Speyer
Rhein-Pfalz-Kreis: Bauernverbands-Vorsitzender über angebliche Wasserknappheit
Wie knapp ist Wasser? Erste Meldungen zu dieser Frage laufen über die Presseagenturen – gerne wenn es heiß ist. „Und was müssen die Leute dann lesen? Dass wir Landwirte schuld sind, wenn sie verdursten“, sagt Johannes Zehfuß. Der Landwirt übertreibt absichtlich. Weil er von den Vorwürfen genervt ist. Und sie ungerecht findet – zumindest so lange Trinkwasser noch durchs Klo läuft.
Rhein-Pfalz-Kreis. Die Landwirte sind immer schuld, ob es nun zu trocken oder zu nass ist. Diese These stellt der Böhler Landwirt Johannes Zehfuß, der auch für die CDU im Landtag sitzt und dort unter anderem die Verbandsgemeinde Rheinauen vertritt, an den Anfang des Gesprächs. Eine These, die ein Vorwurf ist. Und diesen Vorwurf will der 60-Jährige nun mal nicht stehen lassen. Als Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbands Rhein-Pfalz-Kreis und stellvertretender Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Pfälzer Grumbeere spricht er nicht nur für sich, sondern auch für seine Kollegen. „Die Landwirtschaft kann nicht immer der Sündenbock sein.“
Ist es trockener als früher?
Zu nass. Zu trocken. Zur Zeit gilt wohl letzteres. Zumindest ist Trockenheit ein Thema in Deutschland. „Schäden und Dürre: der Deutsche Wald schrumpft“ – „Wer rettet unsere Wälder und Felder?“ – „Der Juli war zu heiß, zu trocken und zu sonnig“ – „Deutschland bald im Wasserstress?“, so oder so ähnlich lauten derzeit immer wieder Schlagzeilen. Und dass es trocken ist, will Johannes Zehfuß auch gar nicht bestreiten. Oft genug fährt er in diesem Sommer über staubige Feldwege. Aber ist es trockener als früher? „Auf eine Klimawandeldebatte will ich mich jetzt gar nicht einlassen“, sagt der Landwirt. Die Trockenheit an sich ist nämlich gar nicht sein Problem. Nur, dass er mit daran schuld sein soll. Weil er Landwirt ist. Und weil er seine Felder bewässert.
Der Zehfußsche Hof ist wie die meisten Landwirtschaftsbetriebe in der Region an den Beregnungsverband Vorderpfalz angeschlossen. Der bewässert rund 13.500 Hektar Fläche, allerdings mit einem Uferfiltrat aus dem Otterstadter Altrhein und nicht mit Grundwasser. Bereis 1962 legte der damalige Staatsminister Oskar Stübinger den „Generalplan für die Beregnung der Vorderpfalz“ vor, 1970 wurde mit dem Bau der Anlage begonnen. Der Plan: Grundwasser- und Trinkwasservorräte zu schonen. So steht es auf der Internetseite des Beregnungsverbands. „Da hat einer früh mitgedacht“, sagt Zehfuß. Er weiß aber auch, dass viele Landwirte sich damals gegen den Plan sträubten. „Zum Glück nicht mit Erfolg.“
„Wasser für unwichtigere Dinge“
Als Mitglied beim Beregnungsverband ist Zehfuß fein raus, was den Grundwasserverschwendungsvorwurf anbelangt. Trotzdem will er die Diskussion auf eine noch grundsätzlichere Basis stellen. „Landwirte bauen Nahrungsmittel an. Dafür brauchen sie Wasser. Meinetwegen auch Grundwasser. Ich meine, es wird für weit unwichtigere Dinge Wasser genutzt, wenn nicht verschwendet“, sagt Zehfuß. Er kommt auf die Kleider- und Automobilindustrie und das verschwenderische Konsumverhalten zu sprechen. „Immer alles neu kaufen, anstatt nachhaltig zu denken.“ Er erinnert außerdem daran, dass in den meisten Haushalten immer noch mit Trinkwasser das Klo gespült wird. „Da können wie anfangen über Verschwendung zu reden. Aber bitte nicht, wenn es um Lebensmittel geht. Lebensmittel sind lebensnotwendig. Und es ist gut, wenn wir sie aus Deutschland bekommen können – eben oder gerade um Ressourcen zu sparen“, sagt Zehfuß. „Oder sollen wir lieber Kartoffeln aus Nordafrika essen, wo es erst recht an Wasser fehlt?“
Die Vorderpfalz ist nicht Nordafrika, aber sie ist im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland trocken. Und sonnenverwöhnt, um das Klima mal positiv zu beschreiben. „Deshalb wird hier Gemüse angebaut und nicht im Schwarzwald. Da regnet es, aber es regnet zu viel.“ Zehfuß will auf Folgendes hinaus: Zu viel Wasser ist zu viel Wasser. „Da machst du nichts, wenn deine Felder im Regen ersaufen. Ist es jedoch zu trocken, können wir handeln. Wir stellen die Beregnung an.“ Nicht umsonst wirbt der Beregnungsverband mit dem Slogan „Regen nach Maß“. Das Wasser aus dem Otterstadter Altrhein – das können sich Landwirte einteilen, wie sie es brauchen.
„Bauern klagen gerne“
„Trockenheit plagt Landwirte“ – auch diese Schlagzeile war im Juli in einer Zeitung zu lesen. Zehfuß lächelt. Er gibt schon zu, dass Bauern gerne klagen, was das Wetter anbelangt. „Es ist schwer für Petrus, es uns recht zu machen. Ich bin da keine Ausnahme. Erst sehne ich Regen herbei. Am ersten Regentag freue ich mich auch. Am zweiten bin ich jedoch schon unruhig und am fünften verfalle ich in Depressionen, weil ich nix schaffen kann. Regen nach Maß – Regen, den wir steuern können, ist deshalb so wichtig.“
„Trockenheit plagt Landwirte“ – Zehfuß gibt aber auch zu, dass es Kulturen gibt, die natürlichen Regen brauchen, sich nicht alles, was wachsen und gedeihen soll, beregnen lässt. Er denkt ein paar Kilometer weiter, Richtung Haardt, wo Kollegen Wein anbauen. Oder an Getreidebauern.
„Ernte abgesoffen“ – auch eine Schlagzeile, in der RHEINPFALZ 2016. „Gemüse mit zu nassen Füßen“, war im Juni 2013 Thema. Und von 2011 gibt es Bilder im Zeitungsarchiv, darauf Wasservögel, die auf Seenlandschaften schwimmen. Seen, die eigentlich Äcker sind. „2016 hatten wir etwa das Genua-Tief, da konnte man von Speyer bis Frankenthal schwimmen. Damals waren wir Landwirte die Sündenböcke, als die Keller vollliefen. Weil ja das Wasser auf unseren Feldern stand, wir sie nicht mehr beregnet haben, der Grundwasserspiegel stieg.“ Regenzeiten im Rhein-Pfalz-Kreis. Es ist noch gar nicht so lange her, dass alles zu nass war. „Und jetzt ist eben alles trocken. Meinetwegen auch zu trocken“, sagt Zehfuß. „Aber wir Landwirte sind nicht schuld. Und wir verschwenden kein Wasser.“