. Es gibt dennoch einen zweiten Fall in Speyer. Ein Lehrer aus Ruanda, der hier an der Siedlungsschule im Programm „Radiobrücke“ aktiv und aus diesem Anlass in der Pfalz war, ist ebenfalls eines Tages ohne Ankündigung verschwunden. Bis heute gibt es keinen Kontakt mehr zu ihm. Der Leiter der Geschäftsstelle des Vereins Partnerschaft Rheinland-Pfalz/Ruanda, Michael Nieden, hält sich zurzeit und bis Anfang November in Ruanda auf. Grundsätzlich sei es so, dass der Speyerer Fall natürlich die Zusammenarbeit mit der Visaabteilung der belgischen Botschaft, die in Ruanda im Moment zuständig ist für die Visaerteilung für den Schengener Raum, erschwere, räumte er auf Anfrage der RHEINPFALZ ein. „Auf der anderen Seite muss man diesen Fall aber auch in Relation setzen zu der großen Anzahl von ruandischen Besuchern in Rheinland-Pfalz, die eben zurückkehren. Hier darf man nun nicht übertreiben oder zu schnell verallgemeinern“, appellierte er. Der Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz wolle auf alle Fälle an dem gegenseitigen Austausch festhalten, gerade weil es für die heutige Jugend wichtig und ein Bedürfnis sei, sich kennenzulernen, auszutauschen und andere Lebenswelten zu erfahren. „Dass im Austausch der Region Speyer mit Ruanda sich nun zwei Fälle ereigneten, ist reiner Zufall und hat so keine signifikante Bedeutung. Es ist eben so, dass Vereine, Schulen sich in Speyer seit Jahren sehr aktiv in Schulpartnerschaften und dem kulturellen Austausch engagieren“, sagte Nieden. Hanne Hall, Leiterin des Ruanda-Referats im Mainzer Innenministerium, bestätigte Niedens Position. Sie freue sich, dass Peter Sauter bereits wieder einen Förderantrag für eine Reise im kommenden Jahr gestellt habe und dass es nach wie vor Interesse an dem Austausch gebe. Es sei nicht auszuschließen, dass sich ein solcher Fall auch die Bereitschaft lähmen könne, in Zukunft Gäste aufzunehmen. Ein Vorwurf könne in dieser Sache niemandem gemacht werden, betonte Hall. Auswirkungen auf die Förderung des Landes habe das Verschwinden der 17-Jährigen nicht. „Finanzielle Unterstützung gibt es ohnehin nur alle drei Jahre. Im Fall der Gruppe, aus der sich das Mädchen jetzt in Speyer abgesetzt hat, gab es gar kein Geld vom Land“, so Hall.