Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Prominente Stürze, herabschauende Hunde

Wer war es: Ringer-Legende Wilfried Dietrich (links) brachte Christian Roßkopf nicht zum Sturz, denn er spielte gar nicht mit.
Wer war es: Ringer-Legende Wilfried Dietrich (links) brachte Christian Roßkopf nicht zum Sturz, denn er spielte gar nicht mit.

Stadtleben: Auch in der Sommerferien-Zeit steht Speyer nicht still. Das Brezelfest wirft seine Schatten voraus, auf der Domwiese tummelten sich Freiluft-Sportler und Mitglieder der Feuerwehr wagten eine Reise zurück in ihre Schulzeit.

Bestürzendes beim Brezelfest

Vor 50 Jahren betraten die Amerikaner Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond. Ebenfalls vor 50 Jahren, am 13. Juli 1969, trug sich auch in Speyer Aufsehenerregendes zu. Ein Oberbürgermeister stürzte. Christian Roßkopf widerfuhr dies vor etwa 800 Zuschauern während eines Brezelfest-Fußballspiels auf dem inzwischen längst bebauten VfR-Sportplatz am Nonnenbach.

Die Zuschauer erlebten, wie ihr Stadtoberhaupt ins Krankenhaus transportiert wurde – „zur Beobachtung“. Weil die Sturzfolgen offenbar nicht bedenkenswert waren, konnte der erste Speyerer das Hospital alsbald wieder verlassen.

Damals merkte die RHEINPFALZ zum Aufsehen erregenden Sturz des Stadtoberhauptes an: „Der Fall des OB hing mit dreierlei zusammen: a) mit dessen ungezügelten Ehrgeiz, b) mit der seiner Kondition nie und nimmer entsprechenden Ungelenkheit, c) mit seinem Gegenspieler. Denn der ging gleichfalls furcht-, aber obendrein kolossal respektlos dem anbrausenden ersten Bürger der Stadt absolut aus dem Weg. Und rumms …“

Das alles begab sich zu jener Zeit, als Speyer noch Brezelfest-Prominentenfußball erleben durfte. Die Turniere gab es jeweils an den Samstagnachmittagen des damals noch auf fünf Tage beschränkten Festtaumels beinahe 20 Jahre lang, mal auf dem VfR-Fußballplatz, mal bei den „Roten“ auf der Kuhweide, manchmal im Rheinstadion.

In der Aussicht auf das anschließende Brezelfest-Bier ballerten unter anderem Mannschaften wie die Pälzer Ausles, Pälzer Parrer, Presseteams, Landes- und Stadtpolitiker, die Handballer des TSV und die Hockeyer des HC Blau-Weiß gegeneinander, sowie – als Krönung – 1970 die mit WM- und Bundesliga-Fußballern aufgemotzte Auswahl der aus München angereisten Lach- und Schießgesellschaft gegen eine Auslese von Politgrößen aus Rheinland-Pfalz. Darin auch OB Roßkopf, der im Jahr zuvor krankenhausreif gefällt worden war.

Geleitet wurde das Ganze von Fifa-Schiedsrichter Kurt Tschenscher, bekannt durch seine Souveränität während zweier Weltmeisterschaften, mehrerer Europapokal- und Bundesliga-Spiele. Der in Reilingen wohnende Oberschlesier hatte mit den über 1000 Zuschauern eines gemeinsam: Häufiges Grinsen über die fußballerischen Feinheiten der Kabarett- und Politkünstler. Wie die das Spiel endete, ist nicht überliefert.

Sportliches auf der Domwiese

Zirkeltraining, sechs Stationen, drei Runden – danach Yoga-Matte, Sonnengruß, herabschauender Hund, Meditation, Kopfstand. Belohnung: Muskelkater. Ein kostenloses Probetraining im Freien haben Sabrina Vogel (26), Sportwissenschaftlerin sowie Personal- und Fitnesstrainerin, und Katharina Jung (24), Yoga-Lehrerin, am Samstagvormittag auf der Domwiese organisiert. Mit ihrem Konzept „HIIT vs. Yoga“ sorgten sie bei rund 30 Teilnehmern im Alter von 20 bis 60 Jahren für Fitness, Entspannung und Spaß.

Innerhalb einer Woche konzipierten die Sportlerinnen einen Trainingsplan, bewarben ihre Aktion über die sozialen Medien, besorgten Utensilien. „Wir haben auf zehn Teilnehmer gehofft und hätten nie gedacht, dass wir so viele Anfragen bekommen. Wir hatten sogar einen Anmeldeschluss, damit wir den Überblick behalten“, erzählt Sabrina Vogel.

