Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Quellenwerk zu Waldsee: Pfarrleben, Hofgüter und alte Namenslisten

Beim Festakt im Rathaus: (von links) Bernd Lohrbächer, Martin Armgart, Claudia Klein, Paul Warmbrunn und Klaus Lohrbächer.
Beim Festakt im Rathaus: (von links) Bernd Lohrbächer, Martin Armgart, Claudia Klein, Paul Warmbrunn und Klaus Lohrbächer.

1528 Seiten Urkunden, vier Bände, fünf Kilo: Eine neue Sammlung legt Waldsees Orts- und Kirchengeschichte offen – mit Namenslisten, Hofgütern und Streit um die Kollerinsel.

Was immer es an historischen Urkunden zur Gemeinde und zur Pfarrei Waldsee gibt, die Brüder Bernd und Klaus Lohrbächer dürften sie gefunden haben. Im Rathaus haben sie nun ihre Quellensammlung zur Orts- und Kirchengeschichte von Waldsee in einem Festakt vorgestellt. 1528 Seiten in vier Bänden, fünf Kilo schwer, umfasst das Werk, „eigentlich eine Trilogie, aber der letzte Band geriet so umfangreich, dass der Verlag auf Teilung bestand“, berichten die Brüder.

Wichtige Beiträge kamen von den beiden Historikern Martin Armgart und Paul Warmbrunn dazu, die jeweils ihren Teil selbst vorstellten. Die Vier durchforsteten die Archive, in denen Urkunden zur Geschichte dieses geografischen Raums zu finden waren, insbesondere das Landesarchiv Speyer, das Bistumsarchiv und das Speyerer Stadtarchiv, aber auch das Generallandesarchiv in Karlsruhe, das Hessische Staatsarchiv in Darmstadt, das Stadtarchiv Frankfurt und sogar das Deutschordensarchiv in Wien. Überall dort waren Verbindungen zu Waldsee aufzuspüren, meist weil Adelsgeschlechter oder auch der Deutsche Orden Besitzungen in Waldsee hatten. Es zeigt, wie weit verzweigt bereits in früheren Jahrhunderten das Bezugssystem der Grundeigentümer war.

Streitigkeiten mit Neuhofen

Die ersten Urkundenerwähnungen reichen bis Anfang des 13. Jahrhunderts zurück. Der Anspruch war, alles, was an Urkunden auffindbar war, – sofern notwendig – übersetzt aus dem mittelalterlichen Latein und jeweils transkribiert in heute lesbare Schrift, abzudrucken, sodass dieses Werk als Grundlage für weitere historische Darstellungen, etwa einer modernen Ortschronik, dienen kann. Bisher existiert als einzige Darstellung der Ortsgeschichte die Ortschronik von Fritz Gerbes, ein verdienstvolles Werk, das jedoch in die Jahre gekommen ist und zahlreiche Lücken aufweist.

Der erste Band umfasst auf 512 Seiten eine Einleitung zur Orts- und Kirchengeschichte, die diversen Änderungen des Ortsnamens durch die Jahrhunderte, nicht selten Quelle von Verwechslungen mit anderen Pfälzer Ortschaften, Namenslisten der Einwohner, die notwendig waren für steuerliche Abgaben, dazu Nachweise zu nachbarlichen Streitigkeiten mit Neuhofen und der Kurpfalz – bei letzteren ging es vor allem um die Kollerinsel. „Es zeigt, wie streitbar unsere Vorfahren einst waren“, sagen die Brüder Lohrbächer.

In Band 2 geht es vor allem um die geistlichen und weltlichen Hofgüter, 20 werden immer wieder erwähnt. Die Unterlagen geben Einblick in das harte und entbehrungsreiche Leben der bäuerlichen Einwohner. In Band 3 geht es auf 474 Seiten um das kirchliche Leben in Waldsee, vor allem sichtbar in Visitationsprotokollen. Erst 1754 wurde ein Pfarrhaus fertiggestellt, vorher übernachteten die Pfarrer in angemieteten Zimmern und mussten lange Fußmärsche auf sich nehmen, zumal sie auch für andere Orte zuständig waren. So manche Entdeckungen gab es, etwa einen Inquisitionsprozess gegen einen Waldseer Pfarrer.

Die Brüder Lohrbächer, die eigentlich in Römerberg zu Hause sind, fanden über ihre Familienforschung nach Waldsee – die väterlichen Vorfahren waren Waldseer. Als sie mit ihrer Idee an Bürgermeisterin Claudia Klein (CDU) herantraten, fanden sie dort ein offenes Ohr und die Bürgerstiftung übernahm mit 3750 Euro einen guten Teil der Aufwendungen.

Die Feierstunde wurde von Felix Kneble am Klavier musikalisch abgerundet.

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