Speyer „Rettung aus der Dose“ nicht nur für Senioren

Der Lions-Club Hanau hat das aus Großbritannien stammende Konzept in Deutschland bekannt gemacht: die SOS-Rettungsdose.
Der Lions-Club Hanau hat das aus Großbritannien stammende Konzept in Deutschland bekannt gemacht: die SOS-Rettungsdose.

Was passiert eigentlich, wenn zu Hause ein medizinischer Notfall eintritt? Woher weiß der Rettungsdienst, welche Vorerkrankungen ich habe oder welche Medikamente ich einnehmen muss oder wer informiert werden soll, wenn ich nicht mehr ansprechbar bin? Diese Fragen beschäftigen viele allein lebende Senioren. Nicht nur für sie könnte die SOS-Rettungsdose interessant sein, die der Seniorenbeirat nun in Waldsee etablieren möchte.

Als Brigitte Hört vom Seniorenbeirat Waldsee von einem Bekannten aus Hessen zum ersten Mal eine SOS-Rettungsdose gezeigt bekam, war sie sofort von der Idee begeistert und beschloss, das Konzept den Waldseer Senioren beim monatlich stattfindenden Bürgerfrühstück vorzustellen. Die Idee stammt ursprünglich aus Großbritannien und ist seit 2014 durch eine Aktion des Lions-Club Hanau Schloss Philppsruhe in Hessen weit verbreitet und bekannt gemacht worden. Das Konzept ist einfach: Die Rettungsdose selbst ist aus Kunststoff, etwa zwölf Zentimeter hoch und mit einem Schraubdeckel versehen. Sie enthält ein Formular zum Ausfüllen und zwei rote Aufkleber mit der Aufschrift SOS. In das Datenblatt trägt der Besitzer seine persönlichen Daten ein, klebt ein Foto ein, füllt aus, welche Vorerkrankungen bekannt sind, ob regelmäßig Medikamente genommen werden müssen und wo diese aufbewahrt werden. Außerdem wird die Anschrift des Hausarztes eingetragen und notiert, ob es eine Betreuung oder Pflege gibt, wo Notfallmappe, Patientenverfügung und Impfpass zu finden sind und wer im Notfall zu benachrichtigen ist. Auch ob es Haustiere zu versorgen gibt, wird vermerkt. Die Dose mit diesem ausgefüllten Formular wird gut sichtbar im Kühlschrank aufbewahrt. Außen an der Kühlschranktür wird einer der roten SOS Aufkleber angebracht, an der Innenseite der Wohnungstür der zweite. „Ich finde die Idee genial“, sagt Brigitte Hört. „Wenn der Rettungsdienst den Aufkleber an der Tür sieht, weiß er, er muss die Dose im Kühlschrank mitnehmen. Einen Kühlschrank hat jeder und die Küche ist leicht zu finden.“ Besonders sinnvoll findet sie die Dose für Menschen, die alleine leben und im Notfall niemanden haben, der dem Rettungsdienst Informationen geben kann. „Das ist nicht nur für Senioren sinnvoll, auch für jüngere Singles ist das sehr nützlich“, ist Hört überzeugt. Viele der Senioren, denen sie die Idee vorgestellt habe, hätten gleich eine Dose haben wollen. „In Hessen gibt es die Dosen in der Apotheke“, weiß Hört. Deswegen fragte sie in der örtlichen Apotheke nach, ob die Dosen auch hier bekannt seien. Fehlanzeige! Die Idee sei gut, aber so eine Dose sei nur dann sinnvoll, wenn der Rettungsdienst das Konzept kenne, habe man ihr gesagt. Dann fing für Brigitte Hört eine Telefonodyssee an. „Ich wollte bei den Rettungsdiensten nachfragen, ob die Idee bekannt ist“, sagt sie. Aber wen genau fragt man da eigentlich? Bis zur richtigen Stelle ist sie nicht vorgedrungen. „Ich habe immer nur zu hören bekommen, dass man das nicht kenne und mir da jetzt auch nicht weiter helfen könne.“ „Ich finde es eine ganz tolle Idee, was der Seniorenbeirat da angestoßen hat“, sagt Anna Meinhardt, Geschäftsführerin des DRK-Rettungsdienstes Vorderpfalz auf RHEINPFALZ-Anfrage. Sie habe tatsächlich zuvor noch nichts von der SOS-Rettungsdose gehört. Generell sei der Rettungsdienst immer für jede Information über den Patienten dankbar. „Wenn wir etwas für die Patienten tun können, dann machen wir das doch gerne. Einfacher wäre es für uns, wenn das alles auf der Gesundheitskarte gespeichert werden könnte, aber das ist eben nicht der Fall“, sagt sie. Mittlerweile hat Meinhardt die DRK-Mitarbeiter über die SOS-Dosen informiert. Sie sind angehalten, bei Einsätzen nach den roten Aufklebern auf Wohnungs- und Kühlschranktür Ausschau zu halten. Kontakt Ausführliche Informationen und die SOS-Rettungsdose selbst gibt es in Waldsee gegen eine geringe Gebühr beim Bürgerfrühstück des Seniorenbeirates am ersten Freitag im Monat von 10 bis 12 Uhr im Alten Rathaus, bei der Sitzung des Waldseer Seniorenbeirats am zweiten Mittwoch im Monat von 14 bis 15.30 Uhr im Alten Rathaus und in der Sprechstunde des Behindertenbeauftragten Klaus Günter Hört am letzten Dienstag im Monat von 14 bis 16 Uhr im Rathaus. Der Beigeordnete der Ortsgemeinde Waldsee Rudi Fuchs möchte dafür sorgen, dass es Rettungsdosen ab Juni auch während der Öffnungszeiten im Rathaus Waldsee gibt. Informationen, aber vorerst keine Dosen, gibt es im Seniorenbüro Rhein-Pfalz-Kreis, dienstags von 9 bis 13 Uhr in der Kreisverwaltung Ludwigshafen, Erdgeschoss Zimmer A48. Das Seniorenbüro ist erreichbar per E-Mail an seniorenbuero@kv-rpk.de und unter Telefon 0621 5909 – 629.

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