Speyer Riesiger Brandherd, rollende Balken

. Zwischen den Hochregalen der Firma JBL in Neuhofen wabert Rauch, die Sicht ist eingeschränkt. Eine Ladestation für Gabelstapler ist in Brand geraten, während die Sprinkleranlage repariert wird. Das Feuer breitet sich schnell aus. Arbeiter, die an den Regalen beschäftigt waren, sind verletzt. Das ist das Szenario der Großübung. Einsatzleiter Florian Graf, stellvertretender Wehrführer in Neuhofen, muss sich schnell einen Überblick verschaffen. Dafür werden die Daten der Brandmeldeanlage gelesen und die dort hinterlegten Pläne der Gebäude studiert. Ein erster Trupp dringt mit Atemschutz in die verrauchte Halle ein. Für die zuschauenden Gemeindevertreter und die Presse erklärt der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Waldsee, Michael Jaspers, was gerade passiert und wie sich das Szenario entwickelt. Etwas geklemmt habe es mit der Alarmierung durch die Brandmeldeanlage. Aus noch ungeklärten Gründen sei das Signal nicht automatisch in der Leitstelle eingegangen. Festgestellt hat das der Neuhofener Wehrleiter Thomas Klamm, als nicht wie geplant nach vier Minuten die Einsatzleitung eintraf. „Das muss der Betreiber der Anlage überprüfen lassen“, sagte Klamm später. Letztlich werden die Helfer übers Telefon informiert. Vor Ort erfährt die Einsatzleitung, dass eine unbekannte Anzahl von Verletzten in der brennenden Halle ist. Deren Rettung hat nun oberste Priorität. Und weil der Brand sich ausbreitet, fordert Graf Unterstützung aus Waldsee und Otterstadt an. Inzwischen hat der Rettungstrupp den verletzten Staplerfahrer und dessen Kollegen gefunden. Sie sind eingeklemmt, nachdem Material aus den Regalen herabgestürzt ist. Die Wärmebildkamera hat den Wehrleuten geholfen, trotz des Qualms die Arbeiter zu finden. Tatsächlich ist es ungefährlicher weißer Disco-Nebel, der für die Übung den Rauch simuliert. Die Arbeit unter Atemschutz ist für die Wehrleute eine große Belastung. Etwa 30 Kilo Ausrüstung müssen die Retter tragen, erklärt Jaspers. Deshalb müssen diese Kräfte auch nach 20 Minuten den Rückweg antreten. Ihr Einsatz wird besonders überwacht. Inzwischen hat sich ein weiterer Unfall ereignet: Abgelenkt durch das Geschehen ist ein Autofahrer mit einem voll besetzten Wagen in einen Laster gefahren, der gerade mit Holzbalken beladen wurde. Die Ladung stürzte auf den Pkw und klemmte Insassen ein. Der Einsatzleiter muss schnell reagieren. Er schickt die Otterstadter Feuerwehr zur Bergung der Verletzten. Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, hat sich das Feuer in der Halle zum Großbrand entwickelt – mehr Wasser muss ran. Die Feuerwehr Altrip wird gerufen. Sie baut eine Pumpstation auf, um aus dem Rehbach Löschwasser zu holen. 16 Fahrzeuge mit Besatzung sind schließlich im Einsatz: Drei aus Otterstadt, vier aus Altrip, drei aus Waldsee und sechs aus Neuhofen, zusammen sind 63 Wehrleute aktiv. Mit drei handgeführten C-Rohren, drei Wasserwerfern und über eine Drehleiter von oben kämpft der Einsatztrupp gegen die Flammen. Eine der häufigsten Fragen, die Jaspers von den Zuschauern gestellt wird: „Wenn während der Übung ein tatsächlicher Ernstfall eintritt – was dann?“ Zum einen gebe es während der Übung noch Reserven, die zurückgehalten werden, zum andern sei die Rettungsleitstelle informiert, so dass sofort auch Feuerwehren aus den Nachbarorten alarmiert werden, erklärt der Wehrleiter. Die erste Einschätzung von Übungsleiter Klamm nach Übungsende fällt positiv aus. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Wehren habe gut geklappt. Auch der Digitalfunk, der landesweit noch in der Erprobungsphase ist, habe funktioniert, die Kapazität der Kanäle ausgereicht. Die neun Verletzten – in Form von Dummies – seien schnell gefunden und geborgen worden. Die Personalstärke der Wehren sei am Wochenende auch besonders gut. Unter der Woche werde es langfristig schwieriger, Feuerwehrleute aus der Nähe zu bekommen, viele arbeiten in einiger Entfernung, erklärt Jaspers. Nachwuchs zu gewinnen, sei für die Zukunft wichtig.