„HIIT steht für High Intensity Interval Training und ist ein Workout von 20 bis 30 Minuten, bei dem zwischen einer hohen Belastungs- und Leistungsphase und einer Erholungsphase abgewechselt wird“, erklärt sie. In Form eines Zirkeltrainings wurden dabei Kraft, Ausdauer und Koordination geschult. „Wir benötigen keine Gewichte oder Geräte, sodass wir auch draußen trainieren können“, erklärt Vogel. Speyer und Umgebung böten viele schöne Plätze, die sich für ein Training im Freien eigneten, aber leider ungenutzt blieben.

Katharina Jung, die ihre Ausbildung zur Ashtanga-Vinyasa-Yoga-Lehrerin in Indien absolviert hat, sorgte im Anschluss an das Zirkeltraining für Dehnung und Entspannung der Teilnehmer. „Beim Ashtanga Yoga gibt es eine festgelegte Übungsfrequenz mit immer wieder den gleichen Übungen, es ist eine richtige Bewegungsmeditation. Vinyasa Yoga ist hingegen kreativer – man kann seine Übungen und Posen nach bestimmten Themen oder Muskelgruppen ausrichten“, erklärt Jung. Sie selbst unterrichtet Power Vinyasa. Ihre Yoga-Einheit beginnt mit dem Sonnengruß. Als Pose zum Abschluss hat sie den Kopfstand gewählt. „Der Kopfstand beansprucht alle Muskelgruppen. Und es ist ein kleines Erfolgserlebnis für die Teilnehmer.“

„Ich gehe seit 15 Jahren in Fitness-Studios, aber bei einem Training draußen an der frischen Luft fühlt man sich einfach wohler und besser. Ich habe richtig Gas gegeben und bin an meine Grenze gekommen“, sagte Teilnehmerin Francesca Kalkanteras (35) im Anschluss an das Training. Für Jessica Becker (27), die dreimal in der Woche HIIT macht, waren sowohl das Training im Freien als auch Yoga mal etwas anderes. Auch Max Wenchel (25) fühlt sich ausgepowert. „Die Kombination aus Anstrengung beim HIIT und der Entspannung im Yoga hat super harmoniert – wobei ich damit nicht sagen möchte, dass die Yoga-Einheit nicht anstrengend war“, sagt er. Den Kopfstand hat er übrigens hinbekommen. Der Kurs soll auch in Zukunft einmal im Monat stattfinden. Infos gibt’s unter www.sabrina-vogel.de und www.shamballa-yoga.de.

Lehrreiches in der Burgfeldschule

Sommerferien-Zeit in Speyer. Während die überwiegende Mehrheit der Schüler sich freuen dürfte, die Schule sechs Wochen lang mal nicht von innen sehen zu müssen, nehmen andere ganz freiwillig Unterricht. Der Gefahrstoffzug der Feuerwehr Speyer, dessen Mitglieder im Umgang mit chemischen, biologischen und radiologischen Gefahren besonders geschult sind, nutzte die derzeit leere Burgfeldschule am Montagabend für eine Übung. Ein Unfall im Chemieunterricht wurde simuliert, bei dem einige Chemikalien ausgelaufen sind. Eine Person musste aus dem Chemiesaal gerettet werden. Chemikalien mussten gesichert und auslaufende Flüssigkeiten gebunden werden. Chemie-Kenntnisse mussten aufgefrischt werden. Wie bitte? „Während der Übung entschloss man sich noch zu einer kurzen Unterrichtsstunde“, heißt es tatsächlich im Bericht der Feuerwehr. Warum nicht, wenn man schon mal in der Schule ist ... Welche Elemente besprochen wurden und wer aus der Feuerwehr-Klasse sich als Streber hervortat, ist nicht bekannt.

Wer weiß es: Die Speyerer Feuerwehr beim spontanten Chemieunterricht in der Burgfeldschule.  Foto: Feuerwehr/frei
Wer weiß es: Die Speyerer Feuerwehr beim spontanten Chemieunterricht in der Burgfeldschule.
Wer kann es: Kursteilnehmer beim Yoga auf der Domwiese.  Foto: Nino Marz/frei
Wer kann es: Kursteilnehmer beim Yoga auf der Domwiese.
x