SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Radsport: Linus Sturm träumt von der Tour de France

Sitzt am liebsten auf seinem Rennrad: Linus Sturm aus Speyer.
Sitzt am liebsten auf seinem Rennrad: Linus Sturm aus Speyer.

Radsport: Linus Sturm ist leidenschaftlicher Radfahrer. Der junge Sportler träumt von der Tour de France. Die ersten Schritte dahin hat er gemacht. National hat er die Konkurrenz gut im Griff. Aber der Weg ist noch sehr, sehr weit und steinig.

Linus ist erst zehn Jahre alt, hat gerade mal die jüngste Lizenzklasse hinter sich gebracht, dies aber mit drei Landesverbandstiteln und dem Gewinn einer großen Nachwuchsrundfahrt. Er kommt aus einer Familie, die den Radsport liebt. Sein Vater Uwe war Vizeweltmeister, Europameister und mehrfacher Deutscher Meister. Uwe Sturm? Nie gehört? Das liegt daran, dass er diese Titel in der Randsportart BMX gewonnen hat. Seinem Sohn empfiehlt er dies nicht: „Der Sport hat sich heute so entwickelt, dass er sehr gefährlich geworden ist. Außerdem ist die Bahn in Dudenhofen zu klein, wenn man auf internationalem Niveau trainieren will. Die nächste geeignete Bahn ist in Frankfurt.“

Linus hat ohnehin mehr Spaß am Rennradfahren. Aber nicht nur: Auch im Radcross, mit dem Mountainbike oder auf der Radrennbahn sammelt er Erfahrung. Und Fußball beim JFV Ganerb spielt er auch noch. „Aber das nur zum Spaß, Radsport ist mir wichtiger“, sagt der Mittelfeldspieler und Stürmer, der die Dinge auch auf dem Rad gerne mal offensiv angeht. So wie bei seinem wichtigsten Erfolg, dem Gesamtsieg der Ostthüringen-Tour. Die ist so etwas wie die deutsche Tour de France für Fahrer in Linus’ Alter. „Auf der letzten Etappe habe ich attackiert und dann durchgezogen und bin so alleine vor dem Rest ins Ziel gekommen“, erzählt der Speyerer. Zur Belohnung gab es das Gelbe Trikot, das nun im Kinderzimmer zwischen den schon rund 60 gewonnen Pokalen und Medaillen hängt.

Freude über neues Rennrad

Im Sprint erreicht er auf seinem schwarzen Specialized-Rennrad mit elektronischer Schaltung, Carbon-Laufrädern und 22 Gängen Geschwindigkeiten von knapp 50 Kilometern pro Stunde. Die Rennmaschine war ein Geburtstagsgeschenk: „Da war meine Freude riesengroß“, erinnert sich Linus an sein neuntes Wiegenfest. „Ich habe gleich gemerkt, dass ich damit viel schneller bin als auf meinem alten Rad.“

Und Linus hat auch Ausdauer. Bis zu 70 Kilometer fährt er bereits im Training. „Aber meist nur so um die 50, am liebsten über Philippsburg und Germersheim zurück nach Speyer“, sagt er, der in den Wettkämpfen das Trikot der RSV Rheinzabern trägt. „Hier in Speyer gibt es ja keinen Verein, der Jugendarbeit im Straßenbereich betreibt. Als Linus dann Einsteigerrennen gefahren ist, wurde er von den Verantwortlichen in Rheinzabern, die eine größere Gruppe haben, angesprochen“, sagt Vater Uwe.

Sieg im ersten Rennen

Ans erste Rennen erinnert sich Linus noch gut. In Bellheim hat er gleich gewonnen. Seit drei Jahren ist er Lizenzfahrer. Bergauf oder flach: Linus ist das egal. Mit dem Mountainbike liebt er auch Fahrten im Pfälzerwald. Sein Vorbild ist der Minfelder Spitzenprofi Pascal Ackermann. „Und mein Papa.“ Natürlich will Linus Radprofi werden, aber wenn das nicht klappt, ist der Plan B des Viertklässlers der Zeppelinschule schon in der Schublade: „Maler und Stuckateur“, sagt er sofort. Na klar, Vater Uwe hat ja in Harthausen einen Stuckateurbetrieb, der irgendwann zur Übernahme ansteht.

Noch ist der Senior aber überwiegend als Fahrdienst gefragt. Einmal wöchentlich zum Training nach Rheinzabern, an den Wochenenden zu den Wettkämpfen in Deutschland, dem benachbarten Elsass, aber auch mal in der Schweiz. Und überall ist Linus ganz vorne mit dabei. Dabei sagt der Vater: „Er macht das nur für sich selbst und weiß das auch. Ich unterstütze ihn, aber er macht es nicht für mich, im Gegenteil: Er ist total radvernarrt und muss eher noch gebremst werden, sonst würde er jeden Tag Radfahren.“

Schon mit anderthalb Jahren saß Linus ohne Stützräder auf seinem Fahrrad. O.k. – ab und an ist er auch mal gefallen, aber immer wieder aufgestanden: „Einmal bin ich mit 40 Stundenkilometern an die Hauswand gefahren, hatte aber Glück. Aber einen Finger habe ich mir auch schon angebrochen“, berichtet er. Alles kein Beinbruch für den 1,50 Meter großen und 37 Kilogramm leichten Sportsmann. Denn im Radsport sind auch Nehmerqualitäten gefragt, nicht nur nach Stürzen.

x