Speyer Qualität aus der Region
. Mit einem Ruck schiebt Matthias Lutz die schwere Stalltür beiseite. Sofort wenden sich ihm Dutzende interessierte Augenpaare zu. Die Aufmerksamkeit seiner Rinder genießt der Züchter aber nur kurz, dann senken sich ihre Nasen wieder in das vor ihnen liegende Heu. Mit dem Wilhelmshof hat sich der 45-Jährige seinen Traum erfüllt, eine eigene regionale Marke zu schaffen. Sein „Queichtalrind“ sei eine Kreuzung vom Charolais- und Limousin-Rind mit dem Rot- und Schwarzbunten Niederungsrind. „Diese älteren Rassen bieten eine hohe Fleischqualität“, erläutert Lutz. Im hinteren Teil des Hofs öffnet er ein weiteres Tor. In der Halle dahinter befindet sich sein landwirtschaftlicher Fuhrpark. „Das Futter für meine Tiere stelle ich selbst her“, sagt Lutz. Auf mehreren Feldern in der Region baut er unter anderem Getreide und Mais an – ohne künstliche Düngemittel, wie er versichert: „Ich verwende nur betriebseigenen Mist und Gülle.“ Auch auf seinem Weidegrund bei Westheim, auf dem seine derzeit 36 Rinder die warmen Monate des Jahres verbringen, komme keinerlei Chemie zum Einsatz. Er sei schon als Kind mit der Land- und Tierwirtschaft in Berührung gekommen, erzählt Matthias Lutz. „Ich habe damals auf dem Bauernhof meiner Großeltern mitgeholfen.“ Nicht zuletzt deswegen habe er einen starken Bezug zu seinen Rindern. „Das Tierwohl steht für mich im Vordergrund. Meine Rinder sind für mich wie Familienmitglieder“, sagt der 45-Jährige. Es falle ihm daher nicht leicht, ein Tier zum Schlachter zu fahren. „Aber das ist nun mal der Lauf der Dinge.“ Einer seiner Grundsätze sei, dass sich der Hof selbst tragen muss. Er habe daher auch keine staatlichen Subventionen in Anspruch genommen. Frank Treiling, der mit seiner Frau die gleichnamige Metzgerei in Insheim betreibt, hat diese Philosophie überzeugt. Der Fleischermeister hat Lutz über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. Er habe sich den Hof dann von Lutz zeigen lassen und sei vom Konzept gleich überzeugt gewesen. „Wenn man weiß, wie der Züchter tickt, weiß man auch, wie es den Tieren geht“, meint Treiling. Und ergänzt: „Ein guter Züchter muss auch Tierfreund sein.“ Das schlage sich durchaus in der Fleischqualität nieder: Als „zart und geschmackvoll“ beschreibt Treiling das Fleisch des „Queichtalrinds“. Daher beziehe er sein Rindfleisch ausschließlich von Lutz – und der wiederum schlachte immer nur so viel, wie Treiling benötigt. Dabei seien die kurzen Transportwege von Vorteil: „Die Rinder werden in Hochstadt geschlachtet und dann in Insheim verarbeitet und verkauft“, erläutert Lutz. Mit der Akzeptanz bei den Kunden sei Treiling sehr zufrieden: „Unsere Kunden sind ganz angetan von dem Fleisch“, sagt er. Auch die etwas höheren Preise – die sich laut Lutz zwischen fünf und sechs Euro pro Kilo Schlachtgewicht bewegen – seien keine Absatzbremse. Wichtig sei es Lutz gewesen, seinen Betrieb als „gläsernen Hof“ zu konzipieren. Seine Tiere dürfen also Besuch empfangen: „Ich habe schon Schulklassen aus Speyer über den Hof geführt“, berichtet er. Richtig viele Gäste werden es vielleicht 2017: Für dieses Jahr plant Lutz, auf seinem Wilhelmshof ein Fest zu geben. |bed