Speyer Rhein-Pfalz-Kreis: Ingo Böhn ist mit Leib und Seele Kindernotarzt
Der Förderverein Kindernotarztwagen hat zwei große Probleme: Er benötigt Geld für ein neues Einsatzfahrzeug, und er braucht einen Notfallmediziner als Verstärkung für Kinderarzt Ingo Böhn, der in der Vorderpfalz im Moment rund um die Uhr in Bereitschaft ist.
Es hätte wirklich böse ausgehen können: Kindernotarzt Ingo Böhn war zwischen Dannstadt und Hochdorf-Assenheim auf dem Weg zu einem kleinen Patienten, als auf der Autobahn plötzlich der Motor ausging und der Wagen nur noch schwer zu manövrieren war. „Ich hatte richtig Glück“, erzählt der 57-Jährige. Die Pleuelstange war aus dem Motorblock geschleudert worden – Gott sei Dank nach vorne und nicht in das Fahrzeug hinein. Böhn fährt bei Einsätzen nicht gerade langsam, doch das könne kein Grund für einen Motorschaden nach nur gut zweieinhalb Jahren und 73.000 Kilometern sein, findet er. Das wirklich Ärgerliche an der Sache: Die Garantie war seit wenigen Monaten abgelaufen. Das Auto, ein Jeep Grand Cherokee, hatte eine Tageszulassung und war, bevor Böhn es bekam, eineinhalb Jahre lang nicht gefahren worden. Eine Anfrage nach Kulanz lehnte Jeep zunächst ab, woraufhin Böhn Widerspruch einlegte. Der Händler in Ludwigshafen habe die Reparatur verweigert, erst Ende Januar sei man zu einer Einigung gekommen: Das Auto wird repariert, es bekommt einen neuen Motor und ist, so hofft der Mediziner, Ende dieser Woche wieder einsatzbereit.
Der Umbau des neuen Wagens dauert wohl bis April
Allerdings beträgt die Selbstbeteiligung 10.000 Euro. Bis das Fahrzeug repariert ist, fährt Böhn die Einsätze mit seinem Privatauto, einem grauen Peugeot 407, ausgestattet mit Martinshorn und Blaulicht. Die Ausstattung des Kindernotarztwagens hat er im Kofferraum verstaut. Der Jeep mit dem Motorschaden hätte sowieso verkauft werden sollen, denn ein neues Fahrzeug, ebenfalls ein Jeep Grand Cherokee ist schon da. Doch der Umbau zum Notarztwagen dauert wohl noch bis April. Die Reparatur ist dennoch wichtig, denn der Verkaufserlös wird für die Neuanschaffung gebraucht. Die kostet schließlich zwischen 100.000 und 120.000 Euro. In der Vergangenheit hat der Verein die ausgemusterten Notarztwagen oft an die Feuerwehr verkauft. „Wäre uns dieser Schaden in meiner Anfangszeit als Kindernotarzt passiert, wäre es das Aus gewesen“, sagt Ingo Böhn, denn das Fahrzeug werde ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge des erst in den vergangenen Jahren aufgebauten Fördervereins Kindernotarztwagen finanziert. Öffentliche Fördergelder gibt es nicht.
Viele Einsätze hat Böhn 2019 absolviert
Ingo Böhn ist seit 1999 als Kindernotarzt tätig. Rund 500-mal sei er im vergangenen Jahr zu Notfällen gerufen worden, sagt er. Etwa zwei Drittel der Patienten seien Kinder, sagt er, aber auch zu Erwachsenen wird er geschickt, wenn es die Situation erfordert und er schnell vor Ort sein kann. Rund um die Uhr ist der Mediziner in Bereitschaft, und wenn er alarmiert wird, lässt er alles stehen und liegen. Dann müssen die Patienten in seiner Kinderarztpraxis in Schifferstadt eben warten, sagt er, oder eine private Veranstaltung werde abgesagt. Gerade mal drei Tage Urlaub habe er sich 2019 gegönnt. Gerne hätte er noch einen Kollegen, mit dem er sich abwechseln könnte. Doch es finde sich niemand. Der Job sei ja auch nicht leicht, meint Böhn, denn es müsse ein Kinderarzt sein, der außerdem ausgebildeter Notarzt sei. „Diese Kombination ist eine Rarität, und dann muss auch noch die Bereitschaft dazu da sein“, erklärt er. „Die Leute wollen nur Work-Life-Balance.“
Geld vom Förderverein bekommt er nicht
Ideal wäre es seiner Ansicht nach, einen Kindernotarzt im Einzugsgebiet anderer Kinderkliniken wie Worms, Kaiserslautern oder Heidelberg zu etablieren. Aber auch da ist Ingo Böhn nicht weitergekommen: „In Kaiserslautern hätte man das Auto schon genommen, doch dazu hätte der Förderverein dann noch fünf Planstellen finanzieren sollen“, empört sich der Mediziner, der selbst vom Förderverein keinen Cent privat erhalte und Einsätze, bei denen er zum normalen Notarzt hinzugerufen wird, nicht vergütet bekomme. Dennoch ist Ingo Böhn mit Leib und Seele Kindernotarzt, selbst dann, wenn ihm so etwas passiert wie mit dem liegengebliebenen Wagen. Da wurde das Kind halt zu ihm gebracht, sodass er sich darum kümmern konnte.
Spendenkonten
Konten des Fördervereins Kindernotarztwagen mit Sitz in Neulußheim: Sparkasse Vorderpfalz, IBAN: DE31545500100193318896; Volksbank Kur- und Rheinpfalz, IBAN: DE54547900000000415740. Nähere Informationen im Internet unter https://www.kindernotarzt.org/.