Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Rallye: Dudenhofener fährt 8000 Kilometer bis Jordanien

Startklar: Peter Klein (rechts) und Jürgen Saam.
Startklar: Peter Klein (rechts) und Jürgen Saam.

Dudenhofen. Da gehört schon eine kräftig gemischte Portion Verrücktheit, Abenteuerlust und Mut dazu: Mit einem entweder mindestens 20 Jahre alten oder unter 1000 Euro kostenden Auto oder auch auf dem Motorrad in einer dreiwöchigen Rallye rund 8000 Kilometer von Deutschland bis nach Jordanien zu fahren.

Das Gute daran: Es handelt sich um kein Rennen, sondern um eine nicht auf Tempo ausgerichtete Veranstaltung. Und das Fahrzeug muss im Zielland bleiben, einem karitativen Zweck zugeführt werden. Darum hat das jordanische Königshaus auch für die 15. Europa-Orient-Rallye (EOR) die Schirmherrschaft übernommen.

Unter den über 100 europäischen Teams, die üblicherweise aus sechs Personen mit drei Fahrzeugen bestehen und unterwegs Hilfsprojekte unterstützen, sind diesmal der Dudenhofener Autohaus-Chef Peter Klein und sein Neulußheimer Freund, Versicherungsbüroleiter Jürgen Saam.

Das rheinübergreifende Duo bildet mit zwei Fahrerpaaren aus dem Saarland und aus Freiburg den „badisch-saar-pfälzischen Pilsschobbä-Express“, der mit drei betagten Audi A6 auf die Allräder geht. In den Autos soll auch geschlafen werden. Ersatzweise dürfen die Fahrer auf Hotels mit weniger als 11,11 Euro Übernachtungskosten ausweichen.

Humanitärer Zweck

Die humanitäre, der Völkerverständigung dienende, vielleicht verrückteste Motorsportveranstaltung für Hobbyrallyefahrer, startet am Samstag, 9. Mai, in Mannheim. Doch zuvor wird Neulußheim zum Nabel der EOR-Welt: Am Sonntag, 29. Februar, steht in der nordbadischen Gemeinde der Kennenlerntag auf dem Fahrplan.

Damit die Geselligkeit nicht zu kurz kommt, findet an diesem Präsentationstag zugleich die Weltmeisterschaft im „Carbeque“ statt, wobei das Grillgut auf der Motorhaube zubereitet werden soll. Erwartet werden hierzu auch die Teilnehmer-Teams aus Frankreich, Österreich, der Schweiz und Holland.

Peter Klein stellte den 21 Jahre alten, von seinem Vorbesitzer über 180.000 Kilometer gefahrenen Audi Variant in seinem Autohaus in der Speyerer Nachbargemeinde auf den Prüfstand und jetzt zusammen mit seinem Partner der Presse vor. Er ließ einen verstärkten Dachgepäckträger auf die Reling montieren.

Durch Sandwüsten

In der Sonderkonstruktion, die zudem in Sandwüsten als Anfahrhilfe genutzt werden kann, transportiert das Rallyeteam Ersatzreifen und Wasserkanister. Den 193 PS starken, goldfarbenen Audi peppten sie an den Seiten mit blauen Zebra-Längsstreifen auf, weshalb die sechs Teammitglieder eine verkürzende Namensänderung ins Kalkül ziehen, um als „Wüste Zebras“ auf Tour zu gehen, erklärte Saam zu dem zweideutigen Wortspiel.

Die 2020-Tour geht über den Balkan, nach Istanbul, Ankara, Anatolien, Mersin, mit der Fähre nach Haifa, Tel Aviv, Nazareth, Jerusalem und Bethlehem nach Jordanien. Täglich sollten nicht mehr als 666 Kilometer gefahren werden.

Dies ist auf Nebenstraßen mit im Durchschnitt maximal 50 Stundenkilometern aber schon viel. Denn Autobahnen sind ebenso verboten wie das Benutzen von Navis. Im Trio wechselt die Führungsarbeit, und somit übernimmt jedes Paar für gewisse Zeit das Kartenlesen.

Nur Funkkontakt

Die drei Teams sind über Funkgeräte verbunden. Mit diesem erlaubten Hilfsmittel werden die Abenteurer auch besser an vorgegebenen Checkpoints von der Rallye-Leitung definierte Sonderprüfungen absolvieren können.

Im Roadbook finden die Teilnehmer etwa das Foto eines Ladens in Istanbul, in dem sie eine Aufgabe erfüllen müssen, informierte Klein. Auf die Frage, wer das Benutzen eines Handy-Navis kontrolliert, meinte der Dudenhofener: „Das ist Ehrensache, dass man das nicht macht.“

Tierischer Preis

Der erste Preis ist traditionsgemäß ein Kamel. Ebenso üblich ist es, diese lebende Trophäe im Zielland an einen jungen Beduinen oder Farmer zu verschenken. Der karitative Gedanke der Rallye ist für das Baden-Pfalz-Saarland-Team essentiell. Deshalb plant das Sextett, das alle Kosten selbst zu tragen hat, eigene Hilfsprojekte.

Es ist erforderlich, dass jedes teilnehmende Team bei der Rallye mit einem GPS Live Tracking-System ausgestattet ist. Eine Teilnahme ohne dieses System, welches auch zur Sicherheit und zur Nachverfolgung der Teams für deren Familien und Freunde über das Internet bis zum Ende der Rallye dient, ist nicht möglich. Denn schließlich hat jedes Abenteuer auch seine Grenzen.

Im Netz

www.europa-orient-rallye.de

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